Zwischen Neckar und Alb

Wie funktioniert Jugendbeteiligung?

Forum Bürgermeister informierten sich, wie Jugendliche Lokalpolitik gestalten können.

Symbolbild

Köngen. „Kinder an die Macht“, sang Herbert Grönemeyer 1986. Doch die Beteiligung Jugendlicher an Entscheidungen, die ihre Lebenswelt betreffen, ist heute nur unwesentlich größer als 1986. Im Köngener Jugendhaus Trafo kamen deswegen viele Bürgermeister aus dem Wahlkreis Kirchheim und viele Vertreter aus der Jugendarbeit zusammen, um sich darüber auszutauschen, wie eine institutionalisierte Jugendbeteiligung gelingen kann. Eingeladen hatte der Kirchheimer Landtagsabgeordnete Andreas Kenner (SPD).

Kenner strich vor allem heraus, dass die Novellierung des Paragraphen 41a der Gemeindeordnung, in dem die Beteiligung von Jugendlichen und Kindern festgelegt ist, ein positives Signal seitens des Gesetzgebers bedeute. Er verpflichtet nämlich die Kommunen nun, Kinder und Jugendliche an Vorhaben zu beteiligen, die deren Interessen berühren. Und dafür muss die Kommune geeignete Beteiligungsverfahren entwickeln.

Hannes König, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbeteiligung, stellte solche Formen vor. So könnten Jugendliche sich in einen Jugendgemeinderat wählen lassen. Damit stünde ihnen ein Rede- und Antragsrecht im Gemeinderat zu. Ein Jugendbeirat wäre eine mögliche Beteiligungsform mit ähnlichen Rechten, aber kein gewähltes Gremium, eher eine Interessenvertretung der Jugendlichen. Jugendforum, Jugendhearing und Projektbeteiligung seien weitere Formen, die Jugendliche zeitlich begrenzt und unterschiedlich intensiv einbeziehen.

Warum sollen Kinder und Jugendliche überhaupt an Entscheidungen beteiligt werden? „Zum einen erwerben junge Menschen soziale und gesellschaftliche Kompetenzen. Sie lernen, den Umgang mit den Prinzipien der Demokratie zu verstehen. Sie lernen, Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen“, sagte König. Gleichzeitig sichere und stärke die Beteiligung Jugendlicher auch die demokratischen Strukturen. Und Jugendliche, die ihre Kommune mitgestalten können, identifizierten sich auch stärker mit ihr.

Dennoch kann Jugendbeteiligung scheitern. Weil sich die Lebenswelt junger Menschen schneller ändere, als dies bei Erwachsenen der Fall ist. Sich also für fünf Jahre in einen Jugendgemeinderat wählen zu lassen und engagiert mitzuarbeiten, sei ein Zeithorizont, den viele nur schwer überblicken können. Vielfältige andere schulische und außerschulische Aufgaben stünden einem Engagement ebenfalls oft entgegen.

Doch Hannes König gab auch Tipps an die Hand. So sollten sich Verwaltung und Gemeinderat ernsthaft auf die Themen der Jugendlichen einlassen. „Wenn es gelingt, den Funken des Interesses zu entzünden, dann muss man auch darauf gefasst sein, dass Jugendliche ihr Projekt umsetzen wollen“, sagte König. Ein weiterer entscheidender Punkt: Es sei wichtig, herauszufinden, ob Kinder und Jugendliche sich beteiligt fühlen, wie viele Einflussmöglichkeiten sie wahrnehmen.

Bei welchen Projekten können Jugendliche beteiligt werden? Matthias Dold, Leiter des Trafo, hält das Gemeinwesenhaus, das auf dem Areal der Burgschule entstehen soll, für ein absolut geeignetes Projekt, denn neben der Schulmensa soll dort auch das Jugendhaus untergebracht werden. Und warum sollten nicht auch Kinder bei der Gestaltung von Spielplätzen mitreden dürfen, statt lediglich einen Landschaftsarchitekten zu beauftragen? Das Ergebnis sei möglicherweise dasselbe, die Akzeptanz bei den Kindern aber vielleicht viel größer.

Fazit aller Redner: Jugendbeteiligung ist möglich. Wenn sie ernst gemeint und nicht nur gut gemeint ist.Sylvia Gierlichs

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