Zwischen Neckar und Alb

Unverfälschte Geschichte zeigen

Dokumentarfilm zur Flüchtlingssituation in Hochdorf

Für seinen Dokumentarfilm interviewt Christian Wyneken einen Bewohner des „Bergdorfs“. Foto: Katja Eisenhardt
Für seinen Dokumentarfilm interviewt Christian Wyneken einen Bewohner des „Bergdorfs“. Foto: Katja Eisenhardt

Hochdorf. Christian Wyneken ist ausgebildeter Kameramann. Hauptberuflich drehte er für unterschiedliche Formate mehrerer Fernsehsender, war viel unterwegs. Jetzt widmet

er sich seinen eigenen Projekten wie der mehrteiligen Dokumentation der Hochdorfer Flüchtlingssituation.

„Seit meiner Jugend interessiere ich mich für Film und Fotografie“, erzählt der Wahl-Hochdorfer. Dass ihn sein beruflicher Weg in die Medienbranche führen würde, ist daher früh klar gewesen. In Essen hat er eine Ausbildung zum Kameraassistenten absolviert und anschließend über eine Produktionsfirma aus Köln und München für Fernsehsender wie Pro 7, das ZDF oder den MDR gearbeitet und dabei für ganz unterschiedliche Sendungen gedreht, anfangs als Kameraassistent, dann als verantwortlicher Kameramann.

Mit den Filmteams ging es an viele unterschiedliche Drehorte im In- und Ausland. Auf dem Reiseplan standen etwa Österreich, Frankreich, England und Bali. „Spannend war eine Tour mit einer blinden Bergsteigerin aus Deutschland“, erinnert sich Wyneken. Zur langen Dreh-Liste zählen zudem Interviews mit dem mittlerweile gestorbenen Pumuckl-Synchronsprecher Hans Clarin oder den Schauspielern Götz Otto und Arnold Schwarzenegger „Ich hätte nie gedacht, wie klein Schwarzenegger eigentlich ist“, verrät er.

Seit Wyneken in Hochdorf lebt, hat er sich auf eigene Projekte konzentriert, etwa auf die mehrteilige filmische Dokumentation zur Hochdorfer Flüchtlingssituation. „Als ich noch fürs Fernsehen gearbeitet habe, war ich im Prinzip immer auf Abruf. Man lebt in dem Job mit einer gewissen Grundanspannung, weiß nie genau, wann der nächste Auftrag kommt und man los muss. Das ist in der Form mit Familie nicht mehr möglich“, erklärt der Familienvater. Jetzt konzentriert er sich auf eigene Projekte und hat keine kurzfristigen Termine mehr. Zusätzlich hat Christian Wyneken die administrativen Aufgaben der Hebammenpraxis seiner Frau übernommen, die an das Wohnhaus angeschlossen ist.

Den ersten Teil seines Hochdorfer Großprojekts zeigte Wyneken zahlreichen Bürgern Anfang Juli. Inhaltlich reichen diese ersten 90 Minuten Filmmaterial bis zur Eröffnung des „Bergdorfs“. „Als feststand, dass in Hochdorf eine größere Unterkunft für 240 Menschen gebaut werden soll, kam mir die Idee, deren Entstehung mit der Kamera zu begleiten. Ich habe eine Drehgenehmigung für die Baustelle beantragt und war von da an ständig vor Ort.“ Auch Interviews und Gespräche mit den Planern, Organisatoren und ehrenamtlichen Helfern standen auf dem Programm, ergänzt Wyneken. Er engagiert sich selbst ehrenamtlich in der Radwerkstatt. Im zweiten Filmteil, der noch in Produktion ist, liegt der Fokus viel stärker auf den Menschen selbst, auf den Gesprächen mit den zahlreichen ehrenamtlich Engagierten und den Bergdorfbewohnern, die Wyneken interviewt.

Den ein oder anderen Flüchtling begleite er mit der Kamera auch auf seinem weiteren Weg, sei es nun in der Anschlussunterbringung, in der Schule oder den berufsvorbereitenden Kursen. Zu einzelnen Asylbewerbern und Ehrenamtlichen ist ein regelmäßiger Kontakt entstanden. Den Mann mit Kamera und Mikro kennt man im Ort und im „Bergdorf“. Von allen Seiten wird Christian Wyneken bei einem Besuch in der Unterkunft begrüßt. Beim Smalltalk erkundigt er sich nach dem aktuellen Stand. Die junge Syrerin Zukaa Douba, die ihren Sohn Khalil nach ihrer Flucht in Esslingen zur Welt gebracht hat, lädt ihn spontan auf einen Kaffee und traditionellem Gebäck in ihr Zimmer ein.

Einen konkreten inhaltlichen Plan hat er zu Beginn des mehrteiligen Großprojekts nicht gehabt. „Das entwickelt sich während des Drehs, vieles aus den einzelnen Gesprächen heraus“, beschreibt Wyneken seine Arbeit. In den Filmen geht es nicht um seine persönliche Meinung, sondern um eine Dokumentation der Situation. „Ich will die unverfälschte Geschichte zeigen“. Das gesamte Projekt geschieht in Eigenregie. So musste sich der gelernte Kameramann erstmal in redaktionelle Tätigkeiten wie die Interviewführung einarbeiten, was früher beim Fernsehen der Part des Redakteurs war. „Auch für den Schnitt und den Ton bin ich selbst verantwortlich.“ Tipps holt er sich bei Letzterem etwa von seinem Bruder, der ein Tonstudio besitzt. Viele Stunden Arbeit fallen so im kleinen hauseigenen Studio an. Bis Weihnachten will Christian Wyneken den zweiten Teil der Dokumentation fertig haben. Auch darüber hinaus gehen ihm die Ideen nicht aus.

Anzeige