Zwischen Neckar und Alb

„Teamviewer“ geht an die Börse

Wirtschaft An den Gerüchten um die Zukunft des Göppinger Unternehmens war was dran.

Oliver Steil. Foto: pr

Region. Noch vor wenigen Tagen wollte die Firmenleitung Berichte über einen Börsengang bereits im Herbst weder bestätigen noch dementieren. Jetzt ließ Teamviewer die Katze aus dem Sack. Das Göppinger Unternehmen, das nach Angaben aus Finanzkreisen mit vier bis fünf Milliarden Euro bewertet wird, strebt tatsächlich einen Börsengang im Herbst an, bestätigte Firmenchef Oliver Steil. „Ich denke, der Börsengang ist der richtige Weg für uns“, erklärte der Manager. Dies hänge vor allem mit dem Produktangebot zusammen. Teamviewer sei als führende Plattform zur Vernetzung von Geräten aller Art und mit unterschiedlichen Betriebssystem sehr gut aufgestellt und agiere international. Steil: „Da ist es am besten, wenn man unabhängig und eigenständig ist.“

Der Londoner Finanzinvestor Permira, der Teamviewer vor fünf Jahren für 870 Millionen Euro erworben hat, möchte einen Teil seiner Anteile wieder verkaufen.

Kunden in 180 Ländern

Permira-Chef Jörg Rockenhäuser sieht in dem Börsengang „einen bedeutenden Schritt“ für Teamviewer. „Wir sind sehr stolz darauf, das Team in den vergangenen fünf Jahren dabei unterstützt zu haben, diese ‚Tech-Erfolgsgeschichte made in Europe‘ zu schreiben.“ Auch nach dem Börsengang bleibe Permira als Großaktionär weiter stark engagiert“, betont Rockenhäuser. „Wir sind von dem enormen Wachstumspotenzial überzeugt, das auf der Erweiterung der Anwendungsmöglichkeiten, dem Zuwachs an Neukunden und der globalen Expansion basiert.“

Die Fernwartungs-Software, mit der Teamviewer so erfolgreich ist, wurde weltweit nach eigenen Angaben mehr als zwei Milliarden Mal installiert. Mit ihr kann man von einem Computer auf andere Rechner zugreifen, etwa um den IT-Support zu gewährleisten. Mittlerweile beschäftigt die Softwarefirma, die 2015 in Uhingen von Thilo Rossmanith gegründet wurde, weltweit 800 Mitarbeiter. Zukünftig will man vor allem in Asien expandieren. Laut Firmenchef Oliver Steil und Finanzvorstand Stefan Gaiser ist das Unternehmen hoch profitabel.

400 Mitarbeiter in Göppingen

Im Jahr 2018 war Teamviewer auf 340 Millionen Geräten aktiv.

Möglichen Befürchtungen, der Börsengang könnte sich ungünstig auf Göppingen auswirken, nimmt Oliver Steil den Wind aus den Segeln. „Teamviewer wird am Standort Göppingen bleiben“, betont Steil, „hier ist unser Firmensitz und unser größter Standort, an dem wir rund 400 Mitarbeiter beschäftigen. Göppingen hat beschlossen, das im Bau befindliche Technische Rathaus an die Kreissparkasse zu verkaufen, die es an Teamviewer weitervermietet. Die Mitarbeiter können sich auf einen Umzug 2020 einstellen.

Im Mai hatte Teamviewer Schlagzeilen gemacht, weil das Unternehmen von Hackern angegriffen worden war, die offenbar vom chinesischen Staat beauftragt worden waren. Bei Teamviewer hegt man keinen Zweifel, dass der Cyberangriff erfolgreich abgewehrt wurde. Joa Schmid

Anzeige