Zwischen Neckar und Alb

Wendlinger Zeltspektakel fällt aus

Kultur Das für Oktober geplante Event wird aufgrund der Corona-Maßnahmen abgesagt. Der Veranstalter ist aber optimistisch, dass die Veranstaltung mit dem gleichem Programm auf 2021 verschoben werden kann. Von Gaby Weiß

Das Zirkuszelt, das in Wendlingen im Oktober regelmäßig zum Stadtbild gehört, fehlt in diesem Jahr. Foto: Jürgen Holzwarth
Das Zirkuszelt, das in Wendlingen im Oktober regelmäßig zum Stadtbild gehört, fehlt in diesem Jahr. Foto: Jürgen Holzwarth

Lange haben die Festival-Macher hin und her überlegt, bevor sie jetzt endgültig entschieden haben: Das 38. Wendlinger Zeltspektakel, das vom 8. bis 11. Oktober stattfinden sollte, wird wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

Leicht haben es sich die Verantwortlichen des Vereins Zeltspektakel Wendlingen-Köngen nicht gemacht. Dass im Oktober das Zeltspektakel-Banner nicht über dem Zirkuszelt auf dem Festplatz beim Freibad wehen wird, kann Hansjörg Fritz, Vereinsvorsitzender und seit dem ersten Festival mit dabei, noch gar nicht so richtig realisieren: „Vermutlich wird mir das erst im Oktober so richtig bewusst. Ich würde in diesem Jahr zum 38. Mal das Zirkuszelt aufbauen, das Zeltspektakel gehört für mich zum Jahresablauf wie Weihnachten oder Ostern.“ Auch das Ausschussmitglied Michael Pukrop ist von Anfang an mit von der Partie: „Wir alle sind traurig. Dieser Tage müssten wir eigentlich Eintrittskarten und Plakate entwerfen und in den Druck geben, demnächst hätte der Vorverkauf begonnen. Das ist alles ein bisschen unwirklich.“

Schon seit Ende Februar, als sich immer deutlicher abzeichnete, dass das Coronavirus nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, haben die Macher alle möglichen Szenarien für das Zeltspektakel durchgespielt, das zu den größten Kulturveranstaltungen im mittleren Neckarraum zählt. Wie vielen Veranstaltern machte ihnen das Fehlen jeglicher Planungssicherheit zu schaffen: „Man will einerseits nicht zu früh die Flinte ins Korn werfen und absagen. Aber Sicherheit geht vor, man will auch nichts riskieren. Keiner will, dass das Zeltspektakel als Super-Spreading-Event in den Medien auftaucht , bei dem sich jede Menge Menschen infiziert haben“, betont Florian Rapp vom Zeltspektakel-Vorstand, ebenfalls seit über 30 Jahren im Team.

Nach reiflicher Überlegung und schweren Herzens habe man sich für die Absage des Zeltspektakels entschieden: Ins Zirkuszelt passen 650 Gäste. Werden die Abstandsregeln eingehalten, könnte nur ein Drittel der Karten verkauft werden. „Das rechnet sich nicht, das können wir finanziell nicht schultern, außerdem wäre das nicht mehr das Zeltspektakel, das wir für uns und unsere Besucher wollen“, stellt Hansjörg Fritz klar.

Eine Festival-Absage ist für viele Veranstalter ein finanzielles Desaster, für den Zeltspektakel-Verein ist die Lage nicht so bedrohlich: „Wir haben wenig laufende Kosten, wir haben treue Mitglieder und Förderer, wir haben keine Personalkosten, weil wir das ehrenamtlich machen“, betont Florian Rapp. „Wir können auf unsere Ehrenamtlichen bauen, die Herzblut, Zeit und Energie investieren“, ergänzt Hansjörg Fritz. Und Michael Pukrop ist vorsichtig positiv gestimmt, dass bereits unterschriebene Verträge mit den Künstlern aufs Zeltspektakel 2021 übertragen werden können. Weil das Team aber Lust hat, trotzdem Kultur unter die Leute zu bringen, hat es schon Pläne für kleinere Veranstaltungen geschmiedet, berichtet Hansjörg Fritz: „Ein Kampf-Grillen fürs Team, ein Festle für die Helfer, und darüber hinaus haben wir weitere Ideen.“

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