Zwischen Neckar und Alb

Vor der Entlastung kommt die Belastung

Behörden und Bahn informieren über die Bauarbeiten für die ICE-Neubaustrecke in und um Wendlingen

Wieviel Unannehmlichkeiten auf die Wendlinger Bürger im Zuge der Bauarbeiten für die ICE-Neubaustrecke zukommen wird, erläuterten Vertreter von Stadt, RP und Bahn.

Kein Durchkommen mehr: Große Umwege müssen die Wendlinger während der Bauarbeiten in Kauf nehmen.Foto: Jürgen Holzwarth
Kein Durchkommen mehr: Große Umwege müssen die Wendlinger während der Bauarbeiten in Kauf nehmen.Foto: Jürgen Holzwarth

Wendlingen. Etwa 7 700 bis 10 000 Fahrzeuge fahren täglich durch die Nürtinger Straße und die Bahnhofstraße in Wendlingen. Eine Belastung für die Stadt, die sich nach der Verlegung der Landesstraße 1250 und der Beseitigung des Bahnübergangs in der Schützenstraße deutlich reduzieren wird: auf etwa 4 840 beziffert sie Stadtbaumeister Axel Girod. Die Vorarbeiten zu diesen für Wendlingen so wichtigen Straßenbauwerken hatten schon im vergangenen Jahr mit der Verlegung von Leitungen begonnen. Auch ein Geh- und Radweg in der Heinrich-Otto-Straße wurde bereits erstellt. „So kann auch während der kommenden Bauarbeiten der Fuß- und Radverkehr aufrecht erhalten bleiben“, sagte Girod.

Damit den Wendlingern die Querung der Eisenbahngleise künftig erspart bleiben, wird die Heinrich-Otto-Straße auf Höhe des neuen Seniorenheimes in einem Schwenk unter der Straße und unter den Gleisen hindurch und so nach Unterboihingen hineingeführt. Für alle, die nicht nach Unterboihingen wollen, führt die Heinrich-Otto-Straße direkt auf die Stuttgarter Straße. Ende Juli ist der Spatenstich für diese Baumaßnahme.

Im Oktober wird die Bahnstrecke für 100 Stunden gesperrt, um Gleise herauszuschneiden und Bohrpfähle in die Erde zu rammen. Das ganze Projekt, das auch von der Verlegung der Landesstraße 1250 abhängig ist, wird Ende 2018 für den Verkehr freigegeben. Die Kosten betragen 15 Millionen Euro. Je fünf Millionen Euro tragen Stadt, Bahn und Bund. Die Stadt erhält darüber hinaus eine 75-prozentige Förderung aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes, so dass Wendlingen letztlich 1,5 Millionen Euro berappen muss.

Frank Maiwald vom Regierungspräsidium Stuttgart erläuterte die Verlegung der Landesstraße 1250, die notwendig wird, weil die Güterzuganbindung der alten Straßenführung in die Quere kommt. Wichtigste Abschnitte hier: gleich zu Beginn der Verschwenkung in die Heinrich-Otto-Straße, auf Höhe der Otto-Gebäude, wird die Straße mittels einer kleinen Rampe über die Bahnstrecke Tübingen-Stuttgart geführt. In der zweiten Hälfte 2017 wird die alte Landesstraße zwischen Ober- und Unterboihingen für 26 Wochen gesperrt. Für Oberboihinger bedeutet das, sie müssen knapp ein halbes Jahr über Zizishausen und die Kreisstraße 1219 nach Wendlingen fahren. Eine weitere sechswöchige Sperrung wegen des Tunnelbaus für die Kleine Wendlinger Kurve steht im zweiten Quartal 2018 an. Diese Vollsperrung löst keine Begeisterung aus. Hier müssen Schülerverkehr, ÖPNV, Rettungsdienste und Feuerwehr sorgfältig koordiniert werden.

Jens Hallfeldt, Projektleiter der Deutschen Bahn für die Bauprojekte zwischen Wendlingen und Kirchheim, stellte weitere Arbeiten auf Wendlinger Gemarkung vor. Los geht es bereits im September 2016 mit dem Bau der Eisenbahnbrücke über die Kreisstraße 1219 und den Neckar, ein Bauwerk, das 2018 fertiggestellt sein wird. Ab Januar 2017 wird eine zweite Eisenbahnbrücke über die neue Landesstraße 1250 und die Bahnstrecke Tübingen-Stuttgart in Angriff genommen.

Bis Ende 2016 werden auch die Autobahnausfahrten für die Baufahrzeuge auf Höhe der früheren Bonackerhöfe gebaut. Ab August 2016 sollen auch die Vorarbeiten für das Tunnelportal beginnen. Wann die Arbeiten genau beginnen, hängt allerdings davon ab, ob der Planänderungsbeschluss bezüglich des Absammelns der Eidechsen vorliegt. Man nehme den Artenschutz ernst, er stelle die Projektpartner jedoch auch vor Probleme, die wiederum zu Verzögerungen führen. „Zauneidechsen tauchen plötzlich an Orten auf, wo vorher noch nie welche beobachtet worden waren“, gab er ein Beispiel, das die anwesenden etwa 130 Bürger zum Lachen brachte.

Eine Dame machte sich Sorgen wegen der Lärmbelästigung für das Wohngebiet „Am Berg“, verursacht durch die 60 Lkw, die während des Tunnelbaus täglich die Baustelle anfahren. „Wir sprechen hier nicht über Massentransporte, die 60 Lkw gehen im bereits vorhandenen Verkehr unter“, war Hallfeldts Antwort.

Info

Die Bahn hat das Telefon „Bauinfo Stuttgart-Ulm“ unter der Nummer 07 11/21 32 12 12 eingerichtet, das rund um die Uhr erreichbar ist. Fragen zur Neubaustrecke werden unter der Telefonnummer 01 63/8 50 85 44 beantwortet.

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