Zwischen Neckar und Alb

„Wir schauen alle auf die gleiche Frage“

Politik Die Sozialexperten der Parteien vor Ort sind sich einig: Die Rente darf nicht unter 48 Prozent sinken. Das ist eines der Ergebnisse einer Podiumsdiskussion der IG Metall Esslingen.

Bei der Podiumsdiskussion in Esslingen bezogen die Sozialexperten der Parteien klare Stellung zum Thema Rente: Pascal Kober, Oli
Bei der Podiumsdiskussion in Esslingen bezogen die Sozialexperten der Parteien klare Stellung zum Thema Rente: Pascal Kober, Oliver Hildenbrand, Jessica Tatti, Andreas Kenner und Dr. Christian Bäumler (von links nach rechts). Foto: IG Metall

Rund 100 Gäste waren der Einladung der IG Metall Esslingen in die Festhalle Denkendorf gefolgt, um eine Podiumsdiskussion mitzuerleben. Im Mittelpunkt standen soziale Themen, weshalb nicht die hiesigen Bundestagskandidaten, sondern Sozialexperten der Parteien eingeladen wurden.

Die Journalistin Gesa von Leesen moderierte die Runde und stellte nicht immer ganz bequeme Fragen. So musste der CDA-Landesvorsitzende Dr. Christian Bäumler gleich zu Beginn bei einer Frage zum Wahlprogramm passen, da das der Union zum diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorlag. Dennoch konnte er schon berichten, dass auf jeden Fall eine Rentenkommission unter Einbeziehung der Tarifpartner eingerichtet werden soll, die sich mit dem Thema Altersarmut befassen werde. Er persönlich plädiere dafür, dass die Rente nicht unter ein gesetzliches Niveau von 48 Prozent sinken darf, sondern eher wieder erhöht werden soll.

Der Landtagsabgeordnete Andreas Kenner berichtete, dass die SPD sich für eine doppelte Haltelinie ausspreche: Einerseits soll das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent sinken, andererseits dürfen die Beiträge aber auch nicht über 22 Prozent steigen. Für eine bessere Finanzierung der Rente möchte die SPD eine Bürgerversicherung einführen, in die alle Bürger einzahlen sollen.

Im Alter keine Sicherheit

Ebenfalls für eine Bürgerversicherung sprach sich Oliver Hildenbrand aus, Landesvorsitzender des Bündnisses 90/Die Grünen. Wenn es gelänge, das derzeitige Rentenniveau von 48 Prozent zu halten, bedeute das eine enorme Kraftanstrengung. Dennoch sei es wichtig, diese Grenze nicht zu unterschreiten. Er betonte außerdem, die gesetzliche Rente als wichtigste der drei Säulen zu stärken, auch wenn die anderen beiden Säulen Betriebs- und private Rente auch wichtig seien.

Jessica Tatti, Bundestagskandidatin für den Wahlkreis Reutlingen, forderte im Namen der Linken eine Erhöhung des gesetzlichen Rentenniveaus auf 53 Prozent und eine Mindestrente von 1 050 Euro. Die Hartz-Reformen und die Einführung der Riester-Rente seien Betrug an den Arbeitnehmern und hätten dazu geführt, dass es im Alter keinen sicheren Lebensstandard mehr gäbe. Selbst unter Helmut Kohl habe das gesetzliche Rentenniveau noch bei 53 Prozent gelegen. Die Betriebsrenten und private Altersvorsorgemodelle würden nicht ausreichen, um bestehende Rentenlücken zu schließen.

Die FDP möchte das gesetzliche Renteneintrittsalter abschaffen und mehr private Altersvorsorge ermöglichen. „Wir schauen alle auf die gleiche Frage aus verschiedenen Richtungen“, merkte Pascal Kober an, als seine Aussagen negative Reaktionen aus dem Publikum hervorriefen. Das Rentenniveau sage nichts über die tatsächliche Höhe der Rente aus, die er im Durchschnitt für gut hält. pm

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