Zwischen Neckar und Alb

„Wir investieren in die Menschen“

Flüchtlinge Der Syrer Gevara Abdallah macht in Nürtingen bei Albrecht Bühler eine Ausbildung im Bereich Gartenbau. Seine Deutschkenntnisse sind hierzu der Schlüssel. Von Katja Eisenhardt

Albrecht Bühler (links) und sein Azubi Gevara Abdallah.Foto: Katja Eisenhardt
Albrecht Bühler (links) und sein Azubi Gevara Abdallah.Foto: Katja Eisenhardt

Gevara Abdallah ist 29 Jahre alt und stammt aus Syrien. Im April 2015 kam er als Flüchtling nach Deutschland. In seiner Heimat hatte er studiert und bereits zwei Jahre Berufspraxis im Bereich Gartenbau. „Mit dem Wunsch, auch hier weiter in seinem erlernten Beruf tätig sein zu können, kam er schließlich zum Erstgespräch zu mir“, erzählt Anita Knesevic von der Integrationsstelle für Arbeit und Ausbildung in Esslingen – einer Kooperation der Agentur für Arbeit Göppingen und des Jobcenters im Landkreis Esslingen. „Beeindruckt haben mich bei unserem ersten Gespräch die bereits vorhandenen Deutschkenntnisse, die Gevara Abdallah sich noch vor dem ersten offiziellen Sprachkurs selbst angeeignet hat“, so Knesevic. „Ich bin im April 2015 zunächst nach Meßstetten gekommen. Dort habe ich dann am Computer mit verschiedenen Sprachprogrammen die ersten Wörter gelernt und deutsche Grammatik geübt“, berichtet der 29-Jährige. Zudem habe er schnell Kontakt zu vielen Deutschen gehabt und so täglich „so viel wie möglich Deutsch gesprochen“. Nach einem halben Jahr besuchte Gevara Abdallah schließlich noch zwei Kurse bei der vhs. Seine Motivation, schnell Deutsch zu lernen, sei sehr groß gewesen, sagt er heute: „Man muss selbst aktiv werden. Du kannst nicht einfach nur sechs Monate herumsitzen und nichts tun.“

Sein Engagement wurde belohnt: Am 1. März 2016, nach erfolgter Zustimmung der Ausländerbehörde, startete der 29-Jährige seine sechsmonatige Einstiegsqualifizierung (EQ) bei der Baum und Garten GmbH von Albrecht Bühler in Nürtingen. Ziel dieses sechs- bis maximal zwölfmonatigen betrieblichen Praktikums ist die Übernahme in Ausbildung, was in diesem Fall reibungslos geklappt hat. Seit 1. September ist Gevara einer von derzeit zwölf Auszubildenden im Betrieb von Albrecht Bühler und lebt mittlerweile in Wendlingen. „Man muss als Unternehmen Verantwortung übernehmen und Integration durch Ausbildung ermöglichen“, findet Bühler, der mit der Leistung seines neuen Azubis sehr zufrieden ist: „Mir ist die kulturelle und sprachliche Vielfalt im Betrieb wichtig“, sagt der Landschaftsgärtner und Diplom-Sozialpädagoge. „Der Knackpunkt für eine EQ sind die Sprachkenntnisse. Im Fall von Gevara Abdallah waren diese ausreichend vorhanden. Ansonsten ist es auch schwierig, dem Unterricht in der Berufsschule zu folgen“, erläutert Katja Herlyn, Teamleiterin des Arbeitgeberservice Kirchheim/Nürtingen. Die EQ sei auch für den Arbeitgeber praktisch, um den potenziellen künftigen Azubi kennenzulernen und ihm Arbeitsinhalte und Abläufe im Betrieb nahezubringen, bestätigt Albrecht Bühler. „Gevara ist sehr talentiert und motiviert und lernt dadurch schnell. Sicher hatte er durch seine Ausbildung in Syrien bereits Vorkenntnisse, dennoch hatte er keine konkrete Vorstellung zu den Arbeitsabläufen und Inhalten bei uns.“ „Das ist hier wirklich komplett anders, in Syrien waren es eher kleine Tätigkeiten im Bereich Obst und Gemüse, hier geht es jetzt beispielsweise auch um die Züchtung von neuen Pflanzen. Außerdem lernen wir hier auch die Arbeit mit den Maschinen, zu Hause habe ich nur von Hand gearbeitet“, erzählt Gevara.

Ein Punkt, der Albrecht Bühler sehr wichtig ist, damit seine Azubis nach der Ausbildung bestmöglich für den Arbeitsmarkt vorbereitet sind: „Alle machen bei uns zusätzlich zu dem ohnehin breiten dreijährigen Ausbildungsspektrum der Gartenpflege/-gestaltung und Baumpflege unter anderem den Lkw-Führerschein oder auch einen einwöchigen Kletterkurs für den Bereich der Baumpflege.“ Ganz wichtig seien zudem Teamarbeit und ein gutes Arbeitsklima: „Wir investieren in die Menschen und das bekommt man auch zurück.“ Immer wieder nimmt der Chef seine Azubis mit auf Fachmessen oder schickt sie zu speziellen Fortbildungen. „Es macht großen Spaß, hier zu arbeiten, das Team ist wirklich toll“, bestätigt Gevara Abdallah.

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