Zwischen Neckar und Alb

Volle Flughalle, leere Besucherterrasse

Aussichtsplattform Die Flughafengesellschaft tut sich mit einem neuen Nutzungskonzept auf dem Flughafen in Echterdingen schwer. Auch an einem gastronomischen Angebot fehlt es. Von Elisabeth Maier

Die Terrasse des Stuttgarter Flughafens lockt vor allem mit dem Blick aufs Vorfeld.Foto: Roberto Bulgrin
Die Terrasse des Stuttgarter Flughafens lockt vor allem mit dem Blick aufs Vorfeld.Foto: Roberto Bulgrin

Startende und landende Flugzeuge zu beobachten, ist für Kinder wie für Erwachsene ein Erlebnis. Mit einer großen Besucherterrasse bietet der Flughafen Stuttgart beste Möglichkeiten, dieses Spektakel zu beobachten. Allerdings nutzt die Flughafengesellschaft (FSG) die attraktive Fläche mit dem spektakulären Blick fast nur noch als Aussichtsplattform. Ein Bistro oder zumindest einen Kiosk mit Kaffee und frischen Snacks suchen die Gäste hier vergeblich. Inzwischen gibt es auf der Terasse nur noch Automaten.

Dass es auch anders geht, hat die FSG bis vor fünf Jahren selbst gezeigt. Da betreuten die Flugzeugmodell-Experten Günter Kloft und Peter Postner als Pächter die Terrasse. Wer sich an den großen Maschinen satt gesehen hatte, durfte ihre restaurierten Flugzeugmodelle bewundern. Oft waren die Tüftler selbst in Stuttgart, um ihre Modelle zu reinigen oder zu sogar reparieren. Wer Glück hatte, traf die zwei umtriebigen Senioren im Arbeits-Overall und durfte mit ihnen über das Thema Fliegerei fachsimpeln.

Zwar stehen einige Modelle noch auf der Terrasse, die die FSG jüngst runderneuern ließ. Aber im Vergleich zu früher wirkt alles trist. Für kurze Zeit betrieb die Stuttgarter „Hafenbar“ 2010 ein Bistro auf der Besucherterrasse. Der Barbetrieb im schön dekoriertem Urlaubs-Ambiente kam bei Besuchern bestens an, rechnete sich aber offenbar für die Betreiber nicht. Danach fand sich kein weiterer Pächter. Ein Publikumsmagnet waren früher die sonntäglichen Terrassenkonzerte, die in regelmäßigen Abständen stattfanden. Vor der besonderen Kulisse spielten Musikvereine aus benachbarten Kommunen. Das war eine Imagewerbung für den Flughafen. Und die Freizeitmusiker schätzten das Podium.

Immer wieder war bei der FSG die Rede von einem Nutzungskonzept für die Besucherterrasse, doch bis jetzt ist nichts passiert. „Es gibt nichts Neues“, sagt Flughafensprecherin Beate Schleicher auf Nachfrage. Mehr ist vom Flughafen nicht zu erfahren. Genaue Besucherstatistiken liegen Schleicher nicht vor, aber es seien „viele Tausende“ im Jahr.

Gerade für Fluggäste mit Kindern, die Wartezeiten überbrücken müssen, ist die Besucherterrasse ideal. Im Kassenraum gibt es Puzzles und Flugzeugmodelle zu kaufen, was bei den Kleinen gut ankommt. Allerdings ließe sich die Terrasse noch viel besser mit weiteren Angeboten bespielen.

Von frischen Ideen für die Attraktion ist längst nicht mehr die Rede. Einerseits mausert sich der gemeinsame Campus von Flughafen und Messe immer mehr zum Anziehungspunkt. Mit den Gebäuden der Airport City setzen die Planer städtebauliche Akzente. Was die Besucherterrasse angeht, stagniert das Angebot seit Jahren.

Die „Erlebniswelt Flughafen“, auf der Homepage vollmundig angekündigt, wird da nicht weiterentwickelt. Das ist umso bedauerlicher, als die Betreiber mit dem „Nachhaltigkeits-Parcours“ und mit dem bestens ausbalancierten Angebot an Geschäften dazu beigetragen haben, den Flughafen auch für Tagesbesucher aus der Region attraktiv zu machen. Zwar lockt die Terrasse Spotter, also Flugzeugbeobachter, und andere Zaungäste auch ohne Zusatzangebote. Dennoch vergeudet die FSG eine Chance, den Flughafen zum Erlebnisort für viele Besucher zu machen.

Info Mehr Details zur Besucherterrasse und den einzelnen Angeboten auf dem Flughafen in Echterdingen gibt es auf der Homepage www.flughafen-stuttgart.de.

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