Zwischen Neckar und Alb

„Wir sind wie eine große Familie“

Das Sommerlager des Kreisjugendrings ist trotz durchwachsenen Wetters ein Erfolg

Beim Sommerlager des Kreisjugendrings in Obersteinbach machen Kinder von acht bis 13 Jahren spannende Erfahrungen und haben jede Menge Spaß.

An der frischen Luft herumzutoben, macht Hunger. Foto: Jasmin Grandy
An der frischen Luft herumzutoben, macht Hunger. Foto: Jasmin Grandy

Kreis Esslingen. 93 Kinder versammeln sich zur Mittagszeit unter dem überdachten Gemeinschaftsplatz. Sie kommen aus allen Ecken gerannt, dem Wald, dem Zeltplatz, von der großen Schaukel oder von der Tischtennisplatte. Alle singen lautstark das Lied „Shut Up And Dance With Me“ mit, welches das Mittagessen verkündet. Es wird um die Tische getanzt, die Betreuer nehmen die Kinder auf die Schultern und es kommt einem vor, als feiere das Sommerlager, kurz Sola, ein großes Fest. „Das geht hier zur Essenszeit immer so zu“, erklärt Moritz Löffler, einer der Betreuer, lachend. Nicht einmal das durchwachsene Wetter der letzten Tage konnte die Laune der Kinder trüben. Mit Gummistiefeln und Jacken streunen sie durch die Gegend, erkunden den Zeltplatz oder genießen die familiäre Atmosphäre der Gruppe.

„Mit der Zeit wird das Sola wie eine kleine Familie“, berichtet Julia Beck, ebenfalls Betreuerin, und schließt die Arme um Jakob. Wie viele andere kommt Jakob zum wiederholten Mal ins Sola. Ebenfalls wieder dabei: seine drei Geschwister. Der Älteste hilft im Küchenteam. Auch die Kinder selbst müssen einmal während der zwei Wochen in der Küche beim Spülen helfen und den Tisch decken. „Der Küchendienst kommt aber eigentlich immer gut an“, berichtet Philipp Schwaiger, der Dritte im Bunde der Betreuer. „Die sanitären Anlagen werden täglich unter Mithilfe der Kinder gereinigt. Der Klo-Dienst ist sogar noch beliebter als der Küchendienst, weil man alles überfluten kann und man es so relativ einfach beim Putzen hat.“

26 Betreuer hat das Lager, im Schnitt 22 Jahre alt. Viele davon kommen jedes Jahr wieder. An zwei Wochenenden haben sie sich zusammen auf das Lager vorbereitet. Das eigentliche Programm wird immer erst einen Tag vorher geplant, um es der Laune der Kinder anzupassen. Dieses Jahr gibt es nur ein Lager – aufgrund der zu geringen Anmeldezahlen kam nur die erst Hälfte zustande. Der zweite Teil ist normalerweise für die Zehn- bis Fünfzehnjährigen.

Zwei Wochen lang schweißt das Sommerlager Teilnehmer und Betreuer zusammen. Nicht nur die vielen Angebote, sondern auch die Atmosphäre, die auf dem Platz um das Haus des Kreisjugendrings herrscht, sorgen für gute Laune. Zudem gilt absolutes Handyverbot. Stattdessen gibt es die Möglichkeit, Briefe an die Eltern zu Hause zu schreiben. „Manche der Kinder schreiben hier ihren ersten Brief, das ist dann auch eine tolle Erfahrung“, so Beck. Man sei über die zwei Wochen in einer Art Blase, etwas abgeschottet vom Rest der Welt, und genieße das auch. „Es gibt einige, die von klein auf dabei sind und später dann als Betreuer oder Helfer wiederkommen“, so Beck.

Nach dem Mittagessen starten die vielen Workshops, bei denen die Kinder kreativ werden können. Manche spielen aber auch lieber Tischfußball oder musizieren mit den Betreuern. Pflichtprogramm sind nur die Geländespiele am Morgen. Hier wird der anliegende Wald erkundet oder Lager werden gebaut. „Mit der Zeit erobern die Kinder den Wald immer mehr“, sagt Beck. „Es gilt aber immer, in Hör- und Sichtweite zu bleiben, damit die Betreuer den Überblick behalten können.“

Boris, ein weiterer Teilnehmer, führt am Pressetag stolz durchs Unterholz und präsentiert das selbst gebaute Lager einem der Herren vom „Lions-Club Kirchheim“. Der Club hilft zusammen mit dem „Round Table 138“ Nürtingen bei der Finanzierung des Sommerlagers mit.

Fünfzehn Zelte stehen auf der großen Wiese und beherbergen bis zu sieben Kinder. Aufgebaut wurden die Zelte dieses Jahr von den „Unbegleiteten minderjährigen Ausländern“, kurz UMA. Die kommen aus Afrika und Afghanistan und werden vom Kreisjugendring Esslingen betreut.

Die Zelte sind je nach Alter in drei Dörfer aufgeteilt und werden jeweils von einem Betreuer beaufsichtigt, der auch nachts bei seinen Sprösslingen im Zelt schläft. „Das ist immer die schönste Zeit des Tages“, berichtet Moritz Löffler. „Da hat man seine Kinder für sich und kann noch mal über die Erlebnisse vom Tag reden.“ Abschließend gibt es in jedem Zelt auch eine Gute-Nacht-Geschichte, die bei allen Altersklassen sehr beliebt ist. Schlafenszeit ist spätestens um zehn Uhr, auch hier variiert die Zeit je nach Alter und Dorf. Die Ersten werden dann am nächsten Morgen gegen sechs Uhr wieder wach sein und dürfen sich auf einen weiteren tollen Tag im Sommerlager freuen.

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