Zwischen Neckar und Alb

Wackelpferd wird zum Kinostar

Spielzeug Die Firma Breba aus Esslingen stellt kleine Wackelfiguren her. Insgesamt 200 verschiedene Variationen gibt es, und eine davon ist im neuen Film Hanni und Nanni zu sehen. Von Melanie Braun

Luise Müller ist geübt, das ist nicht zu übersehen. Kaum mehr als eine Minute braucht die 79-Jährige, um aus verschiedenen Kunststoff-Spritzgussteilen ein Wackelpferd zusammenzubauen. Vielen jüngeren Mädchen dürfte das Tier nicht ganz unbekannt sein, denn es ist im neuen Kinofilm über die verrückten Zwillinge Hanni & Nanni zu sehen. Doch das Pferd ist längst nicht das einzige Produkt der Esslinger Firma Breba: Sie hat fast 200 verschiedene Wackelfiguren im Angebot - und fast alle werden von Luise Müller zusammengebaut.

Allein in zehn Tagen fertigt Luise Müller 200 Bären, 280 Flamingos und 300 Pinguine an - in ihrem Leben dürften es Millionen Figuren gewesen sein. Denn Müller arbeitet bereits seit 1965 für die Firma Breba, die früher noch Breitenbach hieß. „Inzwischen kann ich das im Schlaf“, sagt sie. Wer ihre Arbeit beobachtet, dürfte kaum daran zweifeln: Flink bestreicht die 79-Jährige die Außenränder der beiden Pferdekopfhälften mit Klebstoff, befestigt ein Metallgewicht daran und setzt sie zusammen. Dann hängt sie den Kopf mit geschickten Fingern an einem Draht in eine Hälfte des Pferdekörpers, klebt die andere darauf und verziert das Tier mit schwarzen Punkten: Schon ist das Pferd fertig.

Klaus Kaufmann kontrolliert die Figuren, die seine Mitarbeiterin Luise Müller in Sorgfalt zusammengesteckt hat.
Klaus Kaufmann kontrolliert die Figuren, die seine Mitarbeiterin Luise Müller in Sorgfalt zusammengesteckt hat. Foto: Roberto Bulgrin

Plötzlich Chef der Firma

Neben Luise Müller gibt es nur noch eine Aushilfskraft bei Breba - und natürlich den Chef des Unternehmens: Klaus Kaufmann. Der 63-Jährige ist vor etwa zwölf Jahren an die Firma gekommen wie die Jungfrau zum Kinde: „Sie ist mir zufällig angeboten worden“, sagt er. Da er zuvor bei einer anderen Firma in der Herstellung von technischen Teilen im Spritzgussbereich tätig gewesen sei, sei ihm das Verfahren geläufig gewesen, mit dem die Grundformen für die Wackelfiguren produziert werden, erzählt Kaufmann. Er habe zugeschlagen und das Sortiment immer mehr erweitert.

Allerdings produziert Kaufmann die Rohformen für die Figuren nicht selbst, sondern lässt sie von verschiedenen Unternehmen anfertigen, denen er seine Formen dafür überlässt. Die meisten der Firmen seien in der Region ansässig, nur einige Formen lasse er im Vogtland in Westsachsen produzieren, erzählt Kaufmann. Gelagert, kontrolliert und für den Versand verpackt würden die Wackelfiguren aber wieder in seinem Büro in der Esslinger Weststadt.

Die Firma Breba hat ein breites Sortiment an Wackelfiguren: Fast 200 verschiedene Varianten hat sie im Angebot.Fotos: Roberto Bu
Die Firma Breba hat ein breites Sortiment an Wackelfiguren: Fast 200 verschiedene Varianten hat sie im Angebot. Foto: Roberto Bulgrin

Beschriftung ist das A und O

Hier stapeln sich die Kisten mit fertigen Produkten in mehreren Reihen bis unter die Decke. Sie sind beschriftet mit Stichworten wie „Zwerge rot, gelb, blau“ oder „188 Eichhörnchen schwarz“ oder „286 Dackel braun“. Schließlich muss Kaufmann bei all den Hasen, Zwergen, Nilpferden, Bären, Pudeln, Störchen und was es sonst noch für Figuren gibt, den Überblick behalten. Der Firmenchef behauptet, dass Breba das Unternehmen mit dem größten Sortiment an Wackelfiguren weltweit sei. Den großen Wackeldackel, den viele sich auf die Rückbank ihres Autos stellen, produziert er allerdings nicht - aber man kann ihn bei ihm beziehen.

Kaufmann verkauft seine Produkte fast ausschließlich an Händler und Großhändler in der ganzen Welt. Vor allem in die USA und nach Asien gehe viel, sagt er, auch in Stuttgart habe ein Laden seine Figuren im Sortiment - in Esslingen seien sie hingegen nicht zu bekommen. Auch einen Onlineshop für Privatkunden gibt es nicht, aber wenn es private Anfragen gebe, versuche er stets, diese zu bedienen, sagt der Firmenchef.

Til Schweiger und die Zwerge

Die kuriosen Produkte, die nicht nur mit normaler Kunststoffoberfläche, sondern auch beflockt oder mit Metallic-Beschichtung zu bekommen sind, ziehen immer mal wieder auch größere Aufmerksamkeit auf sich. Die Produzenten des Hanni-&-Nanni-Films waren nicht die ersten, die sich für den Einsatz der Wackelfiguren interessierten. So waren etwa die auf Seemann getrimmten Wackelzwerge in den 90er-Jahren im Kinofilm „Männerpension“ mit Til Schweiger zu sehen, in der Zeitschrift Brigitte wurden die weißen Hasen als Dekotipp angeführt, und im Magazin „Living at Home“ sorgten Wackelhasen von Breba schon für Osterstimmung.

Auch bei Luise Müller steigt die Stimmung, wenn sie die Figuren vor sich sieht: Ohne die Arbeit werde es ihr langweilig, sagt sie. „Für mich ist das entspannend und viel besser, als Däumchen zu drehen.“ Sobald sie mit einer Ladung fertig ist, ruft die 79-Jährige ihren Chef an und fragt nach Nachschub. „Solange sie das machen will, darf sie gerne weiter für mich arbeiten“, sagt Kaufmann.

Die Firma Breba hat ein breites Sortiment an Wackelfiguren: Fast 200 verschiedene Varianten hat sie im Angebot.Fotos: Roberto Bu
Die Firma Breba hat ein breites Sortiment an Wackelfiguren: Fast 200 verschiedene Varianten hat sie im Angebot. Foto: Roberto Bulgrin
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