Zwischen Neckar und Alb

„Wir wollen Freiräume am Neckarufer“

Projekt Bürgerinitiative sammelt Unterschriften gegen den Bau eines Hotels in Nürtingen.

Nürtingen. Der Reutlinger Hotelier Hans-Joachim Neveling möchte in Nürtingen in einen Neubau an der Neckarstraße investieren. Geplant ist ein Haus mit circa 80 Zimmern, Restaurant, Außengastronomie mit Biergarten und Tiefgarage. Im November 2017 hat der Gemeinderat beschlossen, Grundstücke zum Bau an den Reutlinger Hotelier zu verkaufen. Den Beschluss hat Oberbürgermeister Otmar Heirich in der letzten Sitzung vor Weihnachten öffentlich bekannt gegeben.

Um den Bau eines nach ihrer Auffassung überdimensionierten Hotels zu verhindern, hat sich die Bürgerinitiative „Nürtingen am Neckar“ organisiert. Ihr Ziel: Sie wollen, dass die Nürtinger bei einem Bürgerentscheid abstimmen können, ob die Grundstücksflächen für ein Hotel genutzt werden sollen. In den nächsten Wochen werden deswegen Unterschriften gesammelt. Dieter Braunmüller und Fritz Ei­sele von der Bürgerinitiative halten den Grundstücksverkauf für eine Fehlentscheidung und beantragen daher die Aufhebung des Gemeinderatsbeschlusses mithilfe eines Bürgerentscheids.

Warum soll der Hotelneubau verhindert werden? „Ich beschäftigte mich schon seit einigen Jahren mit der Neckarufer-Gestaltung“, sagt Fritz Eisele. Im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) hat sich die Arbeitsgruppe „Grüne Stadt am Fluss“ gegründet und Vorschläge für ein grünes Neckarufer erarbeitet. Außerdem, erklärt Eisele weiter, hätten sich im Rahmen des ISEK-Prozesses 64 Prozent der Bürger für eine „grüne Stadt am Fluss“ ausgesprochen.

Zudem habe die Stadt den Ideenwettbewerb „Westlicher Neckar“ ins Leben gerufen. Mehrere Büros hätten Vorschläge für die Gestaltung erarbeitet. Im März 2015 hat eine Jury sich für die Pläne mit vier Punkthäusern an der Neckarstraße ausgesprochen. Ei­sele begleitete den Wettbewerb als Bürgervertreter in der Jury. Gerade deshalb kann er nicht verstehen, warum diese Pläne nicht umgesetzt werden.

Bei diesem Wettbewerb habe ein Entwurf gewonnen, der die Vision von der Stadt am Fluss aufgegriffen habe. „Mit dem geplanten Hotel wird diese Vision für immer zunichtegemacht“, so Dieter Braunmüller und Fritz Eisele. „Wir wollen großzügige Freiräume am Neckarufer mit schonender Bebauung.“ Sie befürchten, dass zwischen der Hotelterrasse und den Sitzstufen zu wenig Freifläche bis zum Neckarufer bleibt.

Hochwasserschutz ernst nehmen

Ihre Forderung für großzügige Freiräume am Neckar sehen Braunmüller und Eisele auch durch Umweltminister Franz Untersteller bekräftigt, der in einem Fernsehinterview betont habe, dass die Kommunen für den Hochwasserschutz sensibilisiert werden müssten. „Dass sie den Hochwasserschutz ernster nehmen und nicht mehr so nah an die Flüsse bauen, wie das über Jahrzehnte der Fall war“, lautete Unterstellers Aussage. Pikanterweise, sagt Eisele, sei dieses Interview mit dem baden-württembergischen Umweltminister am Nürtinger Neckarufer bei der Fischtreppe aufgenommen worden.

Fritz Eisele betont zwar, dass man nichts gegen ein Hotel an dieser Stelle habe, aber die jetzt geplante Dimension sei zu groß. Der Investor habe aber deutlich gemacht, dass ein kleineres Hotel mit weniger Zimmern nicht wirtschaftlich zu betreiben sei.

Mit der Schlagzeile „Keine Bausünde am Neckar“ startet die Initiative am heutigen Samstag auf dem Nürtinger Wochenmarkt mit der Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren. Es werden rund 3 000 Unterschriften benötigt. Anneliese Lieb

Anzeige