Zwischen Neckar und Alb

Trendiger Sport für Kaninchen

Erste württembergische Meisterschaft im Kaninhop in Köngen

Scheinbar mühelos bewältigen die Kaninchen Hindernisse, die teilweise bis zu  40 Zentimeter hoch sind. Fotos: Petra Bail und Rai

Scheinbar mühelos bewältigen die Kaninchen Hindernisse, die teilweise bis zu 40 Zentimeter hoch sind. Fotos: Petra Bail und Rainer Hauenschild

Köngen. Lynn-Penelope hat nicht nur einen großartigen Namen. Sie weiß auch, wie der Hase läuft. Das neckisch schwarz-weiß gemusterte Kaninchen war bereits zweifacher Deutscher Meister in der mittelschweren Klasse. Bei der ersten württembergischen Kaninhop-Meisterschaft im Kleintierzuchtverein Köngen hüpft sie wie ein Flummi über die 40 Zentimeter hohen Hürden. Die Trendsportart aus Schweden wird auch hierzulande immer beliebter. „Vor allem bei Mädchen“, sagt Gerhard Bayha, Wertungsrichter und Landesbeauftragter für Kaninhop des Landesverbands der Rassekaninchenzüchter Württemberg und Hohenzollern. Er züchtet selbst seit den 60er-Jahren Kaninchen.

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Es gibt immer mehr Gruppen, deshalb schien es Bayha angebracht, eine württembergische Meisterschaft auszurichten. Die Anmeldezahlen geben dem alten Hasen in Sachen Kaninchenzucht recht: 34 Teilnehmer hatten sich für den zweitägigen Wettbewerb gemeldet.

In Köngen wurden jeweils drei Wettbewerbe für Hindernisspringen auf der geraden Bahn und Hindernisspringen auf dem Parcours ausgerichtet. Acht bis zehn zwischen 25  und 40 Zentimeter hohe Hindernisse galt es in den Klassen leicht, mittelschwer und schwer zu überwinden.

Die Kaninchen werden von ihren Besitzern an einem Geschirr geführt. Während des Wettbewerbs herrscht in der Halle konzentrierte Stille. Die Besucher sind genauso gespannt wie die Teilnehmer. Man hört nur ein leichtes Zungenschnalzen als Motivationshilfe für die niedlichen Hürdenläufer. Fly macht beim Training seinem Namen alle Ehre. In seinem schicken, neongrünen Geschirr springt er wie ein weißer Gummiball über die Hindernisse, die denen beim Springreiten ähneln, nur halt geschrumpft. Als es drauf ankommt, erweist er sich allerdings als Schnüffler. „Vor ihm ist ein Mädchen gelaufen“, erklärt Brigitte Müllerschön, Kaninhop-Trainerin bei den Köngener Kleintierzüchtern. Gegen die Natur hilft auch gutes Zureden nicht. Nach getaner Arbeit kriegt er von seiner Besitzerin Tanja ganz viele Streicheleinheiten und eine Karotte.

Flöckchen ist schlapp. Die Kaninchendame startet zum ersten Mal bei einer Meisterschaft und wird kurz vor dem Ziel disqualifiziert. Sie hat zu lange gebraucht. Neben der Fehlerzahl zählt auch die Zeit beim Hindernisspringen. Besitzerin Emely ist trotzdem stolz – denn: dabei sein ist alles.

Am besten eigenen sich Zwergkaninchen für den Sport. Sie sind leicht, und es sieht sehr ästhetisch aus, wie sie über die Hindernisse federn. „Letztlich zählt aber nur, ob ein Tier springwillig ist oder nicht“, betont Gerhard Bayha. Norbert Boceck, Vorsitzender des Kleintierzüchtervereins Köngen, fügt hinzu, dass der Tierschutz ein strenges Auge darauf hat, ob ein Kaninchen freiwillig hüpft. Vor sechs Jahren führte er Kaninhop im Verein ein. Damals gab es drei Jugendliche, heute sind 40 Nachwuchs-Kleintierzüchter registriert. „Davon macht die Hälfte Kaninhop“, sagt Boceck. Er ist glücklich über die Nachwuchsakquise. Seit 2012 ist Saskia Gröppner dabei. „Mir gefiel, dass man mit Kaninchen außer Streicheln noch was anderes anfangen kann“, sagt sie und gönnt ihrem Davinci’s Anchiano nach dem Überfliegen der Ziellatte Leckerli und ganz viel Pause.

In der 20-Meter-Halle ist es auffallend kühl. „Wenn es zu heiß ist, tun die Kaninchen nix“, weiß der Kleintierzüchter-Chef aus Erfahrung. Andrea Weber, die die Sportart beim Verein mit aufbaute, will sogar ein Mittagsloch bei den Langohren entdeckt haben: „Nach der Pause waren die viel langsamer.“ Viel Liebe und regelmäßiges Training sind das A und O für einen Champion.

Auf der geraden Bahn gewannen Brigitte Müllerschön mit Purzel (leichte Klasse), Katharina Ihle mit Wickie (mittelschwere Klasse) und Max Kreyska mit Lynn-Lou (schwere Klasse). Im Parcours machte Max ­Kreyska in der leichten Klasse mit Luca sowie in der mittelschweren Klasse mit Coco Chanel das Rennen. In der schweren Klasse siegte Leonie Weber mit Jolly Jumper.

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Fotos: Petra Bail und Rainer Hauenschild