Zwischen Neckar und Alb

„Wir sind Kelten“

Geschichte Das Land Baden-Württemberg sagt seine Unterstützung für den Erlebnispfad und das Besucherzentrum am Heidengraben zu. Damit soll das Erbe der Kelten erlebbar gemacht werden. Von Andreas Warausch

Da standen all die hochrangigen politischen Vertreter und strahlten am Gräberfeld beim Burrenhof um die Wette. Der Tübinger Archäologe Dr. Gerd Stegmaier konnte sein Glück gar nicht so richtig fassen. Denn für den wissenschaftlichen Referenten der Region am Heidengraben ist das betreffende Feld eine keltische Fundstätte von europäischem Rang.

Das haben auch die Gemeinden Erkenbrechtsweiler, Hülben und Grabenstetten erkannt. Jahrelang planten sie den keltischen Erlebnispfad und ein Besucherinformationszentrum. Allein die Finanzierung erwies sich für die drei kleinen Albkommunen als zu große Nummer.

Einen keltischen Kessel voll klingender Münzen, der alle pekuniären Vorbehalte hinwegzaubern könne wie der Zauberspruch eines weisen Druiden, hat man jetzt zwar nicht gefunden. Das Bekenntnis des Landes zur Hilfe aber könnte denselben Effekt haben. Für Ministerpräsident Winfried Kretschmann sei es eine Herzensangelegenheit, das Erbe der Kelten sicht- und erfahrbar zu machen, sagte Staatssekretärin Petra Olschowski vom Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Und Andreas Schwarz, Grünen-Fraktionschef im Landtag, sagte: „Das Land wird das Projekt am Heidengraben unterstützen. Das ist die wesentliche Botschaft.“

Dass die Gemeinden Erkenbrechtsweiler, Hülben und Grabenstetten mit ihren Bürgermeistern, Gemeinderäten und all den Ehrenamtlichen so zäh an der Vision vom großen Keltenerlebnis am Heidengraben festgehalten haben, hat sich nun also als Glücksfall erwiesen. Denn: Im Zuge der im Januar ausgerufenen Gesamtkonzeption „Baden-Württemberg und seine Kelten“ hat man 16 Fundstätten identifiziert. Und weil die planerische Konzeption hier so weit gediehen ist, wird man die Unterstützung des Projekts am Heidengraben ganz vorne anstellen.

Über Grenzen hinweg

Zudem arbeiten an diesem Projekt nicht nur drei Gemeinden zusammen, sondern auch zwei Landkreise (Esslingen und Reutlingen) sowie zwei Regierungspräsidien (Stuttgart und Tübingen). Dieses Engagement über Verwaltungsgrenzen ist nicht alltäglich. Das machten alle Politiker deutlich, die Andreas Schwarz als Fraktionsvorsitzender der grünen Regierungspartei nach Erkenbrechtsweiler eingeladen hatte.

Freilich ist der Heidengraben auch ein ganz besonderer Fundort. Das Gebiet des ehemaligen Oppidums sei ein „riesiges Flächendenkmal“, wie Andreas Schwarz sagte. Und für Staatssekretärin Olschowski nimmt der Heidengraben „eine Sonderrolle ein“. „Das wird ein Pilotprojekt“. Klar, dass da auch die Frage nach der Höhe der finanziellen Unterstützung aufkommt. Doch da lässt sich das Land noch nicht in die Karten schauen. Sie sicherte den drei Gemeinden die Unterstützung des Landes zu, aber: „Form und Höhe werden noch besprochen.“

Die Identifikation mit den Kelten ist aber weit fortgeschritten, wie der Tübinger Regierungspräsident Klaus Tappeser mit seinem Statement „Wir sind Kelten“ bewies. „Wir unterstützen das tolle Engagement der drei Kommunen, wo wir können“, sprach er für sich und seinen Stuttgart Amtskollegen Wolfgang Reimer.

Von beispielhafter Zusammenarbeit und großem Realitätssinn sprach auch der Esslinger Landrat Heinz Eininger. Das Projekt habe eine große Planungsreife erlangt. Eininger sprach aber auch von vielen Nebenkosten: Am Burrenhof werde man zum Beispiel für einen Kreisverkehr eine bis eineinhalb Millionen Euro ausgeben müssen. Insgesamt seien die Gemeinden bei der Finanzierung auf Unterstützung angewiesen. „Bei den Investitionen und beim Betrieb“, so Eininger.

Zusammen mit den Bädern in Beuren und Urach, dem Beurener Freilichtmuseum und der Burgruine Hohenneuffen könnte der neue Heidengraben den Tourismus in der Region forcieren. Das bestätigte auch der Hülbener Bürgermeister Siegmund Ganser für seine Amtskollegen Roman Weiß aus Erkenbrechtsweiler und Roland Deh aus Grabenstetten. Die Unterstützung des Landes werde für noch mehr Motivation vor Ort sorgen.

Dann wird also auch der Heidengraben ganz ohne druidische Zauberkraft aus seinem jahrtausendealten Dornröschenschlaf erweckt, wie Dr. Jörg Bofinger vom Landesdenkmalamt sagte. Wann dann der Ministerpräsident kommen wird, um den Erlebnispfad einzuweihen? „An uns liegt’s nicht“, meinte Ganser dazu. Vielleicht sogar noch in diesem Jahr. Es wäre der erste Schritt. Dann fehlt nur noch das Besucherzentrum.

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