Zwischen Neckar und Alb

Vom „alten Glomp“ zum Vorzeige-Projekt

Beurens Bürgermeisterhaus soll endlich saniert werden – Investoren für weitere historische Häuser

Lange hat es leer gestanden, drohte zu verfallen. Jetzt bekommt das historische Bürgermeisterhaus in Beurens Ortsmitte ein zweites Leben.

Beuren. Bürgermeister Daniel Gluiber hatte allen Grund zum Strahlen: „Es tut sich was in Beuren“, verkündete er bei einem Pressegespräch im Rathaus. Seit Jahren hat sich die Gemeinde bemüht, für die vielen denkmalgeschützten Gebäude in der Ortsmitte Interessenten zu finden. Nun ist genau das gelungen: Sowohl das Bürgermeisterhaus mit seinen zwei Nachbargebäuden wie auch das Haus Hauptstraße 2 und der Beurener Farrenstall sollen in den kommenden Wochen und Monaten restauriert werden.

Lange hat die Gemeinde genau auf diesen Moment hingearbeitet. Unter der Überschrift „Beuren verschenkt ein Haus“ rührte Gluibers Vorgänger Erich Hartmann medienwirksam die Werbetrommel für den baugeschichtlichen Schatz, den der kleine Kurort zu bieten hat. Inzwischen zeigt sich: Die Aktion war mehr als ein Werbegag und brachte nachhaltige Wirkung. So wurde unter anderem auch Hans Heitmann auf das älteste Firstständer-Haus Baden-Württembergs aufmerksam. Mittlerweile ist das Haus fertig restauriert und zieht Neugierige magisch an. „Wir haben uns angewöhnt, die Türen zu schließen, sonst kann es passieren, dass einer bei uns in der Küche steht“, schmunzelt Heitmann.

Der Zuspruch stört die zwei Neu-Beurener aber keineswegs. Im Gegenteil: Sie teilen ihre positiven Erfahrungen gerne, wollen ihre Scheune künftig nicht nur als Atelier nutzen, sondern auch für kleine kulturelle Veranstaltungen öffnen.

„Altes Glomp“, „Fass ohne Boden“, „nicht zeitgemäß“. Das hört Bernd Jäger von der Firma Baudenkmalpflege JaKo ziemlich oft, wenn er sich zusammen mit seinen beiden Brüdern mal wieder daranmacht, ein Baudenkmal wiederzubeleben. Weder das eine noch das andere aber treffe zu: „Es wurde nie so qualitativ gebaut wie damals“, schwärmt er für die solide Bauweise der alten Fachwerkhäuser. Auch weiß Jäger genau, auf was für Kosten sich sein Unternehmen einlässt, wenn voraussichtlich im Spätherbst begonnen wird, das Bürgermeisterhaus sowie die benachbarte Lehrerwohnung und die ehemalige Schule zu sanieren. Rund 2 500 Euro, so seine Schätzung, wird der Quadratmeter Wohnfläche letztlich kosten: „Damit können wir uns sowohl qualitativ als auch preislich mit einem Neubau messen“, so der Geschäftsführer von JaKo.

Geplant ist, die drei Gebäudeteile wieder zurückzuführen. Zwei Reihenhäuser sowie eine Einheit mit zwei Wohnungen sollen so aus dem Gebäuderiegel entwickelt werden. Erste Interessenten gebe es schon, das hintere Haus sei bereits verkauft, sagt Makler Tobias Ott, der sich mit seiner Agentur auf die Vermarktung historischer Gebäude spezialisiert hat.

Zwar nicht unter Denkmalschutz, aber ein für das Ortsbild wichtiges Gebäude ist das Haus Hauptstraße 2. Der Stuttgarter Architekt Markus Weismann hat sich im Auftrag eines Investors der Modernisierung des rund 100 Jahre alten Hauses angenommen. Entstehen sollen hier insgesamt vier Wohnungen mit Balkonen oder Terrasse. Das Haus wird barrierefrei und seniorengerecht gestaltet. Die drei Zwei-Zimmer-Wohnungen mit einer Grundfläche von 65 bis 75 Quadratmetern hält Weismann für Beurener für interessant, die sich im Alter wohnlich verkleinern und in die Ortsmitte ziehen wollen. Baustart soll im ersten Quartal 2017 sein.

Weitaus größer ist das Vorhaben, das Architekt Werner Iby im Auftrag des Investors Hartmut Pauler vorantreibt. Für das Areal des ehemaligen Farrenstalls an der Hohenneuffener Straße/Ecke Gartenstraße entwickelt der Planer derzeit nicht nur ein Sanierungskonzept für das Wohn- und Stallgebäude aus dem 15. Jahrhundert. Flankierend sollen auf dem rund 1 400 Quadratmeter großen Grundstück zwei Sechsfamilienhäuser mit Tiefgarage entstehen. Zudem sollen der Wohnteil des Farrenstalls saniert und die angrenzende Scheune zu drei Wohnungen umgebaut werden. Noch sind hier viele Fragen offen, vor allem ist der Brandschutz knifflig, sagt der Architekt. Doch auch hier sind die Pläne inzwischen schon weit gereift.

Gluiber jedenfalls ist bester Hoffnung, dass Beuren mit diesen Projekten seinem Ziel, die historisch wertvollen Gebäude im Ort zu bewahren und aufzuwerten, einen bedeutenden Schritt näher ist. Die richtigen Akteure jedenfalls scheinen für dieses Vorhaben am Tisch zu sitzen.

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