Zwischen Neckar und Alb

Welche Zukunft hat die Elektromobilität?

Interessante Gesprächsrunde im Nürtinger Autohaus Russ – Zahlreiche Experten zu Gast

Diskutierten in Nürtingen über die Zukunft des Automobils: Dr. Dieter Rödder von der Firma Bosch, Stefan Russ, Chef des Autohaus
Diskutierten in Nürtingen über die Zukunft des Automobils: Dr. Dieter Rödder von der Firma Bosch, Stefan Russ, Chef des Autohauses Russ, Professor Dr. Hans-Christian Reuss, Erich Nickel von IBM und Franz Loogen, Geschäftsführer der e-mobil BWFoto: Rudi Fritz

Jede Menge geballte Kompetenz zum Thema Fahrzeugtechnologie gab sich in Nürtingen bei einem Werkstattgespräch ein Stelldichein.

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Rudi Fritz

Nürtingen. Circa 100 Gäste aus ganz Deutschland hatten den Weg nach Nürtingen nicht gescheut und wurden von Wolfgang Fischer von der e-mobil BW begrüßt und durch das umfangreiche Programm geführt.

In der ersten Gesprächsrunde diskutierten Ministerialdirektor Hubert Winkler vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium und der Geschäftsführer der e-mobil BW, Franz Loogen, über das Thema „Digitale Revolution im Mobilitätsfaktor“.

„Baden-Württemberg muss seine führende Stellung in der Automobilindustrie halten. Dazu bedarf es der Weiterentwicklung der Elektromobilität“, forderte Winkler. Da ab 2040 voraussichtlich keine Verbrennungsmotoren mehr neu zugelassen werden sollen, seien alle gefordert: „Der autonome Pkw steht im Fokus“, stellte Hubert Winkler klar.

Man müsse in der Öffentlichkeit mehr für die Elektroautos werben, denn diese würden im Moment noch zu wenig nachgefragt. „Das Autohaus Russ ist einer der Vorreiter der neuen Technologien“, zollte Loogen dem Gastgeber ein großes Lob.

Der Automonteur der Zukunft müsse häufiger Software aufspielen und Sensoren beherrschen. Ein Lagerist werde künftig Datensätze he­runterladen und Ersatzteile im 3-D-Druck erstellen, blickte der e-mobil-BW-Chef in die Zukunft. „Wer sich auf die immer schneller auftretenden Veränderungen nicht einstellt, wird vom Markt verschwinden“, mahnte Winkler.

Unter der Überschrift „Automatisiert. Vernetzt. Elektrisch.“ stand die zweite Gesprächsrunde. Hieran waren die vier Automobilexperten Professor Dr. Hans-Christian Reuss, Mitglied des Vorstandes des Forschungsinstituts für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS), Erich Nickel, Director of Automotive Solutions der IBM Deutschland, Dr. Dieter Rödder, Entwicklungsleiter bei der Firma Bosch und Stefan Russ, geschäftsführender Gesellschafter des Autohauses Karl Russ beteiligt.

„Wir müssen selber mehr auf den Wachstumsmarkt Brennstoffzellen setzen, denn da sind in China große Wachstumsraten vorhanden“, forderte Rödder. Man sei bereits auf einem guten Weg zur Elektrotechnologie, stellte Christian Reuss fest, Handlungsbedarf bestehe aber noch bei der Informatik.

Ins selbe Horn blies auch Erich Nickel: „Ohne IT ist Elektromobilität nicht möglich. Das Roaming stellt aber noch eine große Herausforderung für uns dar.“

„Wir sind die einzige Markenwerkstatt, die einen Wasserstoffantrieb reparieren kann“, stellte Stefan Russ heraus.

Diskutiert wurde auch über den aufsehenerregenden Unfall eines selbst fahrenden Tesla-Fahrzeugs im Mai in Florida. „Der Fahrer hatte trotz aller Technik selbst die Verantwortung über das Fahrzeug“, stellte Bosch-Entwicklungsleiter Rödder klar. Das System werde noch missbraucht, sei aber nicht mehr aufzuhalten, bemerkte Stefan Russ.

Gefordert wurde auch eine neue Infrastruktur für die neue Technik. „Hier brauchen wir dringend ein dichteres Netz, das ist im Großraum Nürtingen, Wendlingen und Kirchheim noch sehr ausbaufähig“, bemängelte der Russ-Geschäftsführer fehlende Batterieauflademöglichkeiten.

Vor allem bei der Wertschöpfung der Batterieproduktion müssten Allianzen gebildet werden, forderte der Wissenschaftler Reuss.

Bei der abschließenden Diskussionsrunde kamen aus den Reihen der Teilnehmer viele Anregungen und Fragen zu den zuvor besprochenen Punkten.

Ein Drittel des künftigen Fahrzeugpreises eines Elektrofahrzeugs würde auf die Batteriezelle entfallen, und da könne es doch nicht sein, dass die meisten Zellen aus China oder Korea kämen, merkte ein Experte aus dem Publikum kritisch an. Wenn es einen Standort gebe, der die Kräfte bündeln und damit mehr aus der neuen Technologie machen könne, dann sei das Baden-Württemberg.

„Es gibt keine Menschen, deren Rolle von diesen Veränderungen nicht betroffen sein wird“, lautete das Fazit von Franz Loogen zur 150-minütigen Innovationsveranstaltung.