Zwischen Neckar und Alb

Wird das Zollamt zur Kneipe?

Leerstand Das Esslinger alte Zollamt steht seit Jahren leer. Jetzt gibt es Gerüchte, dass dort ein Lokal einziehen soll. Davon sind nicht alle begeistert. Von Melanie Braun

Vielleicht nicht mehr ganz so düster: Die Zukunft des alten Zollamts in Esslingen. Foto: Bulgrin
Vielleicht nicht mehr ganz so düster: Die Zukunft des alten Zollamts in Esslingen. Foto: Bulgrin

Seit Jahren steht das alte Zollamt in der Nähe des Bahnhofs weitgehend leer. Nun sieht es so aus, als könnte dort in näherer Zukunft wieder Leben einziehen. Das zumindest lassen Gerüchte von verschiedenen Seiten vermuten. Demnach soll in das denkmalgeschützte Gebäude eine Gastro-Kette einziehen. Die RVI als Eigentümerin der Immobilie will sich dazu nicht äußern. Man sei derzeit in Gesprächen mit Interessenten über den Verkauf. Über die künftige Nutzung könne man aber nichts sagen. „Das ist Sache des neuen Eigentümers“, sagt Daniela Landes, Pressesprecherin der RVI. Die RVI wolle das alte Zollamt lediglich schnell verkaufen.

Auch im Rathaus ist das Gerücht über den möglichen Einzug einer Gastro-Kette angekommen. Bestätigen könne der städtische Pressesprecher die Pläne jedoch nicht. Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht berichtet von Anfragen verschiedener Art, die bereits bei der Stadtverwaltung eingegangen seien. Sie reichten von einer gastronomischen Nutzung über den Einzug von Geschäften bis hin zu Wohnungen.

Wallbrecht hält eine Gastronomie an dieser Stelle für sehr wahrscheinlich. Zwar gebe es in der Nähe schon zahlreiche Angebote, daher könne man sich von Seiten der Stadt auch etwas anderes dort vorstellen. Aber passen würde es. Auch die Vorgaben der Stadt für das Areal könnten damit gewahrt werden. Nach diesen muss das gesamte Gebiet mit den fünf Baublocks zu 70 Prozent für Wohnen genutzt werden, der Rest ist frei für anderes. Dienstleistungsbetriebe wie ein Restaurant seien demnach dort erlaubt. Zudem würde auch die öffentliche Zugänglichkeit des Gebäudes gewahrt werden.

Nicht ganz so positiv sieht Sabine Bartsch, die Geschäftsführerin des Kulturzentrums Dieselstraße, eine mögliche Systemgastronomie im alten Zollhaus. Das Gebäude sei ideal für eine kulturelle Nutzung, meint sie. Zum einen handle es sich um ein tolles Gebäude, zum anderen sei die zentrale Lage ein großer Vorteil für einen Veranstaltungsraum. „Ich bin der Meinung, dass die Weststadt sehr gut noch ein kulturelles Angebot an dieser Stelle gebrauchen könnte“, sagt Sabine Bartsch. Eine Fast-Food-Kette hingegen könne sich auch woanders gut ansiedeln.

Umzug klappte nicht

Bartsch hätte das alte Zollamt vor einigen Jahren zusammen mit ihren Mitstreitern gern selbst belebt. „Wir hätten uns vorstellen können, dort mit einem guten kulturellen Angebot einen Akzent mitten in der Stadt zu setzen“, sagt Bartsch. Der Umzug des Kulturzentrums Dieselstraße von der Pliensauvorstadt in das Gebäude am Bahnhof war bereits vom Gemeinderat beschlossen gewesen. Doch dann machte die Finanzkrise den Kulturschaffenden einen Strich durch die Rechnung. Wegen der klammen Kassen hatte sich der Gemeinderat 2009 darauf verständigt, den Umzug um drei Jahre zu verschieben. Im Kulturzentrum hatte man Sorge, dass damit ein weiteres jahrelanges Warten programmiert sei. Angesichts dieser Perspektive machte sich das Team der Dieselstraße für eine Alternative stark, die weit schneller umgesetzt werden konnte: eine umfassende Sanierung am bestehenden Standort. „Wir haben das damals zwar selbst entschieden, aber eben aus der Not heraus“, betont Bartsch. 2011 ist das Dieselzentrum nach der umfassenden Sanierung samt Erweiterung wiedereröffnet worden. Man habe sich inzwischen damit abgefunden, dass der Umzug in das alte Zollamt nicht geklappt hat, sagt Sabine Bartsch.

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