Zwischen Neckar und Alb

Was wird aus dem Bahnhof?

Umgestaltung Seit zwei Jahren sorgt der alte Bahnhof im Oberboihinger Gemeinderat für Diskussionsstoff. Doch die Zeit rennt: Bis spätestens März muss klar sein, wie die Zukunft des Gebäudes aussehen soll. Von Sylvia Gierlichs

Auf eine Vollsanierung des alten Bahnhofs scheint es in Oberboihingen hinauszulaufen. Die genauen Kosten müssen noch ermittelt w
Auf eine Vollsanierung des alten Bahnhofs scheint es in Oberboihingen hinauszulaufen. Die genauen Kosten müssen noch ermittelt werden.Archiv-Foto: Ralf Just

Im August 2015 hat die Gemeinde Oberboihingen den alten Bahnhof von der Immobiliengesellschaft der Deutschen Bahn gekauft. Seit zwei Jahren ist das Gebäude regelmäßig auf der Tagesordnung des Gemeinderates. Seither wird darüber diskutiert, wie es genutzt werden soll. Ein Café im Wartesaal, vielleicht sogar ein integratives Café? Aus dem Güterschuppen könnte dann eine Art Kulturschuppen werden, in dem Veranstaltungen aller Art stattfinden könnten. Diskutiert wurde diese Variante bereits im Juli 2016. „Bis Ende 2017 muss die Entscheidung gefallen sein, ob wir den Bahnhof sanieren oder nicht“, erklärte Bürgermeister Torsten Hooge seinerzeit.

Ende 2017 ist man jedoch noch keinen Deut weiter. Zwar stehen noch genügend Fördermittel für eine Sanierung des Oberboihinger Bahnhofs zur Verfügung. Doch so langsam wird die Zeit knapp. Ende März 2019 läuft der Bewilligungszeitraum für Fördergelder aus. Bis dahin muss der Bahnhof saniert sein.

Sorge um die laufenden Kosten

Ideen für die Nutzung des alten Gebäudes gibt es viele. So könnte der alte Wartesaal vom Arbeitskreis Asyl für Sitzungen und das Café International genutzt werden. Die Geschäftsstelle des Bürgerbusses könnte dort Besprechungen abhalten, die Bürgerwerkstatt ihre Veranstaltungen oder die Rat-und-Tat-Börse abhalten. Während des Weihnachtsmarktes könnten dort auch Ausstellungen und Veranstaltungen stattfinden. Und im Falle einer Vollsanierung könnte man im Güterschuppen auch die Bücherei unterbringen. Sie befindet sich derzeit im Obergeschoss des Rathauses. Die Räume dort werden jedoch jetzt von der Oberboihinger Verwaltung benötigt.

Die Bücherei im alten Bahnhof? Das kann sich allerdings Gemeinderat Heinz Vogel nicht vorstellen. Den Aufwand, um den Bücherbestand in einem adäquaten Klima aufbewahren zu können, hält er für zu hoch. Dennoch spricht er sich grundsätzlich für eine Vollsanierung aus. Das tut auch Gemeinderätin Brigitte Rapp. Sie machte sich allerdings Gedanken über die laufenden Kosten, die nach einer Sanierung auf die Gemeinde zukommen. In der Sitzungsvorlage sind 200 Euro für die Reinigung und 100 Euro für den Hausmeister aufgeführt. Doch in welchem Zeitraum? „Monatlich“, präzisierte Bürgermeister Torsten Hooge. Die Kostenschätzung sei angelehnt an die Kosten, die im Jugendhaus anfielen.

Reichen 400 000 Euro aus?

Auch Gemeinderätin Claudia Braun sprach sich für eine Vollsanierung aus. Und regte gleichzeitig an, in den Sommerferien das Gebäude für die Ferienbetreuung der Schulkinder zu nutzen. „Ich fände es schön, wenn die ganze Gemeinde etwas von dem Gebäude hätte“, sagte sie. „Jetzt haben wir das Haus an der Backe“, seufzte Gemeinderat Jürgen Schmid. Doch auch er sprach sich für eine Vollsanierung aus. Und konnte sogar der Idee, die Bücherei dort unterzubringen, einen gewissen Charme abgewinnen. Sein Ratskollege Gerd Udo Winkle wies nochmals auf die laufenden Kosten hin. „Sie belaufen sich auf 7 200 Euro im Jahr, wenn eine Vollsanierung gemacht wird. Das ist eine Summe, die man im Hinterkopf behalten muss“, sagte er. Joachim Scherer bat darum, genau auszurechnen, ob 400 000 Euro ausreichen, um das Gebäude zu sanieren, bevor eine Entscheidung gefällt wird.

Bürgermeister Hooge wies die Räte darauf hin, dass es momentan noch nicht darum gehe, sich für eine Nutzungsvariante zu entscheiden. Indes, soll die Sanierung 2018 in Angriff genommen werden, muss eine Entscheidung schnell getroffen werden, denn von der etwaigen Nutzung hängt ab, ob die Sanierung überhaupt förderfähig ist. Spätestens im März, so ist der Sitzungsvorlage zu entnehmen, müsse der Baubeschluss gefasst werden.

Bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme beauftragten zwölf Gemeinderäte die Verwaltung schließlich, für die Vollsanierung des Gebäudes ein Nutzungskonzept zu erarbeiten, die Kosten hierfür zu ermitteln und das Vorhaben auf seine Förderfähigkeit abzuklären.

Diese Sanierungsvarianten gibt es:

Eine Kaltsanierung, also eine Sanierung der Hülle des Gebäudes, wie noch bei der Klausurtagung im März beschlossen, kostet etwa 200 000 Euro. Fördermittel können jedoch dafür nicht abgerufen werden.

Eine Teilsanierung, die nur den Wartesaal umfasst und den Güterschuppen unsaniert belässt, würde 300 000 Euro kosten. Hier gäbe es Fördergelder in Höhe von 150 000 Euro. Für die Gemeinde blieben also noch Kosten von 150 000 Euro.

Eine Vollsanierung, inklusive des Güterschuppens, kostet 400 000 Euro, Fördermittel in Höhe von 200 000 Euro stünden dafür zur Verfügung. Die Gemeinde müsste 200 000 Euro aufbringen.

Der finanzielle Aufwand für eine Kaltsanierung und eine Vollsanierung wären gleich hoch. Beides ist für 200 000 Euro zu haben. Für alle Sanierungsvarianten gilt: Fördermittel gibt es nur, wenn eine öffentliche Nutzung nachgewiesen werden kann.sg

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