Zwischen Neckar und Alb

Und immer wieder lauert ein Tier

„Betty Body Show“ mit Arbeiten von Bettina Leib in der Alten Steingießerei in Plochingen

Bettina Leib in der Steingießerei inmitten ihrer Werke. Foto: Elke Eberle
Bettina Leib in der Steingießerei inmitten ihrer Werke. Foto: Elke Eberle

Plochingen. Ist das dort ein vogelartiges Wesen und jenes vielleicht ein Wal und das ein Oktopus? Bettina Leib findet Formen auf Wänden,

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auf dem Boden, formt sie um und baut aus ihnen zwei- und dreidimensionale Gebilde. Sie setzen automatisch Assoziationsmechanismen in Gang, viele Rezipienten entdecken oberflächlich Ähnliches und doch im Kern ganz Unterschiedliches. Zu sehen sind Bettina Leibs Arbeiten jetzt in der Alten Steingießerei in Plochingen unter dem Titel „Betty Body Show“. Eröffnet wurde die Ausstellung von Landrat Heinz Eininger.

Die aktuellen Atelierstipendien des Landkreises neigen sich ihrem Ende zu. Zeit für die Abschlussausstellungen im Kulturpark Dettinger. Bettina Leib ist die zweite, die nun ihre Werke zeigt. Viele von ihnen sind in den vergangenen drei Jahren in Plochingen entstanden. Zeit und Platz und ungestörtes Arbeiten ermöglichen neue Wege, eine neue Sicht auf die Dinge.

Glatt und matt schimmert eine Arbeit aus lackiertem Styropor und ohne Titel aus dem Jahr 2012. Jeder erkennt sofort einen Hund, dabei ist es ein eigenartiges Wesen, deformiert, roboterartig. Schnelle Urteile sind nichts als Vorurteile, jede einzelne Figur fordert die Auseinandersetzung mit Erwartungen, mit sich überschneidenden bekannten und neuen Bildern, mit sich selbst.

Bettina Leib wurde 1982 in Stuttgart geboren, die gelernte Schreinerin studierte von 2005 bis 2012 an der Stuttgarter Kunstakademie bei Werner Pokorny und Birgit Brenner.

Im selben Weiß wie der Hund schimmert eine weitere Arbeit ohne Titel aus dem Jahr 2016, es könnte ein pickender Vogel sein. Mehrere Flächen wirken wie angeschnitten, sie sind vielfarbig fleckig, das Ergebnis eines langen Produktionsprozesses aus abwechselndem Lackieren und Schleifen. In den vergangenen drei Jahren kam mehr und mehr Farbe ins Spiel. Bettina Leib fasst die hölzernen, zweidimensionalen Flächenflecken an den Wänden monochrom und konzentriert damit den Blick auf die reine Ebene, die Fläche, die Oberflächlichkeit. Die Skulpturen sind mit Wachs umhüllt oder in Öl vielfarbig gespachtelt, manche Farbspuren erheben sich wie zarte Reliefs. Das birgt eine neue Realität und bringt eine neue Wahrnehmung. Ihre Ideen findet sie in der Natur, an Wänden zerfallender Gebäude, auf der Straße. Manchmal ist es einfach ein Kaugummi. Eckiges und Rundes, Perfektes und Unfertiges, Filigranes und Grobes fügt sich zusammen, manche Figuren sind witzig erheiternd, andere faszinierend unschön. Ein weißer Stab sieht eigentlich aus wie ein perfekter hydrodynamischer Fisch und hat zwei kleine, absurde Vogelbeinchen, das Grüne ist natürlich ein Frosch. Oder doch eher ein eigenartiges Zwitterwesen mit riesigem Kopf und nur drei Beinen in einer erstarrten Bewegung verharrend, seltsam schwerelos schwebend. Bettina Leib stellt Fragen an die Welt und die Wahrnehmung, zeigt Vielfalt, Veränderung, Transformation.

Noch bis Sonntag, 24. April, sind in der Steingießerei im Kulturpark Dettinger, Esslinger Straße 56, in Plochingen die Werke der Atelierstipendiatin Bettina Leib zu sehen. Die Öffnungszeiten sind samstags und sonntags jeweils von 17 bis 19 Uhr, die Finissage ist dann am 24.  April um 17 Uhr.