Zwischen Neckar und Alb

Zahl der Betriebsräte geht zurück

Wirtschaft Die Gewerkschaft NGG warnt vor Behinderung der Betriebsratswahlen im Landkreis Esslingen.
Symbolfoto

Kreis. Mehr Demokratie hinterm Werkstor: Dazu fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf. Deshalb sollten sich Beschäftigte, die sich im Landkreis Esslingen über schlechte Arbeitsbedingungen ärgern, stärker um ihre Interessen kümmern – und die Vorbereitung der Betriebsratswahlen im kommenden Jahr unterstützen. „Betriebsräte helfen nicht nur, Jobs zu sichern. Sie geben auch kreative Impulse aus der Belegschaft an die Chefetage weiter und tragen dazu bei, Firmen fit für die Zukunft zu machen“, sagt Hartmut Zacher, Geschäftsführer der NGG-Region Stuttgart. Doch ein Großteil der Menschen, die im Landkreis Esslingen in der Lebensmittelbranche und im Gastgewerbe arbeiten, könne nicht auf eine Arbeitnehmervertretung bauen. Das liege auch daran, dass gerade in Kleinbetrieben viele Chefs die Gründung eines Betriebsrats blockierten, berichtet der Gewerkschafter.

Mitbestimmung ist wichtig

Die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig die betriebliche Mitbestimmung sei. Dort, wo es Betriebsräte gebe, sei nicht nur häufiger das Kurzarbeitergeld aufgestockt worden. Auch beim Infektionsschutz am Arbeitsplatz komme es entscheidend auf die Mitsprache der Arbeitnehmervertreter an, so Zacher. Die NGG appelliert daher, sich schon jetzt über die Kandidaten zu informieren – oder sich selbst zur Wahl aufstellen zu lassen. „Schon in Betrieben ab fünf Mitarbeitern ist die Wahl möglich“, betont Zacher.

Das in diesem Jahr eingeführte Betriebsrätemodernisierungsgesetz stärke die Position der Beschäftigten. „Wer eine Betriebsratswahl vorbereitet, ist nun schwerer kündbar. Außerdem erhalten Betriebsräte bei Themen wie dem mobilen Arbeiten, der betrieblichen Weiterbildung und Künstlicher Intelligenz mehr Mitsprache“, erklärt Zacher. Dabei nutze die Mitbestimmung auch den Unternehmen: Nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung seien Firmen mit Betriebsrat durchschnittlich 18 Prozent produktiver als Unternehmen, bei denen es diese Mitbestimmung am Arbeitsplatz nicht gebe. Arbeitnehmervertretungen erkennen Probleme im Arbeitsalltag schneller und sorgen für einen besseren Austausch zwischen Belegschaft und Management. Dennoch sei die Zahl der Betriebsräte in den letzten Jahren zurückgegangen. „Die Zahlen zeigen, dass in puncto Mitbestimmung mehr getan werden muss. Die Politik hat zwar einige Hürden für die Betriebsratswahl abgebaut. Aber es kommt auch auf die Beschäftigten an, ihr gutes Recht wahrzunehmen“, betont Zacher. Vor Ort biete die NGG Unterstützung beim Aufbau von Arbeitnehmervertretungen an. pm

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