Zwischen Neckar und Alb

Sport baut Brücken

Austausch Die Jugend-Tischtennisdelegation aus Israel ist zu Besuch in Esslingen. Neben Trainingseinheiten darf auch die Kultur nicht zu kurz kommen. Von Pia Hemme

Das Motto: „So viel wie möglich entdecken.“ Am Samstag geht es für die Jugendlichen zurück in die Heimat.Foto: Roberto Bulgrin
Das Motto: „So viel wie möglich entdecken.“ Am Samstag geht es für die Jugendlichen zurück in die Heimat.Foto: Roberto Bulgrin

Dass Sport verbinden kann, unabhängig von Sprache und Kultur, das haben die jungen Tischtennisspieler aus der israelischen Stadt Givatayim und aus dem Landkreis Esslingen bewiesen. Im Rahmen der 35-jährigen Partnerschaft des Landkreises mit der Stadt sind die Spieler aus Israel seit Samstag zum ersten Mal zu Besuch in Esslingen. Im vergangenen Mai durften die Esslinger Israel kennenlernen. Landrat Heinz Eininger hieß die jungen Tischtennisspieler beider Nationalitäten am Montag im Foyer des Landratsamts Esslingen willkommen. Am Samstag treten die Gäste wieder ihre Heimreise an.

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„Jeder Austausch ist ein Ausrufezeichen. Neben den schulischen Aktivitäten verbinden sich auch im medizinischen oder sportiven Bereich Menschen und intensivieren die Freundschaft zwischen Israel und Deutschland“, sagte Eininger nicht zuletzt mit Blick auf die Kooperation der Medius-Kliniken mit einem Krankenhaus im Großraum Tel Aviv. „Mich faszinieren die Vielfalt, die Lebendigkeit als auch die Konstanz dieser gebauten Brücken.“

Diese Verbindung gelte es zu verstärken. Deshalb soll der Austausch der Tischtennisspieler nicht einmalig bleiben. „Wir wollen diesen Austausch verstetigen und hoffen, dass schon diesen Herbst erneut eine deutsche Gruppe nach Givatayim reisen wird.“ Jochen Baral vom Kreisjugendring Esslingen war bei der Organisation des Austausches beteiligt. Auch er würde sich freuen, wenn es eine jährliche Fortführung gäbe. „Wir wollen viele Jugendliche aus Esslingen für den Austausch begeistern.“ Wer mitmachen möchte, braucht deshalb nicht unbedingt in einem Tischtennisverein zu spielen. Freizeittischtennisspieler und Nachwuchsprofis können sich bei dem Austausch begegnen, kennenlernen und austauschen.

Genau das machen die Gruppen beider Nationalitäten nun eine Woche lang in Esslingen. Neben gemeinsamem Tischtennistraining geht es um die Geschichte und Kultur des Landkreises. So begeben sich die Jugendlichen beider Länder zum Beispiel auf die Spuren des jüdischen Lebens in Esslingen, besuchen die Gedenkstätte des KZ-Außenlagers Echterdingen-Bernhausen und fahren zu einer Schneeschuhwanderung nach Oberstdorf. Gleich einen Tag nach ihrer Anreise lernten die israelischen Gäste den Neuhausener Karneval kennen.

Kulturen entdecken

Maren Steege, Repräsentantin des Generalkonsulats Israels in Baden-Württemberg, ermutigt die Jugendlichen, die Chance zu nutzen, „die Kultur des jeweils anderen zu entdecken und als Schatz für das eigene Leben aufzunehmen“. Der Sport sei eine gute Gelegenheit, sich zu begegnen, das hätten auch die Olympischen Spiele hinsichtlich der Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea gezeigt. „Das Unmögliche ist möglich beim Sport.“ Auch Thomas Walter, Geschäftsführer des Tischtennisverbands Württemberg-Hohenzollern, sieht in Olympia eine Chance der Begegnung. „Doch der Austausch ist nicht nur im Profisport wichtig, sondern fängt auch auf dieser Ebene an.“

Der Coach des israelischen Tischtennisvereins Shimon Rabinovich freut sich, dass er mit seinen Spielern in Esslingen sein darf. „Ich mag Esslingen, am liebsten würde ich gleich hier bleiben“, gesteht der Trainer. Auch seine Spieler würden sich wohlfühlen. „Sport baut Brücken. Die Jugendlichen haben untereinander Freundschaften geschlossen und bleiben über den Austausch hinaus per WhatsApp und Facebook in Kontakt.“

Die sieben israelischen Jugendlichen und ihre drei Tischtennistrainer werden von Shalom Hananya, dem persönlichen Referenten des Oberbürgermeisters von Givatayim, Ran Kunik, begleitet. Oberbürgermeister Kunik, der selbst passionierter Tischtennisspieler ist, hatte den Austausch der Tischtennis-Jugend initiiert. In seiner aktiven Zeit war er israelischer Tischtennis-Meister und Nationalspieler.

Info Wer an dem Austausch teilnehmen möchte, kann sich bei Sarah Panten im Landratsamt melden unter der Telefonnummer 07 11/3 90 24 20 31.

35 Jahre Partnerschaft

Projekte: Der Austausch der israelischen Tischtennisjugend ist nicht die einzige Partnerschaft des Landkreises. Der Besuch der israelischen Tischtennisspieler findet in einem Jahr mit vielen Jubiläen statt: Der Staat Israel wird 70 Jahre alt. Die Schulpartnerschaft der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule Nürtingen mit der Schule ORT Technikum Givatayim besteht seit 25 Jahren. Vor zehn Jahren kam noch die Agricultural Technical High School aus dem arabischen Rama in Israel dazu. Die Partnerschaft zwischen der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule Kirchheim und der Thelma-Yellin-High-School of Arts aus Givatayim besteht seit insgesamt zehn Jahren.

Finanzierung: Der Austausch der israelischen Tischtennisjugend wird gefördert mit Mitteln des Koordinierungszentrums Deutsch-Israelischer Jugendaustausch (ConAct) und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. ph