Zwischen Neckar und Alb

Wollknäuel erobern Herzen

Aktion Die Schäfertage im Freilichtmuseum in Beuren lüfteten viele Geheimnisse rund ums Schaf. Für die ganze Familie war bei verschiedenen Mitmachaktionen einiges geboten. Von Thomas Krytzner

Im Freilichtmuseum drehte sich alles um die wolligen Tiere. Fotos Thomas Krytzner
Im Freilichtmuseum drehte sich alles um die wolligen Tiere. Fotos Thomas Krytzner

Wenn ins Museumsdorf in Beuren unzählige Wolltiere einziehen, lockt diese blökende Völkerwanderung tausende Besucher zu den Schäfertagen. Bereits zum 19. Mal haben die Mitarbeiter vom Freilichtmuseum und vom Förderverein des Museums zu verschiedenen Attraktionen rund um die historischen Gebäude eingeladen. Ein Schäfer kam mit über 250 Merinolandschafen und ließ sie auf den Wiesen weiden. Er hatte einen Hütehund dabei, der die Schafe im Blick und im Griff hatte. Er hörte auf kurze und knappe Kommandos des Schäfers, auch wenn er sich manchmal lieber streicheln lassen wollte.


„Wenn Esel überfordert sind, stehen sie lieber still und warten erst mal ab."

Seltene Rassen im Museumsdorf
Die vielen Lämmchen in der Schafherde begeisterten Jung und Alt. Neben den Merinolandschafen konnten die unzähligen Besucher jedoch auch weitere seltene und zum Teil bedrohte Schafrassen aus verschiedenen Regionen betrachten. Für die Kinder war es ein Genuss, den Schafen frisches Gras anzubieten und den weichen Pelz zu berühren.

Oft hatten die Mamas und Papas regelrecht Mühe, ihre Sprösslinge zum Weitergehen zu motivieren. Dabei gab es auf dem Museumsgelände noch so viel zu entdecken. Zum Beispiel auf dem Schäfermarkt: Schaf- und Lammfelle konnten ebenso erstanden werden, wie Milch-, Fleisch- und Wurstprodukte vom Schaf. Wer die Vierbeiner jedoch in Aktion sehen wollte, konnte den Schafen beim Baden zusehen oder sie zum Friseur begleiten. Im Museumsdorf gab es dazu eine Vorführung.

Im Freilichtmuseum drehte sich alles um die wolligen Tiere. Fotos Thomas Krytzner
Im Freilichtmuseum drehte sich alles um die wolligen Tiere. Fotos Thomas Krytzner

Aus Wolle Fäden spinnen
Für die Kinder waren die Mitmachaktionen ein Hit. So konnten sie beim Gebäude der Museumspädagogik gleich selbst Hand anlegen und Schafwolle filzen. Ebenso bekam der Ausruf „Du spinnst“ eine andere Bedeutung: Wer wollte, konnte nämlich auf der selbst gebauten Handspindel die Wolle zu Fäden spinnen.

Große und kleine Entdecker erlebten beim Biosphärenmobil des Naturschutzbundes einige Geheimnisse aus der Natur. Da sich das Reiten auf Schafen äußerst schwierig gestaltet, standen an den Schäfertagen zwei Esel und ein Maultier zum Ausritt bereit. Sabine Wallner vom Esel- und Ponyhof Ohrenparadies hatte ihre Tiere und das Geheimnis vom störrischen Esel dabei. „Esel sind nicht stur“, erklärte sie. „Esel sind sehr intelligent. Wenn sie überfordert sind oder eine Situation als gefährlich einschätzen, stehen sie lieber still und warten erst mal ab.“ Die Grautiere, die eigentlich gar nicht unbedingt grau sind, binden sich noch enger an Menschen als Pferde. „Aber nur, wenn man sich mit ihnen beschäftigt“, sagte die Expertin Sabine Wallner. Dann half sie einem Kind in den Sattel und führte ihre Lieblingseselin samt Jungreiter durch die Streuobstwiesen im Museumsdorf.

Diverse Vorführungen zeigten, wie früher und heute Schafprodukte verarbeitet werden. Dabei wurde auch der Begriff „kardieren“ erklärt. Kardieren bedeutet, Schafwolle zu einem feinen Vlies kämmen. Im Weberhaus wurde am Handwebstuhl das Geheimnis des Webens gelüftet. Sogar ins Kino konnten Schaf-Fans im Freilichtmuseum gehen. Im Hopfensaal des Hauses von Öschelbronn zeigten die Veranstalter einen kurzen Film über die spanischen Wurzeln der Merinoschafe.

Auch Esel und Maultiere bekamen von den kleinen Besuchern unzählige Streicheleinheiten. Fotos Thomas Krytzner
Auch Esel und Maultiere bekamen von den kleinen Besuchern unzählige Streicheleinheiten. Fotos Thomas Krytzner

Daniel Kondratiuk ist im Freilichtmuseum für die Schäfertage verantwortlich. „Viele Familien sind hier, aber auch viele ältere Leute. Da entsteht manch interessante Fachsimpelei“, sagte er. Während der beiden Schäfertage erklärte er dutzenden Kindergruppen die verschiedenen Schafrassen. 1 Weitere Informationen zum Freilichtmuseum Beuren gibt es im Internet auf der Homepage www.freilichtmuseum-beuren.de

Anzeige