Zwischen Neckar und Alb

Vorsicht vor den fiesen Plagegeistern

Gesundheit Mit steigenden Temperaturen beginnt die Zeckensaison. Die Tiere können Krankheiten wie FSME und Borreliose übertragen. Von Lorena Greppo

Wer sich für ein Nickerchen ins Gras legt, sollte sich danach nach Zecken absuchen. Auf heller Kleidung sieht man die krabbelnde
Wer sich für ein Nickerchen ins Gras legt, sollte sich danach nach Zecken absuchen. Auf heller Kleidung sieht man die krabbelnden Blutsauger besser.Foto: Jean-Luc Jacques

Mit den steigenden Temperaturen erwacht die Natur aus ihrem Winterschlaf. Aber neben blühenden Blumen und Bäumen bedeutet dies unter anderem auch: Die Saison für Zecken geht wieder los. „Ab etwa acht Grad werden die munter“, sagt Angela Corea vom Gesundheitsamt des Landkreises Esslingen.

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Laut Robert-Koch-Institut gilt der Kreis Esslingen als Risikogebiet für Frühsommer-Meningo­enzepha­litis (FSME) - auch als Hirnhautentzündung bekannt. FSME ist in Deutschland meldepflichtig, die Zahl der gemeldeten Erkrankungen schwankt jedoch - so auch im Kreisgebiet. 2016 gab es hier laut Gesundheitsamt drei gemeldete Fälle, im Jahr zuvor war es kein einziger, dagegen verzeichnete das Amt 2013 gleich zehn Erkrankungen. Laut Angela Corea tragen etwa 0,1 bis 5 Prozent der Zecken das FSME-Virus in sich. Beim Borreliose-Bakterium könnten es gar zehn bis 35 Prozent der Zecken sein, die das Bakterium in sich tragen. Weitaus höher als bei FSME liegt demnach auch die Zahl der Borreliose-Patienten. Borreliose ist nicht meldepflichtig, die AOK Neckar-Fils, die nach eigenen Angaben mehr als 40 Prozent der Bevölkerung im Kreis Esslingen betreut, verzeichnet jährlich im Schnitt an die 500 Fälle unter ihren Versicherten.

Für besonders wichtig erachten Experten es daher, den eigenen Körper im Auge zu behalten, wenn man sich in einem Risikogebiet aufhält. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, beim Aufenthalt im hohen Gras, Gebüsch oder Unterholz vorsorglich geschlossene Kleidung zu tragen, das heißt lange Hosen, länge Ärmel und feste Schuhe. Trotzdem sei es ratsam, den eigenen Körper danach nach Zecken abzusuchen und die Kleidung bei mindestens 60 Grad zu waschen.

Was aber, wenn man dennoch gestochen wurde? Nach einem Einstich dauert es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bis zu ein bis zwei Tagen, bis Borrelien übertragen werden, die Übertragung von FSME-Viren erfolgt dagegen schon innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich. Deshalb gilt es, die Zecke möglichst rasch zu entfernen. Dafür sollte man mit einer Pinzette die Zecke möglichst nahe an der Haut erfassen und herausziehen. Schafft man es nicht, die Zecke vollständig zu entfernen, ist es laut dem Allgemeinmediziner Rainer Graneis, Vorsitzender der Kreisärzteschaft Esslingen, ratsam, direkt einen Arzt aufzusuchen, ohne davor in der Wunde herumzustochern. Wenn nach dem Stich einer Zecke eine kleine Rötung auftritt, sei das kein Grund für übertriebene Sorge. „Dabei handelt es sich um eine normale Fremdkörperreaktion“, erklärt der Mediziner. Allerdings sollte man überprüfen, ob man noch ausreichend gegen Tetanus geschützt ist.

Wichtig sei, den Stich im Auge zu behalten, denn nicht jede Infektion mit Borrelien verursacht Beschwerden, gibt auch Angela Corea zu bedenken. Wenn der Stich sich entzündet oder die Rötung sich ausweitet, ist ein Arztbesuch notwendig. „Weitere Symp­tome der Borreliose können Gelenkschmerzen und Fieber sein, außerdem kann es auch die inneren Organe treffen“, erklärt Rainer Graneis. Bezeichnend sei bei der Borreliose aber die sogenannte Wanderröte, eine kreisförmige Verfärbung der Haut, die sich ausbreitet. Behandelt wird die Krankheit mit Antibiotika - wartet man damit zu lange, kann die Borreliose chronisch werden. Dann ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Anders liegt die Sache bei der FSME. „Sie ist nicht so leicht zu erkennen“, sagt Graneis. Denn die Symptomatik sei unspezifisch - ähnlich wie bei einer Grippe verspüre man oft Fieber, Schwindel, Kopf- und Gliederschmerzen. Deshalb sei es besonders wichtig, den Arzt darüber zu informieren, dass man von einer Zecke gestochen wurde. „Im Krankenhaus muss der Patient dann neurologisch untersucht werden.“ Für Menschen, die sich in Risikogebieten - wie beispielsweise im Kreis Esslingen - viel im Freien aufhalten, empfiehlt Rainer Graneis deswegen dringend, sich gegen FSME impfen zu lassen. Diese Impfung wird von den Krankenkassen übernommen und ist für alle Altersgruppen möglich.