Zwischen Neckar und Alb

Welch hochfliegende Pläne!

Freilichtmuseum Wie kann ein Mensch fliegen? Der schwäbische Tüftler Gustav Mesmer war wie besessen von dieser Idee. Ein Wettbewerb erinnert an ihn. Von Iris Koch

Der Preisträger: Ein Fahrzeug mit wehendem Segel, voller Glitzer und Glamour. Geschaffen haben es vier Klassen der Musik- und Ju
Der Preisträger: Ein Fahrzeug mit wehendem Segel, voller Glitzer und Glamour. Geschaffen haben es vier Klassen der Musik- und Jugendkunstschule Nürtingen. Foto: Iris Koch

Erfindergeist und hochfliegende Fantasie waren am Wochenende im Freilichtmuseum Beuren gefragt. Ein Flugradwettbewerb erinnerte dort an Gustav Mesmer, der als „Ikarus vom Lautertal“ mit seinen fantastischen, selbst gebastelten Flugapparaten Berühmtheit erlangte. Eines seiner Original-Flugfahrräder ist derzeit in der Ausstellung „Typisch schwäbisch?!“ im Freilichtmuseum zu sehen.

Inspiriert von dem eigenwilligen Technik-Poeten Gustav Mesmer hatten sich ambitionierte Bastler im Alter von fünf bis 83 Jahren ans Werk gemacht und ihre ganz eigenen Versionen eines Flugrades verwirklicht. An den skurrilen Gebilden, die dem staunenden Publikum und der Jury da vorgeführt wurden, hätte sicher auch Gustav Mesmer selbst seine Freude gehabt. Der Philosophie des passionierten Tüftlers, Künstlers und Dichters entsprechend spielte die tatsächliche Flugfähigkeit der Konstruktionen eine untergeordnete Rolle. Tatsächlich in die Lüfte erhoben hat sich Gustav Mesmer nur im Geiste - doch der Traum vom Fliegen hielt den 1903 in Altshausen Geborenen aufrecht, als er 35 Jahre lang ungerechtfertigt in der Psychiatrie eingesperrt war. Erst nach seiner Entlassung im Jahr 1964 konnte der unbeugsame Fantast seine Ideen verwirklichen. In seiner Werkstatt zeichnete, bastelte und baute er mit unbändiger Kreativität - und sorgte auf der Schwäbischen Alb mit seinen Flugversuchen für Furore. Ab den 80er-Jahren wurden seine Kreationen in internationalen Ausstellungen gezeigt, eines seiner Flugfahrräder war 1992 sogar in der Weltausstellung in Sevilla zu sehen.

Als Hommage an Gustav Mesmer habe man den Flugradwettbewerb ins Leben gerufen, der alle zwei Jahre an einem anderen Ort stattfinde, erklärte der Vorstand der Gustav-Mesmer-Stiftung, Stefan Hartmaier. Beim ersten Wettbewerb sei Mesmer noch selbst dabei gewesen. „Er wollte die jungen Leute zum Nachdenken anregen, was sie alles selbst machen können“. Was ihn an dem Freigeist Mesmer beeindruckt habe, sei seine Fähigkeit gewesen, „seine Ideen auszuleben und umzusetzen und sich nicht unterkriegen zu lassen.“

Ganz im Sinne Mesmers hatten die Teilnehmer diverse alltägliche Materialien und Objekte für ihre Flugräder recycelt. Mit allerhand Glitzer und Glamour, Aluschalen-behängtem Tragflügel und wehendem blauem Segel kam etwa das Gemeinschaftswerk von vier Klassen der Musik- und Jugendkunstschule Nürtingen daher und überzeugte am Ende die Jury. Den ersten Preis nahm der Künstler Volker Illi entgegen, der das Projekt an der Jugendkunstschule initiiert hatte. Viel Aufsehen erregte auch das urige Konstrukt von Erich Leins aus Winzingen, der auf historische Materialien gesetzt und originelle Ideen für den Antrieb entwickelt hatte. Mittels Kurbel setze man eine alte Honigschleuder in Bewegung, die den - mit Unterwäsche drapierten - Rotor antreibe, so der Erfinder. Als Geheimwaffe habe er zusätzlich einen Biogas-Antrieb eingebaut, der über ein kleines Loch im Sattel vom Fahrer selbst gespeist werde, so Erich Leins, „vorausgesetzt, man isst genügend Bohnen und Zwiebeln.“

Info Die Ausstellung „Typisch schwäbisch!?“ mit einem Flugrad Gustav Mesmers ist noch bis November im Freilichtmuseum zu sehen. Ab dem 2. Juli werden Werke Mesmers auch in der Ausstellung „Schweben - Fliegen - Fallen“ im Kloster Schussenried gezeigt.

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