Zwischen Neckar und Alb

Wenn Männer dem Dampf verfallen

Beim Internationalen Dampfspektakel sind Dampffreaks aus vielen Ländern dabei

Foto Zimmermann 050915 Dampfbahner 35 Jahre 16. Internationales Dampfspektakel Dampfbahnfans drehen ihre Runden
Foto Zimmermann 050915 Dampfbahner 35 Jahre 16. Internationales Dampfspektakel Dampfbahnfans drehen ihre Runden

Plochingen. Hochbetrieb im „Bahnbetriebswerk“ Bruckenbach: Drei Dampfloks werden gerade für die Fahrt vorbereitet. Der Geruch von Schmieröl mischt sich hier mit Dampf aus den maßstabsgerechten

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Nachbauten der Loks. Matthias Schock feuert seine „U 25“, einen Nachbau der Zillertalbahn, an und freut sich schon darauf, bald über die Drehscheibe auf die gut 1,2 Kilometer lange Fahrt durch den Landschaftspark Bruckenwasen gehen zu können. Der Karlsruher ist seit 1998 Stammgast bei den Plochinger Dampfbahnern und schätzt „die tolle, abwechslungsreiche Strecke“, die ihm dort geboten wird.

„Wie lange baut man an einer maßstabsgetreuen „Echtdampf-Minilokomotive?“ Schock muss nachdenken. „Fünf Jahre hat es gedauert – aber jeder Tag in der Werkstatt ist immer eine neue Herausforderung“, sagt er. „Das Faszinierende an dem Hobby ist, dass man viele kleine Teile produziert und sie zu einer funktionsfähigen Lok zusammenbaut – da darf man die Gesetze der Physik nicht vergessen, sonst funktioniert das nicht.“ Während beim großen Vorbild einfach angeheizt wird, und der Schornstein der Lokomotive dabei für den nötigen Zug sorgt, müsse man beim Modell nachhelfen, erklärt er. „Der Schornstein ist zu niedrig. Das heißt, wir haben zu wenig Zug, deshalb brauchen wir beim Anheizen ein Gebläse.“

Für Feuer im Kessel sorgt aber beim Original wie beim Modell Steinkohle. Steht der Kessel unter Druck, kann es losgehen. Dann schlagen nicht nur Kinderherzen höher – da wird mitunter auch das Kind im Manne munter. Und zwar bei Besuchern wie bei den Besitzern der Lokomotiven, die begeistert miteinander fachsimpeln. Technikbegeisterung und der Reiz, selbst Lokomotive zu fahren, das ist es, was wieder 40 Gastfahrer zum „Internationalen Dampfspektakel“ nach Plochingen gezogen hat. Zum 16. Mal, erzählt Kai Schmitt, Vorsitzender der Plochinger Dampfbahner und ein „Eigengewächs“ aus der Jugendarbeit des Vereins, der vor 35 Jahren gegründet wurde.

Als Plochinger Echtdampffans ihre erste Anlage, einen einfachen Rundkurs im Carl-Orff-Weg, in Betrieb nahmen, dachte wohl keiner daran, dass sich Plochingen mal zu einem Treffpunkt der internationalen Dampfszene entwickeln würde. Möglich gemacht hat es die Landesgartenschau 1998. Damals ergriffen die Dampfbahner die Gelegenheit am Schopf und bauten den 1,2 Kilometer langen Rundkurs mit Tunnel, der sich quer durch das Gelände schlängelt. Ein Vereinsheim, eine Werkstatt und ein Fahrkartenhäuschen entstanden. Fertig war der Bahnhof Bruckenbach, fertig eine Strecke, die von allen Gastfahrern bei Dampfbahnertreffen immer hoch gelobt wird.

Beim Dampfspektakel hat Schaffner Joachim Voll dann auch alle Hände voll zu tun. „In Stoßzeiten fährt alle drei Minuten ein Zug“, sagt der Mann, der mit Kelle, Pfeife und der echten Fahrkarten-Knipszange am Bahnhof für Ordnung und reibungslosen Ablauf sorgt. Denn auch in diesem Jahr sind wieder zahlreiche Besucher gekommen und wollen eine

Als Achtjähriger zum ersten Mal „Dampf gerochen“

Rundfahrt genießen. Ein Pfiff und er schickt Roland Smits aus Leek bei Groningen in den Niederlanden auf die Strecke. Der 50-Jährige hat als Achtjähriger zum ersten Mal „Dampf gerochen“ und ist seither seinem Hobby treu geblieben. In Plochingen ist er zum dritten Mal dabei: „Das sind nette Leute hier, eine schöne Stadt und eine tolle Bahn“, sagt er, und tuckert los. Zum Reden ist nicht viel Zeit, sonst kommt der Fahrplan durcheinander. Denn hinter ihm ist schon Rudolf Erteld mit seiner SHAY Lokomotive aus Günzburg startklar. Auf der Lokomotive sitzt ganz vorne eine Puppe, schon leicht verrußt. Ein kleiner Junge schaut sich das ganz kritisch an und fragt: „Darf man da vorne sitzen?“ Erteld schmunzelt und sagt: „Der darf das, das ist der Rangierer.“ Die Glocke schellt, Erteld lässt Dampf ab und auch sein „Zug“ fährt aus dem Bahnhof, voll besetzt mit Passagieren. Ihren zahlreichen Gästen boten die Plochinger Dampfbahner am Samstagabend dann auch noch ein ganz besonderes Erlebnis: Eine Nachtfahrt und anlässlich des 35. Geburtstags wurde sogar ein Feuerwerk gezündet.

Weitere Highlights der Plochinger Dampfbahner in dieser Saison: Am Samstag, 3. Oktober, findet eine Nachtfahrt statt und am Samstag, 31. Oktober, erstmals eine Halloweenfahrt. Mehr Infos finden Interessierte unter www.dampfbahner.de im Internet.

Matthias Schock heizt seine U¿25, einen Nachbau der Zillertalbahn, an. Dampfbahnfans drehen auf dem ehemaligen Landesgartenschau
Matthias Schock heizt seine U¿25, einen Nachbau der Zillertalbahn, an. Dampfbahnfans drehen auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände in Plochingen ihre Runden (kleines Foto). Fotos: Martin Zimmermann