Zwischen Neckar und Alb

Sorge um den Fernsehturm

Stuttgart 21 Die Schutzgemeinschaft Filder kämpft für den S-Bahn-Ringschluss von den Fildern ins Neckartal. Deren Vorsitzender Steffen Siegel sieht „gravierende Störungen“ auf der Gäubahnstrecke voraus. Von Elisabeth Maier

Die SG Filder kritisiert, dass die Fahrzeit von Wendlingen zum Hauptbahnhof mit und ohne Stuttgart 21 gleich lang dauere. Grafik: Klaus Gebhard

Vergeblich fordert die Schutzgemeinschaft (SG) Filder von der Bahn AG, dass eine Betriebssimulation für den Abschnitt zwischen der Rohrer Kurve und dem Flughafen veröffentlicht wird. „Es ist ein starkes Stück“, machte der Vorsitzende Steffen Siegel seinem Ärger Luft. Dass dort ICE-Züge und S-Bahnen auf einem Gleis verkehren sollen, sei nicht machbar. Die Initiative fordert den Umstieg aus dem Projekt Stuttgart 21 (S 21) und will einen S-Bahn-Ringschluss ins Neckartal. Obwohl der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim die Offenlegung der Simulation von der Bahn gefordert habe, sei nichts geschehen. „Trotz jahrzehntelangem Rumdoktern sind die Probleme des Filder-S 21-Abschnitts weiter ungelöst“, sagte Siegel im Pressegespräch in Echterdingen. Er prophezeit auf der Gäubahn-Strecke gravierende Störungen. Diese über den Flughafen zu führen, sei sinnlos. Die SG fordert daher den Umstieg von Stuttgart 21 zu anderen Bahnprojekten, mit denen das überstrapazierte Straßensystem der Filder entlastet werden könnte.

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Ist das angesichts bereits abgeschlossener Bauabschnitte und der Verträge überhaupt noch machbar? In einer Broschüre zeigt die Initiative „Umstieg 21“ Möglichkeiten auf, wie fertige Infrastrukturen umgenutzt werden können. Dass das geht, steht für den Ingenieur Klaus Gebhard außer Zweifel. Beim Fildertunnel, der den Stuttgarter Hauptbahnhof mit der Filderebene verbinden soll, habe man erst die Hälfte geschafft. „Der schwierigste Teil kommt noch“, so der Experte. Denn dann werde durch Gipskeuper gebohrt. Dieses Bodenmaterial quillt auf, wenn Wasser eindringt. Siegel sieht gar die Standfestigkeit des Fernsehturms gefährdet. Die Neubaustrecke von Ulm nach Stuttgart ist aus Gebhards Sicht kaum umkehrbar, Stuttgart 21 aber schon. Er verwies darauf, dass die Fahrzeit von Wendlingen zum Hauptbahnhof über das Neckartal gleich lange daure, wie der S 21-Anschluss über den Flughafen (siehe Grafik). Ein S-Bahn-Ringschluss nutze mehr Reisenden.

Selbst wenn man jetzt auf alternative Lösungen umsteige, ließen sich noch fünf Milliarden einsparen, ist Frank Distel überzeugt. Der ehemalige Backnanger Baubürgermeister und stellvertretende Vorsitzende der SG kämpft dafür, den S-Bahn-Ringschluss ins Neckartal zu realisieren, der mit 500 Millionen Euro deutlich weniger koste. Dass er möglich wäre, hat das Verkehrswissenschaftliche Institut der Universität Stuttgart bestätigt. Die Verlängerung der S-Bahn von Bernhausen nach Neuhausen ist schon auf dem Weg.

Dass die Pläne Zukunftsmusik sind, räumten die Sprecher der SG ein. Siegel verwies auf ein Gespräch mit Verkehrsminister Winfried Hermann, der davon ausgehe, dass Stuttgart 21 realisiert werde. „Er sagt, dass der S-Bahn-Ringschluss vor 2025 nicht finanziert werden könne.“ Mit dem sofortigen Ausstieg aus Stuttgart 21 sieht Siegel aber Chancen: „Dafür müssten sich die Bürgermeister einsetzen.“