Zwischen Neckar und Alb

Warnsignale ernst nehmen

Gesundheit Chronische Herzschwäche wird oft zu spät erkannt. Der Kardiologe Christian Herdeg empfiehlt, die Krankheit rechtzeitig zu behandeln, anstatt sich an sie zu gewöhnen. Von Roland Kurz

Wenn es beim Schneeschippen in der Brust brennt, kann das ein Hinweis auf eine Herzschwäche sein.Archiv-Foto: Jörg Bächle
Wenn es beim Schneeschippen in der Brust brennt, kann das ein Hinweis auf eine Herzschwäche sein.Archiv-Foto: Jörg Bächle

Er oder sie hat ein schwaches Herz – das sagt sich leicht dahin. Herzschwäche wird aber als Krankheit oft zu spät erkannt und behandelt. Sie ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland, nach der koronaren Herzerkrankung (Gefäße) und dem akuten Infarkt. Deshalb hat die Deutsche Herzstiftung kürzlich eine Aktion gestartet. Professor Christian Herdeg, Kardiologe am Ruiter Medius-Krankenhaus, greift das Thema ebenfalls in seinen Vorträgen immer wieder auf.

Unter chronischer Herzschwäche leiden fast zwei Millionen Menschen. Die Volkskrankheit Insuffizienz kommt schleichend und wird oft nicht wahrgenommen. Ein Warnsignal ist Atemnot beim Treppensteigen oder beim schnellen Laufen. Abgeschlagenheit, Schwellungen an Unterschenkeln oder Knöcheln durch Wassereinlagerung sowie rascher Herzschlag sind ebenfalls Hinweise.

Die betroffenen Menschen interpretieren die Symptome oft nicht als Folge der schwächeren Pumpe, erklärt Chefarzt Herdeg. Ältere Menschen schränken ihren Radius ein, wenn sie unter Atemnot leiden, passen ihren Alltag an, machen weniger. „Das Herz wird immer schwächer“, warnt Herdeg vor dieser Ausweichstrategie. Muss ein Patient wegen Herzschwäche ins Krankenhaus eingeliefert werden, ist die Prognose vergleichsweise schlecht. 25 Prozent von ihnen sterben im ersten Jahr danach. Dabei könnte eine frühe Behandlung die Herzschwäche aufhalten oder verlangsamen.

Falsch eingeschätzt wird die chronische Herzschwäche, weil sie kein einheitliches Krankheitsbild bietet. Sie ist Symptom und Folge anderer Herzprobleme: koronare Herzerkrankung bis hin zum Infarkt, hoher Blutdruck, Erkrankung der Herzklappen, Entzündung des Herzmuskels etwa durch eine verschleppte Grippe. All dies schwächt den Herzmuskel, reduziert seine Pumpkraft. Nicht zu vergessen ist dabei auch der Alkohol als klassische herzschwächende Droge. Auch Medikamente (Zytostatika), etwa im Rahmen einer Krebstherapie gegeben, können der Pumpe schaden.

Die Behandlung der Herzschwäche hängt von ihren Ursachen ab. „Man muss den ganzen Menschen sehr genau anschauen. Eine echte Herausforderung“, sagt Kardiologe Herdeg. Nicht selten sind Herzprobleme auch mit einer Depression verbunden. Sind die Gefäße schlecht durchblutet oder kam es gar zum Infarkt, wird ein Stent gesetzt oder ein Bypass gelegt. Liegt es an den Herzklappen, muss operiert oder über den Herzkatheter korrigiert werden. Hoher Blutdruck muss gesenkt werden, durch Medikamente und Veränderung des Lebensstils.

Als Grundprinzip gilt heute laut Christian Herdeg: das Herz entlasten – mit ACE-Hemmern, Betablockern oder Wassertabletten. Standard sei auch die Eisentherapie, die über eine Infusion sehr gut verträglich geworden sei, aber sehr teuer ist, sagt der Herzspezialist, der auch Ärztlicher Direktor des Ruiter Krankenhauses ist.

Mehr Bewegung, gesunde Ernährung und insbesondere den Blutdruck im Auge behalten, das sind für den Kardiologen die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen für das Herz.

Das Herz im Winter

Menschen mit Herzproblemen sollten, wenn sie sich bei Kälte körperlich verausgaben, einige Vorsichtsmaßnahmen beachten. Christian Herdeg geht vorsichtig mit dieser Einschätzung um. Er beobachtet im Winter keine höhere Zahl von Herzinfarkten. Kälte sei eine zusätzliche Herausforderung an den Körper, deshalb spüre man unter Umständen bei Minusgraden, dass mit dem Herz etwas nicht stimme. Klassisches Beispiel sei, wenn es beim Schneeschippen in der Brust brenne. Herdeg: „Kälte provoziert Angina pectoris.“ Dann sei der Gang zum Arzt angeraten.

Dennoch sollten auch Herzkranke die Kälte nicht meiden. „Falsch wäre, sich hinter dem Ofen zu verkriechen“, meint Herdeg. Er empfiehlt, sich draußen zu bewegen, in angemessener Kleidung. Auch sollte man genügend trinken. Sinnvoll ist, nicht rauszuspurten und sofort mit dem Schneeschippen loszulegen, sondern dem Körper Zeit zu geben, sich an die Kälte zu gewöhnen.rok

Anzeige