Zwischen Neckar und Alb

Vier Jahre hinter dem Zeitplan

Bau Im Nürtinger Heim-Areal soll eine Kaffeerösterei entstehen. Allerdings schien das Projekt über längere Zeit völlig eingeschlafen zu sein. Jetzt wird in den Gebäuden wieder gearbeitet. Von Philip Sandrock

Der Innenbereich ist für die jetzt folgenden Betonarbeiten vorbereitet.Foto: Jürgen Holzwarth
Der Innenbereich ist für die jetzt folgenden Betonarbeiten vorbereitet. Foto: Jürgen Holzwarth

Die gute Nachricht: Es tut sich wieder was auf der Baustelle im Nürtinger Heim-Areal. Seit einigen Tagen sieht man, wie im Inneren gearbeitet wird. Die Fenster im Erdgeschoss wurden ausgebrochen und die Tür an der Erkerseite geöffnet. Ein Gussasphalt-Boden wurde entfernt und tonnenweise Schutt aus dem Gebäude geräumt. „Wir haben insgesamt 247 Tonnen Material ausgeräumt“, sagt Investor Jörg Baldenhofer, der täglich auf der Baustelle ist. Zurzeit wird vor allem im ersten Stock gearbeitet, aber man habe in den beiden Gebäuden alles auf den Kopf gestellt und entkernt. Vom Keller bis unter den First. Dabei sind die Arbeiter auch auf historische Spuren gestoßen: Dass die Gebäude alt sind, war schon vorher bekannt. Teile stammen aus dem 16. Jahrhundert.

Vorgeschichtliche Funde

Doch bei den Ausräumarbeiten stieß man auf noch viel ältere Hinterlassenschaften: Im Keller wurde ein Schacht entdeckt, der entweder für einen alten Brunnen oder für eine Latrine gedient haben könnte. Bei weiteren Nachforschungen durch Wissenschaftler des Landesamts für Denkmalpflege wurden nicht nur solche mittelalterlichen Relikte, unter anderem auch Pflastersteine, sondern auch vorgeschichtliche Funde gemacht.

Für die Dauer der archäologischen Untersuchung ruhten die Arbeiten - und gingen danach nie mehr richtig los. Irgendwann stand der Bauzaun vor dem Gebäude.

Es sei gearbeitet worden, sagt Investor Baldenhofer. Vor allem die Entwässerung der Gebäude habe in den letzten Wochen im Fokus gestanden. Jetzt würden die Arbeiten wieder sichtbarer, weil die Wände nach außen geöffnet werden.

Dass das Projekt dabei weit hinter den ursprünglich gesteckten Zeitplan liegt, sorgt auch im Nürtinger Rathaus für Unmut. Ulli Jendrass vom Stadtplanungsamt hat einen Projekt- und Bauzeitenplan vom Investor angefordert, der bisher noch aussteht.

Schließlich handelt es sich beim Heim-Areal nicht um irgendein Gebäude in der Stadt. Das Ensemble, in dem eine Kaffeerösterei, eine Arztpraxis und vier Wohnungen geplant sind, steht an einer entscheidenden Stelle für den künftigen Nürtinger „Stadtbalkon“. Eines Vorzeigeprojekts, das besonders Oberbürgermeister Johannes Fridrich am Herzen liegt. Die Stelle könnte sich überdies zu einem der Herzstücke der geplanten Landesgartenschau entwickeln, weil hier mit der Neckarbrücke eine der Verbindungen der beiden Flussufer liegt.

Ursprünglich war geplant, das kernsanierte Wohn- und Geschäftshaus-Ensemble am Ausgang der Neckarsteige im Jahr 2017 zu eröffnen. Dabei sollen die Gebäude auch technisch Vorbildcharakter haben: Energetisch sollen die Häuser mit einem Blockheizkraftwerk auf den neuesten Stand gebracht werden. Die Anlage sorgt für Wärme und produziert gleichzeitig Strom, der für die Kühlanlagen und die Rösterei benötigt wird.

Dann verschob sich der Eröffnungstermin immer weiter nach hinten. Anfang des Jahres sollte Ende 2020 alles fertig sein. Auch dieser Termin ist inzwischen vom Tisch. Jetzt soll es im Frühjahr mit der Eröffnung klappen. Bis dahin ist aber noch einiges zu erledigen: Jetzt sollen aber die Betonarbeiten an der Decke der künftigen Kaffeerösterei beginnen. Danach folgt der Innenausbau weitergehen.

Seine Mieter stünden schon bereit, so Baldenhofer. „Ich habe Oberbürgermeister Dr. Fridrich versprochen mit ihm zur Eröffnung im April einen Kaffee zu trinken.“ Bis dahin will das Stadtoberhaupt auch einen ersten Probebetrieb für seinen „Neckarbalkon“ starten. Ein gemütliches Café mit Blick auf den Neckar wäre da sicher eine nette Ergänzung. Bereits im März sagte der OB, er drücke dem Projekt die Daumen. Jetzt stellt er sich vermutlich die Frage, wie lange er auf seinen Kaffee wird warten müssen.

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