Zwischen Neckar und Alb

Sympathie duftet und klettert

Joachim Teeuwen gibt sein Wissen über die Königin der Blumen weiter

Eines der schönsten Hobbys, die man haben kann, riecht nach Frühling, kann aber auch schon mal pieksen. Rosen haben es vielen Menschen angetan.

Sympathie duftet und klettert
Sympathie duftet und klettert

Oberboihingen. Rosenfreunde ergriffen die Chance, als Joachim Teeuwen, Gärtnermeister am Hofgut Tachenhausen in Oberboihingen, exklusive Einblicke in den bunten Rosengarten der Anlage gewährte. Der Lehr- und Versuchsgarten gehört zur Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen und wurde 1982 erschaffen. Auf mehr als vier Hektar Land findet man hier, weit über den Dächern Oberboihingens, alles, was des Landschaftsarchitekten Herz begehrt: Langkettige Blumenbeete, Reihen von Stadtbäumen und Rosen in jeder Ausführung, die man sich vorstellen kann.

Joachim Teeuwen, kariertes Hemd unter grauer Jacke, sanft gebräunte Haut und badischer Dialekt, führt die Gruppe durch den duftenden Garten. Teeuwens Schützlinge tragen Namen wie „Rugelda“ oder „Sympathie“. Manche blühen seit Jahrzehnten vor sich hin, andere wurden frisch gesetzt oder haben sich, ganz zur Freude des Gärtnermeisters und der Studierenden, von Erkrankungen erholt. Wie Kursleiter Joachim Teeuwen haben sich viele der Besucher auf diesen Tag gut vorbereitet und Fragen mitgebracht. „Wie tief muss ich meine Strauchrosen schneiden?“ – „Nicht so tief wie Beetrosen.“ „Ist normale Blumenerde auch okay?“ – „Nein, die sollte man meiden. Normale Muttererde nehmen. Blumenerde besteht aus Humus, der kommt nicht an das Volumen heran.“ Auf Fragen wie diese weiß Teeuwen nicht nur eine Antwort, sondern auch Anekdoten – Wissen, das nicht in den Lehrbüchern steht.

Heute sind es 14 Neugierige aus der Region, die ihm lauschen. Die Volkshochschule hat die Führung organisiert. Alle Teilnehmer sind in einem Alter, in dem man Zeit für Hobbys wie die Rosenzucht hat. Die Frauen tragen Kurzhaar, hie und da blitzen Notizblock und Kugelschreiber auf. Ein älteres Ehepaar lässt sich von Gehbeschwerden nicht aufhalten – mit einem Gehwagen bewaffnet zieht die Frau der Gruppe hinterher.

„50 Prozent der Rosen im Versuchsgarten sind veredelt“, erzählt Teeuwen. Die Veredelung oder Okulation ist eine gängige Art der Rosenvermehrung. Dass es im Versuchsgarten so prächtig blüht, ist dem Einsatz des Gartenteams und den Studierenden zu verdanken: Das Konzept ist, so wenig einzugreifen wie möglich.

In einer Art Casting suchte man nach besonders resistenten Sorten. Die sind am „ADR-Zeichen“ zu erkennen. Rosensorten, die sich in Sichtungsgärten unter natürlichen Wuchsbedingungen ohne Hilfsmittel bewähren, das heißt drei Jahre lang blühwillig und winterhart sind, erhalten diese Auszeichnung. Von 2 000 bisher in Deutschland getesteten Pflanzen tragen 160 das Siegel.

Vorbei an Sommer-Trams – Fertigkonzepte für Blumenbeete – mit Zwiebelpflanzen und Blumenbeeten, die nach dem Konzept einzelner Studierender umgesetzt wurden, gelangt die Gruppe zu neuen Sorten. Der Wind ist hier oben weniger, am Abend ist es noch mild und sonnig. Wer Rosen züchtet, muss auf das Wetter achten. Ein früher Winter oder ein ausbleibender Sommer wirken sich unmittelbar auf die Pflege aus. Auch Pflanzen, die sich prächtig entwickeln, muss der Gärtner im Auge behalten – denn eine zu große Schneelast könnte der Freude ein jähes Ende bereiten. Und so heißt es: zurückschneiden. „Gerne mit der Heckenschere“, wie Teeuwen betont. Oben in Tachenhausen herrschen für die Königin der Blumen sehr gute Bedingungen. Rosen wollen sonnig und luftig stehen, und zwar in gelockertem Boden.

Teeuwen biegt eine der Rosen behutsam zur Seite. In wenigen Wochen wird er diejenigen Sorten, die nur einmal im Jahr blühen, stutzen. Dafür gibt es keine Anleitung, sondern folgenden Rat: „Die Rose sagt, wo man weitermachen muss.“ Rosenzucht ist ein Hobby ohne Sperrstunde und ohne Saison. Wer einen gesunden Garten will, muss den kleinen Hinweisen aus der Natur folgen – in Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter.

Sympathie duftet und klettert
Sympathie duftet und klettert
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