Zwischen Neckar und Alb

Viele wollen lieber Zeit statt Geld

Gewerkschaft Die IG Metall hat vergangenes Jahr 900 Mitglieder aufgenommen. Die Wahlmöglichkeiten kommen an.

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Symbolbild

Esslingen. Die IG Metall Esslingen wächst und spricht von einem sehr erfolgreichen Jahr 2018. Ende Dezember betrug der Mitgliederstand 14 901 Personen, ein Plus von 88 Mitgliedern gegenüber Dezember 2017. „Die Zahl der Neuaufnahmen erreichte mit 909 Rekordniveau“, teilt die Gewerkschaft mit. Damit beträgt die Steigerung gegenüber dem Jahr zuvor 36 Prozent.

Gerhard Wick, erster Bevollmächtigter der IG Metall Esslingen: „Das zeigt, dass wir mit unseren Themen den Nerv der Zeit treffen. Während der Metall- und Elektrotarifrunde 2018 haben sich zahlreiche Beschäftigte für eine Mitgliedschaft entschieden. Vor allem die seit 2019 geltenden neuen Wahlmöglichkeiten bei den Arbeitszeiten sind für viele Menschen attraktiv.“ Die Zahl der Betriebsangehörigen stieg gegenüber dem Vorjahr um 160 auf 10 650. Zuwächse gab es auch bei Azubis (14,6 Prozent), Frauen (2,2 Prozent) und Angestellten (4,5 Prozent).

Nachhaltiger Wandel

Aus Sicht der IG Metall tragen die Tarifverträge dazu bei, den Wandel in der Arbeitswelt besser zu bewältigen. Veränderungen durch die Digitalisierung und neue Technologien rund um die Zukunft des Automobils stellen dabei laut Wick die größte Aufgabe dar. Der Wandel müsse ökologisch nachhaltig sein, aber auch die hiesige Industrie als Basis für Wohlstand erhalten. Dazu werde die IG Metall entsprechende Forderungen an Politik, Gesellschaft und Unternehmen stellen. „Der Bezirk Baden-Württemberg wird die Veränderungen in den Betrieben mit einem sechsköpfigen Kompetenzteam für Digitalisierung und Elektromobilität unterstützen“, kündigt die Gewerkschaft an.

Gesellschaftspolitisch will sich die IG Metall weiterhin für eine Verbesserung der sozialen Sicherung einsetzen. Dazu gehören die Themen Rente, Aus- und Weiterbildung, die Ausweitung der Tarifbindung und die Umsetzung der Arbeitszeitregeln.

Mehr als 1 500 Beschäftigte in der Esslinger Metall- und Elektroindustrie hätten in ihrem Betrieb einen Antrag gestellt, 2019 anstelle einer Lohnerhöhung acht zusätzliche freie Tage zu nehmen. Diese Möglichkeit sehe der Tarifvertrag für Beschäftigte in Schicht, mit Kindern bis acht Jahre oder pflegebedürftigen Angehörigen vor. Rund 90 Prozent der Anträge seien laut Wick bewilligt worden. Pauschale Ablehnungen habe es nur vereinzelt gegeben. „Beschäftigte arbeiten heute so flexibel wie nie zuvor. Wenn nun Unternehmen kein Entgegenkommen zeigen, müssen sie damit rechnen, dass Beschäftigte auch nicht mehr für Sonderschichten zur Verfügung stehen.“ cid

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