Zwischen Neckar und Alb

Universal und Warner klagen gegen Filderstädter

Gericht Ein 61-jähriger Firmenchef soll 1,3 Millionen CDs, LPs und DVDs illegal kopiert und verkauft haben.

Sabine Försterling

Stuttgart/Reichenbach. Der Inhaber einer Firma in Reichenbach muss sich derzeit wegen gewerbsmäßigen Verstoßes gegen das Urheberrecht vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Der 61-Jährige soll über Jahre hinweg gutgläubige Dritte beauftragt haben, mindestens 1,3 Millionen CDs, DVDs sowie LPs mit Konzertmitschnitten oder Studioaufnahmen zu vervielfältigen, um diese anschließend auf eigene Rechnung zu verkaufen - ohne dazu berechtigt gewesen zu sein. Einnahmen von rund 315 000 Euro sind laut Ankläger nachweisbar.

Der Angeklagte, der wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft sitzt, gab am ersten Verhandlungstag vor der 11. Großen Wirtschaftsstrafkammer weder Auskunft zu seiner Person noch zur Sache. Bei den umfangreichen Vorwürfen handele es sich wahrscheinlich auch nur um die Spitze des Eisberges, bemerkte Staatsanwalt Eike Fesefeldt. Die Anklageschrift enthalte nämlich Straftaten, die noch nicht verjährt sind.

Sammel-Reisen nach Asien

Ermittlungen hätten ergeben, dass der 61-jährige Firmeninhaber aus Reichenbach vermutlich in asiatische Länder gereist sei, um sich dort in Deutschland illegale Konzertmitschnitte oder Studioaufnahmen zu besorgen oder er habe diese verbotenerweise aus dem Internet heruntergeladen. In den Jahren 2011 bis 2016 soll der Angeklagte eine Firma in Deutschland sowie eine in Polen damit beauftragt haben, aus dem illegalen Material CDs, DVDs und LPs herzustellen. Den Firmen gegenüber soll der Geschäftsmann wahrheitswidrig erklärt haben, dazu berechtigt, beziehungsweise autorisiert gewesen zu sein. Der 61-Jährige soll die Ware sogar in Polen abgeholt und die Rechnungen bar bezahlt haben. Das Auftragsvolumen belief sich auf insgesamt über 1,3 Millionen Medienträger. Darauf waren unter anderem Paul McCartney, die Rolling Stones, Eric Clapton, Bruce Springsteen sowie David Bowie zu hören und zu sehen. Der Angeklagte war Eigentümer von vier Lagerhallen in Ebersbach, Altenried, Rosengarten und Wäschenbeuren und der Vertrieb soll über das Internet europaweit stattgefunden haben. Für die Medienträger soll ein gesondert Verfolgter darüber hinaus Covers und Booklets hergestellt haben.

100 000 Euro in der Wohnung

Durch die Überprüfung der Konten des 61- Jährigen konnten laut Staatsanwalt Eike Fesefeldt Einnahmen aus den illegalen Verkäufen in Höhe von 315 000 Euro sicher festgestellt werden. Da seien aber weitaus mehr Gelder geflossen und das nicht nur seit 2011, sagte der Ankläger. Und das vermutet der Mann nicht nur, weil bei einer Hausdurchsuchung beim Angeklagten 100 000 Euro in bar gefunden wurden.

Die großen Plattenlabels wie Universal und Warner treten, vertreten durch eine Rechtsanwältin, als Nebenkläger im Prozess auf. Gegen deren Zulassung hatte einer der beiden Verteidiger Beschwerde eingelegt, über die nun das Oberlandesgericht entscheiden wird.Der Prozess um den 61-Jährigen wird morgen in Stuttgart fortgesetzt. Sabine Försterling

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