Zwischen Neckar und Alb

Still stehende Lifte und ein wenig Salz

Wetter Der Winter lässt nach wie vor auf sich warten und das hat Folgen: Auf der Schwäbischen Alb stehen Skifreunde auf dem Trockenen, die Bauern kämpfen vermehrt mit Schädlingen. Von Karin Ait Atmane

Schneemangel
Der Blick über die Alb am Breitenstein zeigt: Geschneit hat es, aber für Wintersport viel zu wenig. Foto: Bernd Stelzer

Kein Lift läuft: „Es geht los, sobald genügend Schnee liegt“, „zurzeit kein Ski­betrieb möglich“ - das sind die Auskünfte, die man auf den Internetseiten und an den Telefonen der Skilifte auf der Schwäbischen Alb erhält. „Meines Wissens ist dieses Jahr noch gar kein Lift gelaufen“, sagt Julia Metzmann vom Schwäbische Alb Tourismusverband. Geschneit habe es zwar schon, aber lang liegen geblieben sind die Flocken nicht. Schade sei das für die Bewohner der Region, findet Metzmann, denn sie seien es, die kurz mal zum Wintersport auf die Alb fahren. Auswärtige kommen zu diesem Zweck eher nicht, folglich bringe ausbleibender Schnee auch keinen größeren Einbruch im Tourismus.

Bei Schnee ins Sportgeschäft

Bei Sportgeschäften wirkt sich Schneefall direkt aus, er sei sogar „essenziell fürs Wintergeschäft“, sagt Axel Stephan von Intersport Räpple. Denn es werde „nah am Bedarf“ gekauft: Wenn es weiß winkt von der Teck oder der Alb, vervollständigen Skifahrer ihre Ausrüstung. Speziell der Langlauf lebe vom Schnee in den Mittelgebirgen, sagt Stephan. Der Bereich Alpinski sei stabiler, denn dessen Anhänger führen auch mal „ein bisschen dem Schnee hinterher.“

Erschwerte Waldarbeiten

Ob ein zu milder Winter mehr Schädlinge im Wald verursacht, könne man gar nicht so einfach sagen, erklärt der Leiter des Plochinger Forstreviers, Simon Heizmann. Zwar „sterben viele Schädlinge ab, wenn es eine Weile richtig kalt ist“, sagt er. Andererseits gebe es auch Pilze, die beispielsweise Borkenkäferlarven befallen und schädigen - und die mögen es lieber wärmer. Bemerkbar mache sich aber auf jeden Fall, dass der Winter kürzer wird und die Borkenkäfer es mittlerweile auf drei oder vier Generationen im Jahr bringen, während es früher nur zwei waren. Eindeutig ist auch, dass gefrorener Boden für Waldarbeiten mit schweren Maschinen von Vorteil ist. „Da gibt es dann keine großen Befahrungsschäden“, erklärt der Förster. Ist es so mild wie dieses Jahr, wird dagegen der Untergrund verdichtet und aufgerissen, ganz abgesehen vom Dreck auf den Wegen. Das sei gerade auf dem Schurwald mit seinen lehmigen Untergrund „ein Riesenthema“. Dass der Boden jetzt wie ein Schwamm voll Wasser ist, sei gut. Aber aufnehmen könnten die Bäume das in ihrer Ruhephase nicht; für sie müsse die Nässe im Frühjahr noch eine Weile vorhalten.

Wildschweine mögen’s warm

Dem Schwarzwild kommt die Wärme grade recht, anders als den Jägern, denn diese sind gehalten, die Population einzudämmen: wegen der Schäden, die die Schweine in Gärten anrichten, vor allem aber, um einer starken Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest vorzubeugen. Tatsächlich kämen viele Frischlinge zu Tode, wenn es im Winter mal ein bis zwei Wochen lang minus zehn Grad und kälter werde, erklärt Thomas Dietz von der Jägervereinigung Esslingen: „Dann schafft die Bache es nicht, sie warmzuhalten.“ In diesem Winter war das aber noch nicht der Fall. Und den Jägern fehlt bislang auch der Schnee als Verbündeter. Auf einer geschlossenen, weißen Decke seien die Tiere viel besser zu erkennen und zu erlegen, sagt Dietz. Ohne Schnee habe man in der Dunkelheit große Probleme: „Das erschwert uns die Sache.“

Rosenkohl mag’s kalt

„Frost ist einfach wichtig bei unseren schweren Böden, damit es eine Bodengare gibt“, sagt Landwirt Bernd Gutmann aus Plochingen. Was heißt: Einmal kräftig durchgefroren, wird der Boden krümeliger und hat eine andere Struktur. Auch für bestimmte Arbeiten wie kalken oder pflügen ist dem Landwirt zumindest leichter Frost willkommen. Dem Grünkohl und dem Rosenkohl, die auf seinen Feldern wachsen, tun Minustemperaturen ebenfalls gut, sie werden dadurch süßer und aromatischer. Bislang war’s nach Gutmanns Einschätzung eindeutig zu mild und er fürchtet, dass das Schädlinge, Pilze und Krankheiten in der kommenden Saison begünstigt. Eine etwas länger anhaltende Frostperiode wäre jedenfalls nicht schlecht, meint er.

Weniger Energiekosten

Hansjörg Schmauk mit seinem Gärtnereibetrieb in Köngen merkt die milden Temperaturen an einer anderen Stelle: „an meinem Geldbeutel!“, sagt er, und das ist in diesem Fall eine positive Nachricht. Er muss die Gewächshäuser deutlich weniger heizen.

„Gesalzen“ wird trotzdem

Ob mit oder ohne Schnee: Dem Straßenbauamt geht die Arbeit nicht aus. Kalte Phasen um null Grad gab’s auch in diesem Winter immer wieder, und in Kombination mit Feuchtigkeit werde es da schnell glatt. Dann heißt es „salzen“, was der Winterdienst des Landkreises schon sehr früh am Morgen tut, damit der Berufsverkehr sicher vorankommt. So seien am Morgen des 7. Januar, als es verbreitet zu Blitzeis kam, „unsere Leute schon vorher im Einsatz gewesen“, erklärt Daniela Bayer, stellvertretende Amtsleiterin im Straßenbauamt der Landkreise Esslingen und Göppingen. Deshalb sei auf den Straßen eher weniger passiert als auf Geh- und Fußwegen. Gegenüber schneereichen Wintern, wenn die Räum- und Streutruppe eine Runde nach der anderen drehen muss, bleibt aber doch etwas mehr Zeit für andere Arbeiten wie den Gehölzschnitt an den Straßen.

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