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Kultur Günter Hänssler hat seine zwei Labels Hänssler Classic und Profil Edition unter einem Dach vereint. Seine Produktionen haben bereits 16 Echos und einen Grammy erhalten. Von Elke Eberle

Günter Hänssler mit einer seiner Echo-Auszeichnungen.Foto: Roberto Bulgrin
Günter Hänssler mit einer seiner Echo-Auszeichnungen.Foto: Roberto Bulgrin

Sein Großvater war Komponist für geistliche Musik, Musikwissenschaftler und Verleger, sein Vater Friedrich Hänssler baute in Neuhausen den Hänssler-Verlag auf. Günter Hänssler ist aufgewachsen mit Bach und Bibel, heute ist er der Chef der beiden renommierten Plattenlabels Hänssler Classic und Profil Edition Günter Hänssler. Vor gut einem Jahr hat er beide Labels unter einem Dach vereint. Er hat es geschafft, sich im heiß umkämpften Musikgeschäft zu etablieren. Ausgezeichnet wurden seine Produktionen bereits mit 16 Echos, einem Grammy, 13 Mal waren sie zudem für einen Grammy nominiert.

Seine Leidenschaft gehört dem Herausragenden, dem Besonderen, den Sternstunden. Nicht umsonst hat Günter Hänssler seit mehr als 25 Jahren Erfolg im internationalen Musikgeschäft. Er ist einer der Gründer des Labels Hänssler Classic. 2003 machte er sich mit seinem eigenen Label selbstständig. Im vergangenen Jahr übernahm seine Firma, die Profil Medien mit Sitz in Neuhausen, dann Hänssler Classic. Beide Labels haben ihre eigene Programmphilosophie. Geistliche Chormusik, Aufnahmen des Gesamtwerks von Johann Sebastian Bach und kammermusikalische Raritäten sind die Schwerpunkte von Hänssler Classic. Bekannt wurde das Label unter anderem durch die Einspielungen des Dirigenten Helmut Rilling. Symphonik, Oper und verschiedene Editionen wie die „Semperoper-Edition“ oder die „Edition Staatskapelle Dresden“ mit Stardirigenten wie Christian Thielemann und Sir Colin Davis erscheinen unter dem Label Profil.

Günter Hänssler zog 1969 als damals Neunjähriger mit seiner evangelisch geprägten Familie ins katholische Neuhausen, dem Sitz des Hänssler-Verlages. Der Verlag zog in den 1990er-Jahren um nach Holzgerlingen. Günter Hänssler war damals als gelernter Verlagskaufmann im Familienbetrieb Geschäftsführer für den Medienbereich. Seinen privaten Lebensmittelpunkt hat er inzwischen nach Neu-Ulm verlegt, aber die Verbindung zu Neuhausen steht nach wie vor, er kennt viele und fühlt sich hier wohl. Auch der Sitz der Firma ist nach wie vor auf den Fildern. „Neuhausen ist für mich schon meine Heimat“, betont er.

Hänssler hat Aufnahmen von unzähligen bekannten und renommierten Musikern in seinem Programm. Seine Produktionen finden Hörer in mehr als 40 Ländern weltweit. Besonders beliebt sind sie in Japan und den USA. Gerade in Japan sind die Hörer sehr anspruchsvoll und kritisch, sie schätzen die Originalität von Aufnahmen ebenso wie die musikhistorische Tradition, in der sie stehen.

Seine Kontakte hatte Hänssler schon früh geknüpft. „Ich hatte den riesen Vorteil, dass ich durch meine Eltern und Großeltern viele Leute kennengelernt habe, Musiker, Verleger, Musikwissenschaftler.“ Zum 70. Geburtstag seines Vaters gab Helmut Rilling gemeinsam mit der Gächinger Kantorei ein Spontanständchen in der evangelischen Kirche. „Das war ein ganz besonderer Moment“, erzählt Hänssler. Allerdings auch ein ganz privater.

Hänssler hat viel mit öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zusammengearbeitet. Verwendet wird Musik aus seinem Haus auch regelmäßig für Werbezwecke und in Filmen, unter anderem ist sie in einem Woody-Allan-Film zu hören.

Der Musikfachmann hat ein sicheres Gespür für das Besondere. Sein ganzes Leben ist eng mit Musik verknüpft, und sie macht ihm heute noch so viel Spaß wie vor 45 Jahren. „Es ist Luxus, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann“, sagt er. Besonders mag er Live-Aufnahmen: „Da ist mehr Adrenalin drin.“

Immer wieder erfüllt sich Günter Hänssler einen Traum, wie etwa „der komplette Bach“. Die Bach-Edition erschien im Jahr 2001, noch heute ist es in seinem Haus der Titel mit dem größten Umsatz. Es folgte eine Bruckner-Edition, eine Mahler-Edition und ganz aktuell eine Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Edition. „Und ich hab noch viele weitere Pläne. Es ist schön, wenn man auswählen kann, was man machen will.“

Immer wieder nimmt er auch junge Künstler unter seine Fittiche. „Die Sopranistin Christine Schäfer und der Opernsänger Thomas Quasthoff haben ihre ersten Platten mit mir gemacht“, erzählt Hänssler. Allein in den vergangenen Monaten wurden mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, den Preis der deutschen Schallplattenkritik gab es für die Mozart-Violinkonzerte 2 und 5 mit Frank-Peter Zimmermann. Sechs Produktionen, darunter auch die Mozart-Violinkonzerte, sind nominiert für den Classical Music Award 2017.

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