Zwischen Neckar und Alb

Vereine kämpfen fürs Stadtbad

Plochinger Aktionsbündnis sammelt über 5 500 Unterschriften

Mit über 5 500 Unterschriften senden die Vereine ein deutliches Signal: Trotz klammer Kasse müsse die Stadt einer teuren Generalsanierung zustimmen.

Plochingen. Erschreckend viele Kinder könnten am Ende der 4. Klasse nicht schwimmen, berichtet Petra Sträter, die Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Reichenbach. Das liege auch daran, dass immer mehr Kommunen ihre Bäder aus Kostengründen schließen. Allein in der Umgebung wurden in den vergangenen Jahren vier Bäder dichtgemacht. Aktuell seien Bäder in Dettingen, Berkheim und Weilheim bedroht. Deswegen hat das Aktionsbündnis aus Förderverein Stadtbad, der Schwimmabteilung des TV Plochingen (TVP) und der DLRG Reichenbach Unterschriften für den Erhalt des Stadtbads gesammelt, die bereits Bürgermeister Frank Buß übergeben wurden.

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Nach einer Statistik der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft ertranken 2015 bundesweit fast 500 Menschen. Das bedeutet gegenüber 2014 eine Steigerung von fast 25 Prozent. Besorgniserregend sei die hohe Zahl der ertrunkenen Flüchtlinge (27), so Sträter. Für Anfänger-Schwimmkurse und andere Angebote in den Bädern gebe es lange Wartezeiten.

Für die DLRG-Ortsgruppe und die TVP-Schwimmabteilung wäre eine dauerhafte Schließung des Stadtbades existenzbedrohend. Allein bei Sträters Verein ist die Zahl der Mitglieder seit vergangenem Sommer „im zweistelligen Bereich“ zurückgegangen. Altbach und Wernau haben den Vereinen in ihren Hallenbäder zwar Trainingsmöglichkeiten eingeräumt, doch damit komme man nicht einmal auf 40 Prozent der bisherigen „Wasserzeit“.

Ende August 2015 hatte man im Plochinger Stadtbad unter den Holzdecken der Duschräume giftigen Spritzasbest entdeckt. Die Stadtverwaltung ließ das Hallenbad schließen. Weil das nur eine von vielen Schwachstellen des Bades ist, hat sie ein Gutachten in Auftrag gegeben: Ein Fachingenieur soll ermitteln, wie hoch der Sanierungsaufwand ist. Die gesamte Schwimmbad-Technik sei noch aus der Anfangszeit, sprich von 1959, erklärt Verbandsbaudirektor Wolfgang Kissling. Die Sanitärtechnik habe man in den vergangenen Jahren nur teilweise erneuert.

Bürgermeister Frank Buß hat angekündigt, dass er im Herbst bei einer Bürgerversammlung alle Fakten auf den Tisch legen werde, bevor der Gemeinderat eine Entscheidung trifft. Der Rathauschef hat aber schon mehrfach deutlich gemacht, dass das Thema Stadtbad nicht isoliert betrachtet werden dürfe: Es gehe insgesamt um die Sanierung des Unteren Schulzentrums mit Gymnasium, Burgschule, Realschule und Stadtbad. Die Kosten bewegen sich zwischen 20 und 30 Millionen Euro. Eine horrende Summe für eine Stadt, die mit ihren bescheidenen Finanzmitteln kaum ihre Pflichtaufgaben erfüllen kann.