Zwischen Neckar und Alb

„Wir sind nicht auf Krawall gebürstet“

Bürgerinitiative Die Pläne in Beuren, ein Hotel und Wohnmobilplätze zu bauen, ­stoßen nicht nur auf Gegenliebe. Jetzt kommt eine Bürgerversammlung. Von Lutz Selle

Unweit der Panorama-Therme möchte ein Investor ein großes Hotel, ein Boardinghaus und Wohnungen für Hotelmitarbeiter bauen.Foto:
Unweit der Panorama-Therme möchte ein Investor ein großes Hotel, ein Boardinghaus und Wohnungen für Hotelmitarbeiter bauen.Foto: Jürgen Holzwarth

Die Pläne der Gemeinde Beuren, Grundstücke für einen Hotelbau zu erwerben und Wohnmobilstellplätze anzulegen, haben einige Bewohner aufgeschreckt und dazu bewogen, die Bürgerinitiative Beuren-Balzholz (BIBB) zu gründen. Die Bürger beklagen, dass sie von der Gemeinde zu wenig informiert und einbezogen werden. Für Donnerstag, 24. Januar, 19 Uhr hat die Gemeinde Beuren nun zur Bürgerversammlung in die Kelter eingeladen - zur Freude auch von Manfred Ruoff, einem der Mitbegründer der BIBB. Er fordert alle Beurener dazu auf, zur Bürgerversammlung zu erscheinen und sich rege zu beteiligen. „Die Kelter sollte aus allen Nähten platzen“, findet er.

Dagegen hätte auch Bürgermeister Daniel Gluiber nichts einzuwenden: „Wir wollen die Bürger über den aktuellen Stand informieren.“ Dies sei zu einem früheren Zeitpunkt noch nicht möglich gewesen. „Man braucht Grundlagen, um über etwas sprechen zu können. Aber ohne die Bürger einzubeziehen, machen wir gar nichts“, verspricht der Rathauschef.

Genau das befürchten indes einige der inzwischen gut 50 Aktiven der Bürgerinitiative, seitdem die Vorstellungen eines Investors publik wurden. Diesem schweben zwischen der Panorama-Therme und der Beethovenstraße ein Hotel-Neubau mit 240 Betten sowie ein Boarding-Haus und Wohnungen für spätere Hotelmitarbeiter vor. Eine weitere Idee des Investors ist ein Feriendorf auf dem Balzholzer Feld. Außerdem in Beuren im Gespräch ist derzeit das Anlegen von 64 Stellplätzen für Wohnmobile auf einer Wiese unweit des Friedhofs.

„Als wir davon hörten, waren wir etwas erschrocken“, erzählt Manfred Ruoff. Und seine Frau Gerti ergänzt: „Wenn die Pläne schon vorliegen, dann müssen wir handeln und rechtzeitig eingreifen, bevor es vorbei ist.“

Mittels eines Flyers ist es der BIBB geglückt, Aufmerksamkeit in der Gemeinde auf sich zu ziehen. Allerdings sei es bisher nicht gelungen, eine Zusammenarbeit mit der Gemeindevertretung herzustellen, beklagen die BIBB-Mitglieder. „Die sehen eine reine Information bereits als Bürgerbeteiligung“, sagt Joachim Beichle von der BIBB. Das Ziel der Initiative sei indes eine aktive Beteiligung und nicht nur eine informelle. „Wir wollen unsere Standpunkte klarmachen und ernst genommen werden“, so Joachim Beichle.

Stattdessen würden die Mitglieder der Bürgerinitiative inzwischen als „Revoluzzer“ und „Unfriedensstifter“ dargestellt. „Wir sind aber nicht auf Krawall gebürstet“, stellt Ruoff klar. Sie sei ja gar nicht generell gegen ein Hotel und Wohnmobilstellplätze in Beuren eingestellt, sagt Gerti Ruoff. Nur die vorgeschlagenen Dimensionen mit 240 Betten beim Hotel und 64 Stellplätzen für Wohnmobile ist aus Sicht der Bürger für Beuren nicht passend.

Die Gemeinde wartet ab

Bürgermeister Daniel Gluiber versteht die Aufregung nicht: „Wir haben bisher nur Gespräche geführt und Grundstückseigentümer gefragt, ob sie ihre Grundstücke verkaufen würden.“ Aktuell habe die Gemeinde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die die Frage beantworten soll, „in welcher Größe ein Hotel für Beuren infrage kommt“. Auch die Themen Feriendorf und Wohnmobilstellplätze werden in der Studie untersucht. „Erst wenn wir diese Grundlagen haben, können und wollen wir mit den Bürgern diskutieren.“

Die Bürgerbeteiligung beginne mit der Information über das Mitteilungsblatt, dann folge die Bürgerversammlung, ehe sich Workshops anschließen könnten. Zudem stehe jeder Person ein fünfminütiges Rederecht zu. Das ist der Bürgerinitiative allerdings nicht genug, die ein Rederecht über 30 Minuten beantragt hatte. Das könne er jedoch nicht zugestehen, so Gluiber. „Dann wollen andere auch so lange sprechen, und die Veranstaltung findet kein Ende.“ Ungerecht behandelt fühlen sich Ruoff und Beichle auch, weil die Nutzung des Bürgerhauses für Treffen der BIBB verweigert wurde. Die Benutzungsordnung stehe dem entgegen, erklärt der Bürgermeister. Allerdings werde der Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung beraten, ob eine Ausnahmeregelung erteilt wird. Insgesamt seien die Gemeinderatsfraktionen und er „offen für Gespräche“, betont Bürgermeister Gluiber. Ob die vom Hotelinvestor gewünschten 240 Betten zu Beuren passen, werde nach der Machbarkeitsstudie klarer werden. Eines sei aber schon jetzt klar: „Die Zukunft von Beuren und damit auch von den Läden und der Gastronomie im Ort liegt eher im Tourismus als im Anlocken von Firmen.“

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