Zwischen Neckar und Alb

Zeit, Geld und Nerven investiert

Verleihung IHK-Bezirkskammer ehrt 233 Auszubildende mit Preisen und Belobigungen. Dieses Mal gibt es weitaus mehr ausgezeichnete Prüflinge als noch in den Jahren davor. Von Peter Dietrich

Die Tanzgruppe Rockingstars zeigt bei der Preisverleihung im Quadrium ihr Können.Foto: Peter Dietrich
Die Tanzgruppe Rockingstars zeigt bei der Preisverleihung im Quadrium ihr Können.Foto: Peter Dietrich

So hoch war der Anteil der ausgezeichneten Prüflinge bei der IHK Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen noch nie. 233 Absolventen von Aus- und Weiterbildungen nahmen im Wernauer Quadrium Preise und Belobigungen entgegen. Natürlich waren große Firmen wie zum Beispiel die Daimler AG mehrfach vertreten – bei vielen Auszubildenden sind eben auch viele gute dabei. Doch zu einer Belobigung – die gibt es ab der Note 1,9 und besser, oder sogar einem Preis für die Note 1,4 und besser – kann auch eine Ausbildung bei kleinen Unternehmen führen.

Rebecca Zimmermann hat beim Tierschutzverein Esslingen den Beruf Tierpflegerin gelernt und ist stolz, dass sie es bis zur Landesbesten geschafft hat. Der Leichtflugzeugbauer Timo Barth, der bei Schempp-Hirth Flugzeugbau in Kirchheim zum Leichtflugzeugbauer ausgebildet wurde, wird sogar als Bundesbester im Dezember nach Berlin reisen. Er hatte natürlich weniger „Konkurrenten“ als eine Verkäuferin. Doch auch hier führte eine Ausbildung im Esslinger Modehaus Kögel zu einer Prüfung mit 99 von 100 möglichen Punkten, so wurde Ramona Omerovic die Landesbeste.

Von den 166 Belobigungen und 54 Preisen für Auszubildende entfielen 32 Belobigungen und fünf Preise auf Industriemechaniker, damit war dieser Beruf mit Abstand am häufigsten vertreten. Hinzu kamen 13 Ehrungen für Fortbildungen. Manche engagierte junge Menschen können von solchen Fortbildungen gar nicht genug bekommen. Die Mechatronikerin Linda Koslowski aus Ebersbach wurde für ihre erfolgreiche Weiterbildung zur Geprüften Technischen Fachwirtin geehrt, diese hat Bachelor-Niveau. Sie hat jedoch vor einigen Tagen bereits ihre schriftliche Prüfung zum Geprüften Technischen Betriebswirt, einer weiteren Fortbildung auf Master-Niveau, hinter sich gebracht. Dass sie weitermachen will, ist ihr schon während der Ausbildung klar gewesen, sagte sie im Gespräch mit Heinrich Baumann, dem Präsidenten der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen.

Baumann bedauerte, dass die Berufsschulen im Landkreis Esslingen nicht zu den Schulen gehören, die das Wirtschaftsministerium als Lernfabrik 4.0 ausgestattet hat. Er wünscht sich, dass die Berufsschulen die Lernfabrik 4.0 nutzen können, die Festo Didactic zur Kundenschulung in Denkendorf baut. „Wir führen dazu Gespräche mit dem Landratsamt, dem Wirtschaftsministerium und mit Festo.“ Die duale Ausbildung habe es schwer, sich als Alternative zum Studium zu behaupten. Umso wichtiger sei es, auf sie aufmerksam zu machen, etwa beim Berufsparcours. Am jüngsten Berufsparcours nahm auch eine Flüchtlingsklasse teil. „Auch bei jungen Flüchtlingen gibt es Traumberufe, und der Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist oft noch größer als bei unseren einheimischen Jugendlichen.“ Zu den Preisträgern sagte Baumann: „Sie haben kräftig Zeit, Geld und Nerven investiert und es hat sich gelohnt.“ Nur 53 von 1 277 Teilnehmern der IHK-Sommerprüfung hatten zu wenig investiert und haben die Prüfung nicht bestanden. Die Preisträgerquote lag mit über 17  Prozent auf Rekordniveau.

Am Erfolg, betonte Dieter Proß, Leiter des Referats Beruf und Qualifikation, haben auch die Betriebe, die Lehrer, Eltern und Freunde ihren Anteil. Die erfolgreiche Ausbildung sei eine sehr gute Grundlage, aber kein Patentrezept für eine große Karriere. Zum Engagement und zur Leidenschaft gehöre auch ein Quäntchen Glück. Proß ermunterte die Preisträger: „Sie alle haben die Möglichkeit erhalten, sich für ein Stipendium zu bewerben, hier winken 6 000 Euro von der IHK für eine Weiterbildung.“

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