Zwischen Neckar und Alb

Starker Gegenwind

Die Donnstetter setzen sich gegen Windräder dicht an der Bebauung zur Wehr

Die politischen Vorgaben sind deutlich: Kern- und Kohlekraft werden zurückgefahren, regenerative Energien sollen es richten. Möglicher Standort für Windräder: Donnstetten, sehr zum Verdruss der Einwohner.

Trübe Aussichten? Schon 700 Meter hinter Donnstetten könnten in Zukunft fünf bis zu 200 Meter hohe Windkrafträder stehen.Foto: M
Trübe Aussichten? Schon 700 Meter hinter Donnstetten könnten in Zukunft fünf bis zu 200 Meter hohe Windkrafträder stehen.Foto: Michael Koch

Römerstein. Planungs- und Genehmigungsverfahren für Standorte von Windkraftanlagen sind sehr komplex. Deswegen hatte die Verwaltungsgemeinschaft Bad Urach, der neben der Kurstadt selbst die Gemeinden Hülben, Grabenstetten und Römerstein angehören, gleich eine ganze Reihe von Fachleuten eingeladen, um im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung den Donnstettern schonend beizubringen, dass auf ihrer Gemarkung gleich mehrere Standorte für Windräder infrage kommen.

Ralph Maurer zum Beispiel, zuständiger Referatsleiter beim Regierungspräsidium in Tübingen, gab in der Turn- und Festhalle Donnstetten einen Überblick über die energiepolitischen Ziele und deren Umsetzung. Bis 2020 sollen laut Landesregierung in Baden-Württemberg 38 Prozent der Energie regenerativ gewonnen werden. Photovoltaik macht dann einen Anteil von zwölf, Wind von zehn Prozent aus. Aktuell stehe man beim Wind allerdings nur bei 1,1 Prozent. „Es besteht hier also großer Nachholbedarf“, so Maurer. Im Bereich des Regierungspräsidiums Tübingen wolle man daher Fläche für 300 Windkraftanlagen ausweisen.

Wo diese innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft Bad Urach liegen könnten, hat Norbert Menz vom gleichnamigen Büro für Umweltplanung in Tübingen untersucht. Im gesamten Regionalverband Neckar-Alb mit den Landkreisen Reutlingen, Esslingen und Tübingen bleiben am Ende zehn mögliche Standorte, neun davon im Kreis Reutlingen, acht davon auf Römersteiner Gemarkung.

Unabhängig vom Büro Menz hat auch der Regionalverband eine Standortuntersuchung durchgeführt. Zusätzliche Kriterien waren hier, dass ein Gebiet groß genug sein muss, um mindestens drei Windräder dort aufstellen zu können, und ein Mindestabstand zu Wohngebieten von 1 000 Metern (der gesetzliche Mindestabstand beträgt 700 Meter), wie Lena Dölker und Dr. Peter Seiffert erläuterten. Resultat: Nur der Standort östlich von Donnstetten kommt ernsthaft in Betracht.

Allerdings ist in diesem Gebiet der Rotmilan unterwegs. Man müsse daher abwägen zwischen dem Ausbau der regenerativen Energien und dem Artenschutz, wie Dr. Claudius Müller vom Landratsamt in Reutlingen erklärte. In Vorgesprächen mit Naturschutzverbänden sei dort eine Zustimmung zur „Ausnahme vom Tötungsverbot“ signalisiert worden, so Müller. Das Umweltministerium in Stuttgart habe dazu die Leitlinie he­rausgegeben, dass, wenn der Rotmilan durch einen Standort gefährdet sei, man eben den Standort dichter an die Besiedlung heranrücken müsse.

Das war freilich Wasser auf die Mühlen der ohnehin schon aufgebrachten Donnstetter. „Hier zählen ein paar Tiere mehr als der Mensch“, schimpfte ein Bürger ins Mikrofon, der zudem mahnte, die Aussicht vom Römerstein nicht über Gebühr zu verschandeln. Wie einige andere Redner auch, plädierte er für einen der möglichen Standorte weiter nördlich im Gewann „Hohbuch“.

Ein anderer Bürger forderte, wie in Bayern vorgeschrieben, einen Mindestabstand von 2 000 Metern zur Wohnbebauung einzuhalten, weil die gesundheitlichen Auswirkungen von Windkraftanlagen auf die Bevölkerung noch gar nicht geklärt seien.

Wiederum andere schlugen den ehemaligen Truppenübungsplatz als Standort vor. „Dort können Sie 100 Windräder aufstellen und es stört keinen Menschen“, sagte ein Donnstetter. Weil dort aber ein durch Europarecht geschütztes Vogelschutzgebiet liege, komme der Truppenübungsplatz nicht in Betracht, entgegnete Claudius Müller.

Auch ein möglicher Investor ist auf den Standort östlich von Donnstetten schon aufmerksam geworden, „einem der geeignetsten in Baden-Württemberg überhaupt“, wie ein Mitarbeiter der Firma sagte. Seit zwei Jahren sei man deshalb schon in Donnstetten unterwegs, um mit den Grundstückseigentümern Vorverträge abzuschließen.

Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann gab als Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft nach mehr als dreistündiger Debatte einen Ausblick auf den weiteren Planungsverlauf. Zunächst müssten die vier betroffenen Gemeinderäte den Plänen zustimmen, dann fasst die Verwaltungsgemeinschaft einen Beschluss.

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