Zwischen Neckar und Alb

Wertschätzung tut gut

Soziales Das Café Regenbogen als Anlaufstelle für Alleinerziehende besteht seit zehn Jahren. Diakonin Sabine Speidel leistet dort Alltagshilfe und Seelsorge. Von Ulrike Rapp-Hirrlinger

Sabine Speidel bietet Alleinerziehenden Hilfe am Alltag, aber auch seelsorgerliche Gespräche an.Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger
Sabine Speidel bietet Alleinerziehenden Hilfe am Alltag, aber auch seelsorgerliche Gespräche an.Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Sabine Speidel weiß, welche Sorgen alleinerziehende Mütter und Väter haben. Seit 2006 ist die evangelische Diakonin für die Arbeit mit Alleinerziehenden im Kirchenbezirk Esslingen zuständig. Die 50-Jährige hat in dieser Zeit vielfältige Angebote auf die Beine gestellt und Netzwerke geknüpft. Eines ihrer „Kinder“ feiert jetzt Geburtstag. Das Café Regenbogen besteht seit zehn Jahren. Alleinerziehende können sich in diesem offenen und niederschwelligen Treff im Esslinger Mütterzentrum in lockerer Atmosphäre begegnen und austauschen.

Das Café ist ein gutes Beispiel dafür, wie Speidel ihre Aufgabe versteht: „Ich halte nichts von Doppelstrukturen, deshalb habe ich von Anfang an versucht, mich mit Partnern zusammenzutun.“ Beim Café Regenbogen sind dies das Referat für Chancengleichheit der Stadt Esslingen, das Mütterzentrum und der Landkreis. Auch über den Arbeitskreis für Alleinerziehende in Esslingen haben sich viele Türen geöffnet und es wurden gemeinsame Projekte möglich.

Im Café gibt es auch Seelsorge

„Alleinerziehende wünschen sich Räume, wo sie sich treffen können und wo sie so angenommen werden, wie sie sind“, hat Speidel erfahren. Manche hätten zum Beispiel ein schlechtes Gewissen gegenüber ihren Kindern oder fühlten sich als Gescheiterte. Wenn ihnen dann Wertschätzung entgegengebracht werde, tue das gut.

Oft bahnen sich bei den verschiedenen Angeboten auch seelsorgerliche Gespräche an. Diese sind ihr wichtig. Denn Speidel weiß: „Wer alleinerziehend wird, der kann in eine tiefe Krise geraten, denn ein Lebenstraum ist zerbrochen.“ Und genau in Krisensituationen sei die Kirche besonders gefordert. Oft kommen in diesen Gesprächen nicht nur Ängste und Schuldgefühle, sondern auch das Thema Vergebung - sich selbst und dem Partner gegenüber - zur Sprache. Und die Frage, wie das Leben weitergehen soll. Solche seelsorgerlichen Gespräche seien im Lauf der Zeit mehr geworden, erzählt die Diakonin. Aber auch alltagspraktische Unterstützung und Rat gibt Speidel, die als Mutter von zwei Kindern weiß, wo sich Probleme auftun können. Sie vermittelt zudem an andere Beratungs- und Unterstützungsangebote, wie sie etwa die Diakonie bietet.

Darüber hinaus organisiert Speidel Ausflüge oder Informationsveranstaltungen zu Erziehungsthemen, aber auch zu ganz praktischen Fragen, etwa wie man nach Trennung oder Scheidung Familienfeste feiern kann.

Doch der Fokus soll zudem auf den Müttern und Vätern selbst liegen. Einen Kfz-Kurs für Frauen hat sie ebenso angeboten wie einen Koch- und Schminkkurs. Einige dieser Veranstaltungen finden inzwischen in Kooperation mit der Ökumenischen Familienbildungsstätte Esslingen statt. Auch mit der Diakonischen Bezirksstelle Esslingen des Kreisdiakonieverbands arbeitet Speidel eng zusammen. Mit der Familienbildungsarbeit Köngen hat die Diakonin im vergangenen Jahr zum ersten Mal alleinerziehende Familien zu einem Wochenende „Urlaub ohne Koffer“ eingeladen, das auch in diesem Jahr wieder stattfindet. Der Esslinger Verein „Bürger für Berber“ gibt Zuschüsse für Ausflüge oder ermöglicht alleinerziehenden Familien, die von Hartz IV leben, einen Urlaub auf dem Bauernhof.

Wenn sich die Seele meldet

Nach der Trennung stehen häufig Themen wie Kinderbetreuung, Finanzen und die Organisation des Alltags im Vordergrund. „Wenn das alles geregelt ist, meldet sich die Seele“, weiß Sabine Speidel. Sie bietet deshalb auch Veranstaltungen an, in denen es um die persönliche Weiterentwicklung geht. Dort kann man sich dann die Frage stellen: „Wo will ich hin?“ 2016 lud sie zu einem Theaterprojekt und in diesem Jahr hat sie mit einer Gruppe die Ausstellung „Mein Stück Alltag“ im Museum der Alltagskultur in Waldenbuch gestaltet, die dort noch bis September zu sehen ist.

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