Zwischen Neckar und Alb

Wunschkennzeichen immer begehrter

Insbesondere das Altkennzeichen NT ist im Landkreis Esslingen äußerst beliebt

Autokennzeichen sind schon seit Längerem nicht mehr nur schnöde Zahlen- und Nummernfolgen, sondern auch Spielwiese für die eigene Kreativität.

Corinna Gebert, Mitarbeiterin der Firma Buglowski, zeigt die einst beliebte Kombination ES-EL, die inzwischen aber nicht mehr so
Corinna Gebert, Mitarbeiterin der Firma Buglowski, zeigt die einst beliebte Kombination ES-EL, die inzwischen aber nicht mehr so gefragt ist.Foto: Roberto Bulgrin

Kreis Esslingen. Die Möglichkeiten für lustige Kombinationen, wie es sie in Stuttgart mit S-AU, S-KY oder S-EX gibt, sind beim Esslinger Kennzeichen ES begrenzt. Dennoch sind Wunschkennzeichen auch hier sehr beliebt. Insbesondere das Altkennzeichen NT ist sehr gefragt – kurioserweise auch bei vielen Bürgern, die gar nicht in Nürtingen wohnen.

Heiko Buglowski, Schilderhersteller in Esslingen, versteht zwar nicht, warum jemand, der in Esslingen lebt, lieber ein Autokennzeichen mit dem Nürtinger NT hat. Aber er macht die Erfahrung, dass die wenigsten Kunden, die bei ihm ein NT-Nummernschild bestellen, tatsächlich aus dem Altkreis Nürtingen kommen. Der Grund dafür: Viele Esslinger hätten lieber eine kürzere Ziffernfolge und griffen deshalb auf das Altkennzeichen zurück. Denn bei den NT-Schildern, die erst seit 2013 wieder erlaubt sind, seien noch nicht so viele Nummern vergeben, und deshalb seien noch kleinere Zahlen zu haben.

Ähnliche Erfahrungen macht Mariola Klaczynski, Mitarbeiterin in der Nürtinger Filiale des Schilderherstellers Christoph Kroschke GmbH. „Die Nürtinger sind sehr froh, dass es wieder das NT gibt“, erzählt sie. Dafür habe man lange gekämpft. Viele änderten ihr Kennzeichen auch von ES in NT, obwohl sie ihr Auto gar nicht wechselten. Auch Klaczynski hat beobachtet, dass dabei die Heimatverbundenheit oft eine untergeordnete Rolle spielt: „Viele finden ein kürzeres Nummernschild schöner.“ Mit dem Kennzeichen NT sei es oftmals möglich, statt des Standardschilds mit 52 Zentimetern Länge ein nur 42 Zentimeter langes Exemplar zu bekommen. Das komme vor allem bei jungen Leuten gut an.

Aber auch sonst seien individuell ausgesuchte Kennzeichen im Trend: „Wir produzieren inzwischen mehr Wunsch- als Serienkennzeichen“, sagt Klaczynski. Viele Kunden würden ihre Lieblingskombination bereits online reservieren, bevor sie zur Zulassungsstelle gingen. Das koste zwar 2,60 Euro – zusätzlich zu den 10,20 Euro, die im Landkreis Esslingen für ein Wunschkennzeichen anfallen –, doch dafür hätten sie dann drei Monate lang Zeit, ihr Fahrzeug beim Landratsamt zuzulassen.

Heiko Buglowski kann allerdings keine dramatisch steigende Nachfrage nach Wunschkennzeichen feststellen. Es gebe zwar einen Trend, doch dieser sei in seinen Augen nicht extrem ausgeprägt. Aber er habe auch wenig Vergleichsmöglichkeiten: Seine Firma stelle ausschließlich Wunschkennzeichen her, die Serienkennzeichen würden von anderen angefertigt. Einige Leute hätten gern ihre Initialen oder ihr Geburtsdatum auf dem Nummernschild, aber kuriose Kombinationen seien im Kreis eher selten. NT biete sich dafür gar nicht an, und das einst beliebte ES-EL sei auch nicht mehr so gefragt – vermutlich auch, weil hier die Nummern schon weitgehend vergeben seien.

