Zwischen Neckar und Alb

Solidaritätskette für die Rettung

Wirtschaft Bei Balluff stehen 240 Jobs auf dem Spiel. Die Mitarbeiter der Firma protestieren vor dem Stammsitz. Die Belegschaft hofft noch auf eine Zukunftsperspektive. Von Elisabeth Maier

Mitarbeiter der Firma Balluff bilden eine Solidaritätskette. Foto: Horst Rudel
Mitarbeiter der Firma Balluff bilden eine Solidaritätskette. Foto: Horst Rudel

Im Kampf um 240 Arbeitsplätze beim Sensortechnik-Hersteller Balluff in Neuhausen hat die Belegschaft mit einer Solidaritätskette ein starkes Zeichen gesetzt. Am Donnerstag um 12 Uhr versammelten sich rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um die Firmenzentrale in der Schurwaldstraße. Auf ihren roten T-Shirts bekräftigten sie die Forderung nach einer Zukunftsperspektive statt des geplanten Stellenabbaus. „Damit signalisieren wir, dass ihr nicht alleine seid“, rief die Gewerkschaftssekretärin Monica Wüllner von der Gewerkschaft IG Metall .

Mit Musik und kurzen Redebeiträgen machte die IG Metall auf die Lage in dem Neuhausener Unternehmen aufmerksam. In der Belegschaft ist die Angst groß, dass die Arbeitsplätze nicht mehr zu retten sind. Die Fertigung soll nach Ungarn ausgelagert werden, da dort billiger produziert werden kann. „Wir haben derzeit nur noch bis zum 31. Dezember eine Perspektive“, sagte Inci Arslan am Rande der Kette um den Stammsitz des Familienunternehmens. „Ich arbeite seit mehr als 30 Jahren bei Balluff“, machte die Mitarbeiterin der Fertigung ihrer Verzweiflung Luft. „Man sollte uns wenigstens so viel Zeit geben, dass wir uns nach neuen Jobs umsehen können“, sagt die 51-Jährige. Aber sie fühlt sich mit Balluff verbunden, hat sich jahrzehntelang für das Unternehmen engagiert: „Wir wollen bleiben und die Krise durchstehen.“

Auch ihre Kollegin Kyriaki Papadoupoulou sieht das Familienunternehmen in der Pflicht. Dass die Ingenieure in Neuhausen bleiben, die Mitarbeiter der Fertigung aber entlassen werden, das macht die Mitarbeiterinnen wütend. Gerade am Stammsitz des Familienunternehmens muss es aus ihrer Sicht weiter eine Fertigung geben.

Im Oktober beginnen nach den Worten von Franz Gärtner, dem Vorsitzenden des Betriebsrats von Balluff, die Verhandlungen über den Stellenabbau. Da werde zum einen ein Sozialplan ausgehandelt. Monica Wüllner von der IG Metall hat aber dennoch die große Hoffnung, zumindest einen Teil der Arbeitsplätze in Neuhausen zu halten. Mit dem Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (IMU) werden nach Wüllners Worten Möglichkeiten ausgelotet, ob der Stellenabbau doch noch abgewendet werden könnte. Alternativen müsse man prüfen.

Dass zur Solidaritätskette auch Delegationen von Nachbarfirmen gekommen sind, das freute Franz Gärtner sehr: „Es ist wichtig, dass wir uns gemeinsam gegen den Stellenabbau wenden“, ist der Chef des Balluff-Betriebsrats überzeugt. Bei der Firma Eberspächer in Esslingen sollen 300 Stellen abgebaut und nach Polen verlagert werden. Deshalb kann sich Franz Gärtner sehr gut vorstellen, mit einer Demonstration in Stuttgart noch mehr Öffentlichkeit zu erzeugen: „Wir müssen auf die Königstraße.“

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