Zwischen Neckar und Alb

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“

„Lasset die Kindlein zu mir kommen . . ., denn ihnen gehört das Himmelreich“, so schreiben die drei Evangelisten Matthäus, Lukas und Markus. Und in Markus 9,42 lesen wir: „Wer eines von diesen Kleinen zum Bösen verführt . ..“ – die Konsequenz ist ziemlich drastisch!

Schon Jesus hat sich dafür eingesetzt, dass Kinder geschützt, geachtet und respektiert werden. Ja, er gibt ihnen sogar den Vorrang, wenn es darum geht, wer ins Reich Gottes, ins Himmelreich gelangen wird. Lassen wir denn die Kinder zu uns kommen? Heißen wir sie willkommen in unsrer immer älter werdenden Gesellschaft? Dürfen sie auch mal lärmen und toben und ausgelassen sein? Bekommen Familien mit Kindern alle notwendige Unterstützung und Förderung?

„Lasset die Kindlein zu mir kommen . . .“ egal welcher Hautfarbe und welcher Nationalität. Egal welche Sprache sie sprechen und welcher Religion sie angehören. Heißen wir sie willkommen in unserer Welt! Auch die unbegleiteten Flüchtlingskinder und Jugendlichen, die darauf hoffen, bei uns Schutz und Geborgenheit zu finden. Unserer Gesellschaft, unsrer Welt tut es gut, die Kinder zu sich zu rufen. Die Kinder zu achten und zu beachten. Und – von den Kindern zu lernen!

„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen“, schreibt der Evangelist Matthäus im 18. Kapitel. Ja, wenn wir nicht werden wie die Kinder . . . – neugierig, fantasievoll, unvoreingenommen. Lachend und lächelnd, ausgelassen, an Wunder glaubend und träumend . . . Die Welt wieder mit Kinderaugen sehen und mit Kinderherzen begreifen . . .

Dazu eine kleine Geschichte:

Die kleine Mia fragt ihre Mutter: „Mama, warum leuchtet die Sonne?“

„Das ist schwer zu erklären. Da oben ist es sehr heiß, es glüht alles, und dann ist es halt hell.“

Am andern Tag fragt Mia ihren Lehrer, der ein großer Wissenschaftler ist: „Warum leuchtet die Sonne?“ Da nimmt der Lehrer ein dickes Buch und liest ihr daraus vor. Aber Mia hört gar nicht zu, sondern wundert sich, warum denn keiner ihr richtig erklären kann, warum die Sonne leuchtet. Schließlich geht sie zu ihrer Urgroßmutter Käthe, die mit ihren 85 Jahren eine weise, alte Dame ist. „Warum leuchtet die Sonne?“

„Ja, mein Kleines, das ist ganz einfach: Weil sie lächelt. Ganz einfach: Weil sie lächelt.“

Am Abend legt sich Mia glücklich ins Bett. „Du mein kleiner Sonnenschein“, sagt die Mutter, denn Mia hat gelächelt.

Der 1. Juni und damit der beginnende Sommer (aber nicht nur der) lädt uns ein, an die Kinder dieser Welt zu denken und ein bisschen zu werden wie sie. Zu glauben, dass die Sonne leuchtet, weil sie lächelt und es einfach gut mit uns meint. Barfuß zu laufen, mit Wasser zu spritzen, Fünfe grad sein lassen, das Fahrrad rausholen oder die Inliner. Kleine Draußen-Feste feiern, die Sternschnuppen betrachten, fröhlicher und lustiger sein, Zeit haben und viel lächeln.

„Lasset uns werden wie die Kinder  . . .“!

Übrigens: Bei uns in Deutschland wird auch noch mal am 20. September der Weltkindertag gefeiert!

Sabina Brandenstein

Pastoralreferentin/Klinikseelsorgerin, Katholische Seelsorgeeinheit Kirchheim

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