Im Esslinger Landratsamt verfolgt man das steigende Interesse an Wunschkennzeichen schon seit Jahren: Seien 1990 noch rund 10 500 individuell bestellte Nummern zugeteilt worden, so seien es 2015 schon rund 60 000 gewesen, teilt Peter Keck, Sprecher des Landratsamtes, mit. Der Trend geht so weit, dass Keck davon ausgeht, dass in Zukunft gar keine Serienkennzeichen mehr vorgehalten werden. Schon jetzt sei das nur noch im Altkreis Esslingen der Fall, anderswo im Landkreis müsse der Kunde das Nummernschild stets extra anfertigen lassen – ob mit Serien- oder mit Wunschnummer.

Im Jahr 2014 war die Nachfrage nach Wunschkennzeichen im Landkreis Esslingen – wo derzeit insgesamt rund 412 000 Fahrzeuge zugelassen sind – mit rund 69 000 besonders hoch. Laut Keck liegt das vermutlich an der Wiedereinführung des Altkennzeichens NT 2013. 2014 nahm der Kreis rund 703 000 Euro aus den Gebühren für die Wunschkennzeichen ein, im Jahr zuvor waren es etwa 604 000 Euro, 2015 rund 612 000 Euro.

Inzwischen gibt es fast 22 000 Fahrzeuge mit NT-Kennzeichen, der ES-EL findet sich an 1 335 Fahrzeugen im Landkreis. Behördenkennzeichen hingegen wurden bereits im Jahr 2000 abgeschafft.

Der Trend in den Nachbarlandkreisen

Göppingen: Das Landratsamt Göppingen verzeichnet keinen aktuellen Ansturm auf Wunschkennzeichen. Allerdings gebe es bereits seit Jahren ein reges Interesse daran: 2015 waren rund 34 500 der insgesamt 43 900 Zulassungen Wunschkennzeichen. Das bescherte dem Kreis Einnahmen von 352 000 Euro. Im Kreis Göppingen gibt es allerdings keine Altkennzeichen, die neu zugelassen wurden. Böblingen: Auch in Böblingen ist die Nachfrage nach individuellen Nummernschildern groß, vor allem das Altkennzeichen LEO sei beliebt, heißt es aus dem Kreishaus. 2015 seien 57 000 Wunschkennzeichen vergeben worden, damit habe man rund 584 000 Euro eingenommen. Rems-Murr-Kreis: Hier wurde 2013 das Altkennzeichen BK (Backnang) wieder eingeführt, das sich großer Beliebtheit erfreut: Etwa ein Sechstel der Kunden entscheide sich bei Neuzulassungen für BK, sagt Martina Nicklaus, Sprecherin des Landratsamtes. Insgesamt seien rund fünf Prozent aller Fahrzeuge im Kreis mit diesem Kennzeichen zugelassen. Allerdings müsse man sich das BK mit anderen teilen: mit dem Bördekreis in Sachsen-Anhalt und eventuell bald mit Schwäbisch Hall. Einige Orte dort gehörten zum Altkreis Backnang. Ludwigsburg: Mit VAI (Altkreis Vaihingen) ist auch hier ein Altkennzeichen wieder verfügbar. Auch die Ludwigsburger folgen dem Trend: Laut Landratsamt sind rund 75 Prozent aller Nummernschilder Wunschkennzeichen. 2015 waren das 67 000 (von insgesamt 88 000 neuen Kennzeichen). Damit nahm der Kreis etwa 680 000 Euro ein. Stuttgart hat laut einer Umfrage der Deutschen Presseagentur 2015 rund 590 000 Euro Gebühren mit Wunschkennzeichen eingenommen. Karlsruhe kam demnach nur auf etwa 257 000 Euro – und das, obwohl hier gleich einige nette Kombinationen möglich sind. So sind die städtischen Fahrzeuge hier mit KA-RL unterwegs, Anhänger des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC tun ihre Leidenschaft mit KA-SC kund, und auch KA-NU, KA-UZ und KA-OT sind offenbar beliebte Kombinationen.

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