Zwischen Neckar und Alb

Wechsel bei Kusterers in der Kelter

Generation Im prämierten Weingut Kusterer gibt Vater Hans den Staffelstab weiter. Sohn Maximilian hat viele neue Ideen.

Heimischer Wein gewinnt immer mehr Freunde. Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques
Symbolbild. Jean-Luc Jacques

Esslingen. Nachhaltigkeit steht im Weingut Kusterer an oberster Stelle. Um das festzustellen, reicht ein Spaziergang durch die Mettinger Weinberge. Dort steht die vielleicht futuristischste Kelter des Landkreises Esslingen - die Gravitationskelter. Mithilfe der Schwerkraft spart das Betriebsgebäude eine Menge Energie ein. Es sind aber auch die Details, die das Thema Nachhaltigkeit nahezu allgegenwärtig machen. Außerdem findet Vater Hans Kusterer, dass Veränderungen und Ideen wichtig für die Entwicklung des Betriebs sind. Deshalb übergibt der 62-Jährige das Weingut seinem Sohn ­Maximilian. Seit 2016 mischt der 28-Jährige tatkräftig mit „und er hat schon viel umgekrempelt“, sagt Mutter Monika Kusterer. Dafür wurde der Junior schon vom Gourmet-Magazin Falstaff ausgezeichnet.

Wie eine Gesteinsformation ragt die Gravitationskelter zwischen den Rebreihen der Mettinger Weinberge empor. Das Besondere an der Gravitationskelter: Oben in der Einfahrt eingefüllt, durchlaufen die Trauben vier Stockwerke. Im Keller wird der Wein dann gelagert, dort herrscht ganzjährig eine Temperatur von etwa vier Grad. Aufgrund der Hanglage braucht die Familie keine Förderbänder, Pumpen oder Schnecken. Über Rutschen laufen die Beeren in die richtige Etage, wo sie weiterverarbeitet werden.

Offen für neue Ideen

„Ich habe heute viel mehr Möglichkeiten als mein Vater damals“, sagt Max Kusterer. 1983, nach dem Tod seines Vaters, übernahm Hans Kusterer den elterlichen Gemischtbetrieb. Zusammen mit seiner Frau Monika baute er den Hof zu dem Weingut um, das es heute ist. Ihm habe die Freiheit sehr gut getan, deshalb habe er die Ideen seines Sohnes immer unterstützt. Und das weiß Maximilian Kusterer zu schätzen: „Mein Vater war schon immer sehr offen für alles.“

Nach dem Abitur studierte der Junior Weinbau und Önologie in Geisenheim im Rheingau. Dort entwickelte er ein Faible für den Spätburgunder. Auf dieser Rebsorte soll auch in Zukunft ein Schwerpunkt liegen. „Ich möchte es richtig machen“, sagt der Wengerter. Diese Einstellung hat sich bereits ausgezahlt, denn das Gourmet-Magazin Falstaff prämierte ihn mit dem Preis „Newcomer des Jahres 2020“. Eine schöne Bestätigung für den Jungwinzer: „Es ist natürlich schön, wenn es so losgeht.“ Außerdem möchte er den Betrieb noch nachhaltiger machen. „Wir haben dieses Jahr zum ersten Mal nur biologische Pflanzenschutzmittel verwendet“, erklärt er.

Vater Hans macht sich unterdessen keine Sorgen über die Zukunft des Weinguts: „Mir fällt es gar nicht schwer, loszulassen“, sagt der 62-Jährige. „Ich habe das volle Vertrauen in ihn.“ Dominic Berner

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