Zwischen Neckar und Alb

War die Terrasse nicht ausreichend gesichert?

Die Arbeiten am abgerutschten Hang im Nürtinger Stadtteil Zizishausen sind weitgehend abgeschlossen

Gestern Abend konnten die letzten der nach einem Hangrutsch evakuierten Häuser in Zizishausen wieder bezogen werden.

Das Erdreich des abgerutschten Hangs in Zizishausen wird Stück für Stück abgetragen. Foto: Jürgen Holzwarth
Das Erdreich des abgerutschten Hangs in Zizishausen wird Stück für Stück abgetragen. Foto: Jürgen Holzwarth

Nürtingen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch war an einer Baustelle im Nürtinger Stadtteil Zizishausen eine Terrasse abgerutscht. Aus Sicherheitsgründen mussten 14  Häuser evakuiert werden. In den folgenden Tagen waren die Baufirma und die Hilfskräfte teilweise rund um die Uhr damit beschäftigt, den Hang zu sichern. „Die Mitarbeiter haben 26 Stunden durchgearbeitet“, sagt Nürtingens Pressesprecher Clint Metzger.

Das betroffene Gebäude ist von der Rutschung nach derzeitiger Kenntnis nicht betroffen. Es wurde, so die Pressestelle der Stadt und Zizishausens Ortsvorsteher Siegfried Hauber, im Rahmen eines gültigen Bebauungsplans aus dem Jahr 1984 erbaut. Auf dem Grundstück stand schon vorher ein Gebäude. Es wurde jedoch zugunsten des Neubaus abgebrochen. Dieser steht nun weiter oben am Hang „um sich von der Lage an die Umgebungsbebauung anzupassen“. Das Gebäude entspreche auch der Baugenehmigung, so Hauber. Gerüchte, wonach das Haus größer gebaut worden sei als genehmigt, seien haltlos. Auch sei das Gebäude auf Fels gegründet und nicht auf Knollenmergel.

In den Fokus der Experten rückt jetzt die Terrasse selbst. Bereits gestern vermutete der vor Ort eingesetzte Geologe des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB), dass die Terrasse möglicherweise nicht „anständig gegründet“ sei.

Von anderer Seite war zu hören, dass die eingesetzten Gabionen womöglich zu schwach ausgelegt worden sein könnten und dadurch dem in Bewegung geratenen Erdreich nicht mehr standhalten konnten.

Mit ihren Informationen hielt sich die Stadt bedeckt. Wollte Spekulationen und Fragen nicht kommentieren. Pressesprecher Metzger sagte, dass die Terrasse wohl so genehmigt worden sei. Allerdings sei der Rohbau von der Baurechtsbehörde noch nicht abgenommen worden.

„Das Gebäude steht sicher und ist nach bisherigen Erkenntnissen auch nicht die Ursache für die Rutschung“, so Metzger. Es sei auch nicht Aufgabe der Stadt, nach der Ursache zu forschen – das übernehme die Polizei. Die ermittelt nach Angaben ihres Pressesprechers Michael Schaal wegen des Verdachts der Baugefährdung. Weil möglicherweise der Hang für den Bau der Terrasse nicht richtig gesichert wurde und dadurch Leben gefährdet wurden. Immerhin, so Schaal, mussten zahlreiche Menschen mitten in der Nacht ihre Häuser verlassen und in Sicherheit gebracht werden.

Das Gelände gilt nach Angaben des LGRB als „gefährdeter Rutschhang“, enthält möglicherweise Knollenmergel und befindet sich in einem ehemaligen Steinbruch.

Der Bauherr bat um Verständnis, dass er derzeit nicht mit der Presse spreche. Er sei am Boden zerstört und müsse mit der Situation vor Ort erstmal fertig werden. Auch den Anwohnern, die bislang nicht in ihre Häuser zurück konnten, ist von der Stadt nahegelegt worden, nicht mit der Presse zu sprechen. Am Nachmittag – nach der Krisensitzung – wollte dann auch der Ortsvorsteher nicht mehr mit der Zeitung sprechen. Vonseiten der Stadtverwaltung erhielt man Informationen ausschließlich über die Pressestelle. So blieben einige drängende Fragen unbeantwortet. Zum Beispiel danach, ob die Anwohner die Behörden wirklich schon im Vorfeld des Rutsches vor Rissen am Hang gewarnt hatten.

Bis gestern Abend wurden die Sicherungsarbeiten weitgehend abgeschlossen und alle Bewohner der evakuierten Häuser konnten in ihre vier Wände zurückkehren.

Am Donnerstagabend hatte auch der Geologe Entwarnung gegeben. An mehreren Messpunkten des THW am Hang und an der Fassade des Hauses wurde keine Bewegung mehr festgestellt. Die als Schutzwall aufgestellten Container bleiben vorübergehend stehen. Am Montag soll über eine dauerhafte Hangsicherung beraten werden.

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