Zwischen Neckar und Alb

Wenn die Seele zu Fuß geht

Leben Pilgern ermöglicht Besinnung – auch bei Pfarrer Enno Knospe wird der sprituelle Ansatz groß geschrieben.

Esslingen. Santiago de Compostela, Vezelay, Lourdes oder Fatima: Es gibt viele berühmte Wallfahrtsorte in Europa. Der Jakobsweg, der seit dem Mittelalter zu den populärsten Pilgerwegen gehört, führt auch durch den Landkreis Esslingen. Wenn der evangelische Pfarrer Enno Knospe sich in oder um die Esslinger St. Bernhardt-Kirche aufhält, trifft er zuweilen auf Pilger, die in der Stille der Kirche Rast machen, Einkehr und Besinnung genießen oder auch einfach nur den Pilgerstempel abholen und ihre Wasserflaschen auffüllen wollen.

„Es ist die erste Kirche, die man sieht, wenn man dem Jakobsweg von Schwäbisch Hall über das Remstal und den Schurwald nach Esslingen folgt“, erklärt Knospe. Die St. Bernhardt-Kirche lag früher außerhalb der Stadt und war eine Wallfahrtskapelle. Manche Pilger stimmen in der Kirche ein Lied an, andere bitten den Pfarrer um einen Pilgersegen, Gruppen wünschen sich gelegentlich eine kurze Andacht. Moderne Pilger treibe weniger der religiöse Aspekt an, als vielmehr die Suche nach Spiritualität oder der Wunsch nach einer Auszeit vom Alltag, sagt Knospe. „Manche machen sich auf den Weg, wenn das gewohnte Leben nicht weitergeht, oder sie eine Krise durchmachen.“ Einige wollten auch den eigenen Körper wieder besser erfahren.

Nur selten erfährt Knospe die Beweggründe der Pilger. Häufig seien es kurze Begegnungen. Nicht so bei Thomas Schuh. Er hatte sich auf den Jakobsweg gemacht und rief im Pfarramt wegen einer Übernachtungsmöglichkeit an. Enno Knospe und seine Frau boten ihm einen Schlafplatz auf ihrer Couch an. In 107 Tagen legte er die 3 000 Kilometer von Schwäbisch Hall nach Santiago de Compostela zurück. Irgendwann bekam Knospe eine Postkarte und lud daraufhin Schuh ein, in der evangelischen Kirchengemeinde St. Bernhardt über die Erlebnisse auf seinem Weg zu berichten.

Pilgern eröffnet die Möglichkeit über Dinge nachzudenken, die einen beschäftigen, und innerlich zur Ruhe zu kommen. Aber auch die Gemeinschaft anderer Pilger zu erleben, sind für Knospe wichtige Aspekte. Anders als das Wandern habe das Pilgern einen spirituellen Ansatz. Die Seele gehe quasi zu Fuß. Ulrike Rapp-Hirrlinger

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