Zwischen Neckar und Alb

Stimmen aus Altbach und Deizisau

Hiobsbotschaften: Nachdem die Gewerbesteuerbeträge der EnBW in den vergangenen Jahren bereits gesunken sind, kam vor Kurzem die Nachricht, dass die Gemeinden Altbach und Deizisau zu viel bezahlte Steuern in Millionenhöhe samt hoher Zinsen an den Konzern zurückzahlen müssen.

Altbach: Bürgermeister Wolfgang Benignus zeigt sich kaum überrascht: Seit Langem wisse man, dass Kraftwerke am Neckar generell Probleme hätten, erklärt er. Für die Mitarbeiter sieht der Schultes die Chance, dass sie weiterbeschäftigt werden, und für seine Gemeinde keinen Unterschied in der Ertragssituation, da die Gewerbesteuern von der Lage des Gesamtkonzerns abhängen. „Was eine gute Nachricht ist, ist dass die Fernwärmeversorgung erhalten bleibt“, so Benignus. Alle kommunalen Liegenschaften seien angeschlossen.

Gemeinderatsfraktionen in Altbach zeigen sich emotionaler: „Früher war das Kraftwerk ein Standortvorteil. Das hat sich jetzt zu einem Standortnachteil entwickelt“, sagt Hans-Dieter Reeker (SPD) in Bezug auf den Stellenabbau der vergangenen Jahrzehnte, Steuerrückzahlungen und die neueste Nachricht. Auch Mathias Lipp (UWV) sieht den traditionsreichen Kraftwerksstandort Altbach nun doppelt gestraft. „Ich bin von der EnBW enttäuscht“, sagt Helmut Maschler (CDU). Sie pflastere das halbe Tal zu, wofür die Gemeinden ihr immer Flächen vorgehalten hätten, in dem Bewusstsein, dass sich der Standort weiterentwickle. Nun stehe ein Brocken da, der nicht für anderes Gewerbe genutzt werden könne.

Deizisau: Bürgermeister Thomas Matrohs hat die EnBW-Entscheidung überrascht. Er hoffe, dass die Mitarbeiter perspektivisch die gleichen Bedingungen haben und der Produktionsstandort langfristig wirtschaftlich arbeiten könne, um den Gemeinden Gewerbesteuern einzubringen.

Gemeinderatsfraktionen in Deizisau erahnten die schlechten Neuigkeiten bereits. Oliver Krüger (CDU) hat den Betriebsstopp des HKW 1 am fehlenden Rauch aus dem Schornstein bemerkt. Hartmut Fischer (FWG) fürchtet: „Die Energiewende wird in Altbach und Deizisau kräftige Spuren hinterlassen.“gg

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