Zwischen Neckar und Alb

Wohnraum für alle – aber wie?

Fachtagung beschäftigt sich mit Bedarf, Grenzen und Möglichkeiten des Wohnungsbaus

Im Landkreis Esslingen müssen bis 2020 etwa 13 000 neue Wohnungen geschaffen werden. Diese Zahl nannte Landrat Heinz Eininger gestern anlässlich des Fachtags Bauen.

Wohnungsbau

Esslingen. Eininger betonte, es gehe um „Wohnraum für alle, für Deutsche, für Menschen, die seit längerem hier leben und für diejenigen, die vor Kurzem zu uns gekommen sind.“ 2 500 der Wohnungen müssten als Sozialwohnungen gebaut werden, zitierte Eininger Zahlen des Pestel-Instituts. Darunter sei bezahlbarer Wohnraum zu verstehen, „nicht nur für Flüchtlinge, auch für Familien mit Kindern, Alleinerziehende, Studierende oder Rentner“. Eininger schränkte ein, die Pestel-Zahlen berücksichtigten nicht die „besondere Zuzugssituation im Landkreis“. Dieser ist - wie die gesamte Region - aufgrund der hohen Wirtschaftskraft äußerst attraktiv.

Heute leben gut 516 000 Menschen im Kreis. Für den Zuwachs bis 2030 rechnet der Verband Region laut Referentin Ulrike Borth mit einem Bedarf von 11 000 Wohneinheiten. Zwischen Bedarf und Bautätigkeit klafft eine große Lücke: Auf die Region bezogen nennt Borth jedes Jahr 8 000 bis 9 000 neue Einheiten - „seit Jahren konstant“.

Borth wies darauf hin, dass es in den Kommunen Flächennutzungspläne gebe, die nicht ausgeschöpft würden. So böten 290 Hektar im Landkreis Esslingen Platz für 19 000 Menschen. Viele Flächennutzungspläne stammten aus den 80er- oder 90er-Jahren und seien veraltet. So hätten sich städtebauliche Vorstellungen oder auch Umweltbelange verändert. Hinzu komme die mangelnde Verkaufsbereitschaft von Grundstückseigentümern. Zusätzlich gebe es im Kreis 100 Hektar, die bebaubar wären, aber nicht verplant sind. Borth geht von einem Potenzial für 7 200 Personen aus. Die Regionalplanerin betonte, Hauptziel sei die Ausrichtung an der Schiene, da der Straßenverkehr rund um Stuttgart schon heute oft zum Erliegen kommt. Außerdem strebt die Region an, Innenräume zu verdichten. Weil das bei der Bevölkerung zu Bedenken führt, rät Borth zu frühzeitiger Bürgerinformation.

Die Bauverfahren dauern viel zu lange - diesen Vorwurf kennt die Dezernentin für Umwelt und Technik, Marion Leuze-Mohr. „Bauen wird als erschwert wahrgenommen und die Baurechtsämter als Bremser.“ Sie betonte, dass sich die Behörden an Richtlinien halten müssten. „Was uns als Mensch Lebensqualität bringt, empfinden wir als Bauherr als Erschwernis“, sagte Leuze-Mohr mit Blick auf Natur-, Arten-, Hochwasser- oder Brandschutz. Lange Genehmigungsverfahren könnten auch von den Bauherren beschleunigt werden, betonte sie. Etwa indem Unterlagen vollständig eingereicht würden. Sie räumte aber auch ein, dass an den Vorgaben manches verbessert werden könnte.

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