Zwischen Neckar und Alb

Wieder Theater im alten Bahnhof

Mit „Flucht“ kehrt die Theaterspinnerei in Frickenhausen an ihre angestammte Spielstätte zurück

Der Kuppelbewohner ist nicht alleine in der dunklen Höhle.Foto: Jürgen Holzwarth
Der Kuppelbewohner ist nicht alleine in der dunklen Höhle.Foto: Jürgen Holzwarth

Frickenhausen. Nach gut drei Jahren Spielpause bringt die Theaterspinnerei nun wieder eine neue Produktion auf die Bühne ihres Theatersaals im alten Frickenhäuser Bahnhof. „Flucht . . . ein neues Höhlengleichnis“ heißt das Stück, mit der die dreiköpfige Truppe die Tradition

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der kleinen, aber feinen Inszenierungen an angestammter Spielstätte wieder aufnimmt. Premiere ist am Freitag, 29. Januar.

Die Theaterspinner waren in den vergangenen drei Jahren freilich keineswegs inaktiv. 2013 feierte die Truppe mit dem spektakulären Theaterspaziergang „Der arme Poet“ in Nürtingen Erfolge, 2014 folgte das nicht minder erfolgreiche Gastspiel mit „Delirium furiosum“ in der Alten Güterhalle in Kirchheim. Geplant war ursprünglich, schon im letzten Jahr die hauseigene Bühne wieder mit einer neuen Inszenierung zu bespielen. Dann aber kam eine schwere Erkrankung von Theaterautor und Bühnentechniker Stephan Hänlein dazwischen. Nach seiner Genesung arbeitete Hänlein mit Hochdruck am neuen Stück.

„Flucht“ handelt laut Infoflyer von zwei Menschen, die beide flüchten, jeder auf seine Art. Beide sind beherrscht von Ängsten, die einer Annäherung im Wege stehen. Der eine fürchtet sich von den Bildern aus der Welt, die ihn verwirren, ebenso fürchtet er Eindringlinge, die seine Sicherheit bedrohen könnten. Er baut sich in einer dunklen Höhle eine Kuppel, die ihn vor all dem schützen soll. Plötzlich stellt sich aber heraus, dass sich in jener Schutzkuppel noch jemand anderes befindet . . .

Wieder einmal haben sich die Theaterspinner einer aktuellen Thematik angenommen. Allerdings nähern sie sich dem vielschichtigen Thema nicht frontal, sondern auf zurückhaltende Weise an. Der Untertitel „ein neues Höhlengleichnis“, so Hänlein, nimmt den Faden einer Theaterproduktion der Truppe aus dem Jahr 1997 wieder auf. Allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Geht es in Platons Höhlengleichnis um Erkenntnisgewinn, der an den Ausbruch aus der Höhle geknüpft ist, ist die Grundidee von „Flucht“ das Zurückziehen in eine Höhle – der Grund dafür ist die Informationsflut, die über die Menschen hinwegschwappt und sie ängstigt. Allerlei Ängste, nicht zuletzt die Angst vor dem Unbekannten, treiben denn auch die Protagonisten um.

Das Stück besteht aus zwei Akten, die in ihrer Grundstimmung völlig verschieden sind. Der erste Akt dunkel, farblos, diffus, der Gemütslage der beiden handelnden Personen (Jens Nüßle als Kuppelbewohner und Marilena Pinetti als Eindringling) entsprechend. Für den zweiten Akt kündigt Nüßle einen Überraschungseffekt an. Unterlegt wird das Geschehen auf der Bühne wieder von einem von Nüßle und Hänlein selbst eingespielten Soundtrack. Auch bei diesem Stück setzen die Theaterspinner wieder fortschrittlichste Bühnentechnik ein. In diesem Fall ist es ein rechnergesteuertes Lichtsystem, das es ermöglicht, die Darsteller, unabhängig von ihrem Standort stets punktgenau ins rechte Licht zu rücken. Ausgeklügelte Filmprojektionen – ein weiteres Markenzeichen der Truppe – fehlen auch diesmal nicht.

„Wir sind nicht angetreten, um Antworten zu geben“, macht Nüßle, der auch die Regie führte, deutlich. Die Idee zum Stück sei vor einem halben Jahr entstanden und mittlerweile teilweise von der Wirklichkeit eingeholt worden. Die Handlung sei in einer Irgendwann-Welt angesiedelt, das Ganze eine „Mutmaßung, wie es sein könnte“.

Nun hoffen die Theaterspinner, dass ihr Mut, das brandaktuelle Thema aufzugreifen, auch ein Publikum findet. Die Sorge dürfte unbegründet sein. Marilena Pinetti hat bereits zahlreiche positive Rückmeldungen bekommen. Die Leute, sagt sie, freuten sich, dass nun wieder in Frickenhausen gespielt werde. Und der Kartenvorverkauf lässt sich auch schon ganz gut an.

Achtzehn Mal steht „Flucht“ auf dem Spielplan im alten Bahnhof in Frickenhausen. Danach geht’s, im Sommer, wieder in die Alte Güterhalle in Kirchheim. Dort führt die Theaterspinnerei ihr nächstes Stück „Die Weltmaschine“ auf.

Die Premiere von „Flucht“ ist am Freitag, 29. Januar, letzter Spieltermin ist der 19. März. Alle Spieltermine und ausführliche Infos unter www.theaterspinnerei.de. Kartenbestellung unter Telefon 0 70 22/2 43 56 00 oder per E-Mail: kartenbestellung@theaterspinnerei.de.