Zwischen Neckar und Alb

Spannende Wege der Gesetzgebung

Planspiel Schüler der Verwaltungsschule Esslingen und Auszubildende der Landratsämter im Regierungsbezirk Stuttgart schlüpfen einen Tag lang in die Rolle der Parlamentarier. Von Petra Bail

Zur Beratung stand beim Planspiel der Jugendlichen in Gesetzentwurf zum besseren Schutz Jugendlicher vor den Gefahren des Alkoho
Zur Beratung stand beim Planspiel der Jugendlichen in Gesetzentwurf zum besseren Schutz Jugendlicher vor den Gefahren des Alkoholkonsums.Foto: Petra Bail

Bundestagspolitik scheint kompliziert, wenig transparent und vor allem weit weg. Die Verwaltungsschule Esslingen bot dem Vorurteil in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) durch das Planspiel „Bundestag macht Schule“ spielerisch Paroli. Mehr als 100 Schüler der Verwaltungsschule Esslingen und Auszubildende der Landratsämter im Regierungsbezirk Stuttgart durften einen Tag lang in die Rollen der Parlamentarier schlüpfen, mit dem Lernziel, Verständnis für deren Arbeitsweise zu bekommen.

Wichtig ist den Veranstaltern, dass die Schüler, die im Schnitt zwischen 16 und 22 Jahre alt sind, nicht durch einen nüchternen Vortrag, sondern auf spielerische Art Wissen über die Arbeit des Bundestages vermittelt bekommen. Sie lernen durch Simulation die einzelnen Organe und die Abläufe des Parlaments kennen. Dafür wurde die Atmosphäre für Fraktionen, Ausschüsse und Plenum so echt wie möglich gemacht.

Zur Beratung stand ein Gesetzentwurf zum besseren Schutz Jugendlicher vor den Gefahren des Alkoholkonsums an. Der große Sitzungssaal des Kreistags im Landratsamt wurde zum Plenarsaal des Deutschen Bundestages. Aus den Klassenzimmern wurden Fraktionsräume und im kleinen Sitzungssaal fanden Ausschusssitzungen vor einem Originalfoto des Bundesadlers im Deutschen Bundestag statt. Die Teilnehmer vertraten wie im „echten“ Bundestag vier Fraktionen, allerdings mit fiktiven Namen wie Arbeitnehmerpartei oder Partei der Sozialen Gerechtigkeit. Die Mandatsträger schlüpften wie Schauspieler in verschiedene Rollen und mussten entsprechend ihrer zugeordneten Partei deren Interessen vertreten. Fraktionsvorsitzende wurden gewählt, Ausschussvorsitzende benannt, Redner für die Plenardebatte beauftragt.

Politikvermittlung mit Spaß durch eigenes Erleben steht für LpB-Fachreferent Robby Geyer im Vordergrund. So werde das Verständnis für politische Prozesse geweckt, etwa wenn man sich als Bürger fragt, weshalb die Abgeordneten nicht schneller arbeiten und Entscheidungsfindungen so lange dauern. Die Möglichkeiten und die Grenzen parteipolitische Interessen durchzudrücken, wurden in der Simulation ebenso deutlich wie die Mechanismen der Willensbildung innerhalb der Fraktionen. Die Leiterin der Verwaltungsschule, Martina Brosi-Barth, erzählt von der Erfahrung eines Schülers, der in der Beratung sagte: Wir müssen mehr fordern, da wir sicher Kompromisse machen müssen.“ Schlüsselqualifikationen, wie Kompromissfähigkeit, Hineinversetzen in andere politische Haltungen, eigene Interessen vertreten und selbstständiges Handeln werden so trainiert.

Abschließend wurde die Bundestagswahl, die im September ansteht, samt Stimmzettel und Wahlurne simuliert, nicht ohne vorher einen Ausblick zu gegeben, welche relevanten Parteien vermutlich im Rennen sein werden, welche Personen und welche Themen. Als Lernziel nannte Brosi-Barth nicht nur das Verständnis für die politische Arbeit zu stärken und die Wahl zu verstehen. Die Nachwuchskräfte sollen ihrer Bürgerpflicht nachkommen, ihre Stimme abgeben und sie sollen als Mitarbeiter öffentlicher Verwaltungen Verantwortung übernehmen.

Für die 20-jährige Monja Brenner ist das Planspiel eine gute Vorbereitung für die kommende Bundestagswahl. Der Auszubildenden im Esslinger Landratsamt gefällt die Wissensvermittlung mit Spaßfaktor. Sie schätzt, wie ihr Kollege Nahom Ghebre, den Austausch mit den Kollegen. Der 26-Jährige aus der Stadtverwaltung Ludwigsburg fand vor allem die Behandlung eines Gesetzentwurfs spannend und die Erkenntnis, dass ein Gesetz nicht innerhalb einer Stunde verabschiedet werden kann.

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