Zwischen Neckar und Alb

Wolfschlugen kassiert den „Bronzenen Pannenflicken“

Verkehr Die Initiative Cycleride bezeichnet den Wolfschluger Radweg als „indiskutabel und gefährlich“.

Der Radstreifen in Wolfschlugen entspricht nicht der Straßenverkehrsordnung und gefährdet mehr, als dass er schützt.
Der Radstreifen in Wolfschlugen entspricht nicht der Straßenverkehrsordnung und gefährdet mehr, als dass er schützt. Foto: Roberto Bulgrin

Wolfschlugen. Nicht verkehrstaugliche Radwege - die bundesweite Initiative Cycleride spürt seit 2006 solche Fehlplanungen auf und vergibt den Negativpreis „Pannenflicken“. Auserkoren für so eine unrühmliche Auszeichnung wurde in diesem Jahr Wolfschlugen.

Für einen etwa 160 Meter langen Radstreifen in der Nürtinger Straße erhält sie den „Bronzenen Pannenflicken“. Er sei weder als solcher zu erkennen, noch entspreche der Radweg der Straßenverkehrsordnung (StVO), heißt es in der Begründung. Dieses „nicht näher definierbare Etwas mit anschließendem Schwenk auf den Bordstein“ verunsichere die Radfahrer nur. Deswegen das vernichtende Urteil: undiskutabel.

Seit vielen Jahren würden Pedaleure an der Stelle am Ortsausgang von Wolfschlugen in Richtung Nürtingen „verunsichert durch einen befremdlichen, schmalen Streifen ohne jegliche Piktogramme und Beschilderung, die - wie sich später herausstellen soll - auf einen Radweg mit Benutzungspflicht führt“, urteilt die „Pannenflicken“-Jury. Auch die Voraussetzungen für eine solche Benutzungspflicht seien nicht erfüllt. Denn er ende nach bereits 160 Metern an einer stark befahrenen Einmündung ohne die vorgeschriebene Radfahrerfurt. „Dadurch werden Radfahrer gleichermaßen verunsichert wie gefährdet“, sagt Ralf Epple, der Vorsitzende von Cycleride. Radfahrer, die auf der Fahrbahn bleiben, sind rechtlich benachteiligt. Die Initiative fordert deshalb, die Benutzungspflicht umgehend aufzuheben, und die Markierung zu entfernen. Wolfschlugens Bürgermeister Matthias Ruckh ist verständlicherweise nicht erfreut über den wenig schmeichelhaften Negativpreis. Schon vor der Auszeichnung gab es einen regen Mailverkehr zwischen ihm und Initiative-Sprecher Ralf Epple. Ruckh verwies darauf, dass die Gemeinde nicht zuständig sei für Radwege wie diesen, der entlang einer Landesstraße führt. Für den Bau und den Unterhalt sei das Straßenbauamt Kirchheim verantwortlich. Seien Linien- und Wegeführung oder die Beschilderung mangelhaft, sei das durch die Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt zu prüfen und gegebenenfalls verbessern zu lassen. Der Rathauschef betonte, dass es an der besagten Stelle nach seiner Kenntnis noch keinen Unfall gegeben hat. Im Übrigen tue die Gemeinde seit Jahren viel für den Radverkehr. Deswegen bat er die Initiative im Vorfeld, die Nominierung für den Negativ-Preis zurückzunehmen.

Diesen Gefallen tat ihm Cycleride allerdings nicht. Die von Bürgermeister Ruckh zugesagte Verkehrsschau mit Polizei sowie Vertretern von Gemeinde und Landratsamt hat es mittlerweile gegeben. Und siehe da: Die Kommission stellte tatsächlich in mehrfacher Hinsicht gravierende Mängel fest. Man werde deshalb Änderungen vornehmen, mit 1,5 Meter breitem Schutzstreifen und abgesenkten Bordsteinen. Harald Flößer

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