Zwischen Neckar und Alb

Wie gefährlich sind Solaranlagen?

Experten warnen: In bestimmten Fällen können auch Solarthermie-Anlagen einen Brand verursachen

Bei hohen Temperaturen können Sonnenkollektoren über 200 Grad heiß werden.Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques
Bei hohen Temperaturen können Sonnenkollektoren über 200 Grad heiß werden.Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Wie kann eine Solarthermie-Anlage einen Dachstuhl in Brand setzen? Diese Frage dürfte derzeit auch Landrat Eininger und seine Familie beschäftigen.

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Matthäus Klemke

Kreis Esslingen. In der vergangenen Woche hatte ein Brand große Teile des Hauses der Familie Eininger in Kirchheim zerstört. Nach ersten Ermittlungen hat die Solaranlage das Feuer verursacht. Experten sind überrascht über die Ergebnisse. Doch es ist nicht der erste Fall dieser Art.

Es ist ein Szenario, das man nicht erleben möchte: Nichts ahnend kommt man von der Arbeit nach Hause und muss mit anschauen, wie die Feuerwehr versucht, das Eigenheim vor lodernden Flammen zu retten. Ein Albtraum, der für Landrat Heinz Eininger und seine Familie Anfang dieser Woche Realität wurde. Der Dachstuhl des Hauses in Kirchheim hatte Feuer gefangen. Von dort breiteten sich die Flammen auf die unteren Stockwerke aus. Am Haus entstand ein Schaden von 300 000 Euro. Das Feuer machte das Heim unbewohnbar.

Erste Ermittlungen haben ergeben, dass der Brand durch die Solarthermie-Anlage verursacht wurde, so ein Polizeisprecher. Doch wie kann das passieren? Anders als bei einer Photovoltaikanlage produziert eine Solarthermie-Anlage keinen Strom, sondern erwärmt lediglich Wasser. Ein Defekt in der Elektronik kann also ausgeschlossen werden. Die Polizei vermutet, dass die Anlage zu lange Zeit ihre Wärmeenergie nicht abgeben konnte, so überhitzte und das Dach schließlich in Brand steckte.

„Das kann ich mir wirklich nicht vorstellen“, sagt Christian Schäfer, Geschäftsführer von Schäfer Solartechnik in Nürtingen: „Die Solarkollektoren können bis zu 250 Grad heiß werden, und selbst dann besteht für das Haus keine Gefahr, weil die Solarfühler nicht direkt mit dem Dach in Berührung kommen. Sie werden auf Dachhaken montiert.“ Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Kollektor Feuer fängt, sei dieser durch die Solarflüssigkeit selbstlöschend. Ähnlich verwundert über die Ergebnisse der Brandermittler zeigte man sich beim Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) in Berlin: „Dass eine mit Wasser gefüllte Solarthermie-Anlage brennt, ist sehr unwahrscheinlich. Bei fachmännischer Planung und Installation und der Verwendung von modernen Komponenten, wie sie heutzutage üblich sind, ist es nahezu ausgeschlossen, dass eine solche Anlage einen Brand auslöst.“

Allerdings gäbe es Ausnahmen: „Es gibt wenige ältere Kollektor-Typen, die zum Teil aus Holz bestehen. Wenn bei solchen Anlagen ein Defekt auftritt, ist ein Brandrisiko immer noch sehr gering, aber nicht mehr vollständig ausgeschlossen.“

Beim Institut für Schadenverhütung (IfS) und Schadenforschung, dessen Aufgaben es unter anderem ist, Schadenfälle zu untersuchen, sieht man das etwas anders: „Eine Solarthermie-Anlage kann sehr wohl einen Brand auslösen“, lautet die Antwort auf Anfrage unserer Zeitung. Der Fall in Kirchheim sei nicht der erste dieser Art. Doch wann genau wird eine solche Solaranlage zur Gefahr?

Laut IfS ist bei anderen untersuchten Fällen eine Stagnation der Solarthermie-Anlage aufgetreten. Das bedeutet, dass die Kollektoren die gesammelte Wärme nicht mehr an den Pufferspeicher abgeben konnten. Das kann passieren, wenn die Maximaltemperatur des Pufferspeichers erreicht ist. Dazu kann es kommen, wenn es draußen sehr heiß ist und wenig Wärme im Haus abgenommen wird, weil die Bewohner zum Beispiel nicht da sind – ähnlich wie es bei Familie Eininger der Fall war. Hat solch ein Kollektor einen Holzrahmen, kann es zu einem Brand kommen.

Ob es sich bei der Solaranlage auf dem Dach der Familie Einiger um eine Anlage dieser Art gehandelt hat, konnte die Polizei nicht mitteilen.