Zwischen Neckar und Alb

Zerstörungswut an der Ulrichsbrücke

Vandalismus Immer wieder werden die Lampen an dem Köngener Baudenkmal mutwillig beschädigt. Jetzt prüft die Gemeinde, ob der Denkmalschutz eine neue Beleuchtungsanlage zulassen würde. Von Elisabeth Maier

Die Ulrichsbrücke ist ein viel genutzter Rad- und Fußweg. Immer wieder werden jedoch die Lichtstelen zerstört.Foto: Roberto Bulg
Die Ulrichsbrücke ist ein viel genutzter Rad- und Fußweg. Immer wieder werden jedoch die Lichtstelen zerstört.Foto: Roberto Bulgrin

Zum wiederholten Male sind die LED-Lampen auf der Ulrichsbrücke zwischen Wendlingen und Köngen zerstört worden. Obwohl die Gemeinde Köngen Leuchten angeschafft hat, die gegen Vandalismus gesichert sind, finden Unbekannte immer wieder Wege, die Leuchtkörper zu zertrümmern. Die historische Brücke ist ein belebter Überweg, den gerade Schüler und Bahnreisende aus Köngen häufig nutzen. Ohne Licht ist die Brücke über den Neckar aber alles andere als sicher.

„Es ist wirklich schlimm“, brachte es nun die Köngener Gemeinderätin Annelies Rahm auf den Punkt. Erst im September 2017 hatte sich der Gemeinderat dazu durchgerungen, die Leuchtkörper noch ein letztes Mal reparieren zu lassen. Das verursacht nach den Worten von Hauptamtsleiter Gerald Stoll aber jedes Mal „Kosten im vierstelligen Bereich“. Annelies Rahm gab auch zu bedenken, dass aus den LED-Lampen gefährliche Substanzen austreten, wenn sie zerstört werden. Da die Lichtstelen nun erneut zerschlagen worden sind, denkt die Gemeinde über ein neues System nach.

Das ist allerdings nicht so einfach, weil die Brücke des berühmten Baumeisters Heinrich Schickhardt aus dem 17. Jahrhundert unter Denkmalschutz steht (siehe Info). „Wir haben schon früher angeregt, ein Leuchtband in den Boden einzubauen“, erinnerte Köngens Bürgermeister Otto Ruppaner an einen Vorstoß bei der Behörde. Da aber hätten die Denkmalschützer nicht mitgemacht. Es werde akribisch auf das städtebauliche Bild geachtet. Nun waren sich die Gemeinderäte aber einig, dass die Lichtstelen auf der Brücke keine Zukunft haben. Auch klassische Straßenlaternen machen aus Sicht des Bürgermeisters keinen Sinn: „Da gibt es Täter, die hochklettern und die so lange rütteln, bis die Laterne kaputt ist.“

Im Gespräch ist nun unter anderem eine Beleuchtungsanlage, die links und rechts der Brücke an Trägern aus Metall angebracht werden soll. Fraglich ist, ob der Denkmalschutz zustimmt.

Ortsbaumeister Georg Barner klärt nun mit den Denkmalschützern und Planern, welche alternativen Beleuchtungen für die Ulrichsbrücke infrage kommen. Eine Sperrung der Brücke, die viel von Schülern des Wendlinger Gymnasiums genutzt wird, und Überwachungskameras können sich die Gemeinderäte im Moment nicht vorstellen.

Nach Plänen von Heinrich Schickhardt erbaut

Historie: Die heute denkmalgeschützte Ulrichsbrücke entstand zwischen 1600 und 1602 nach Plänen und unter Anleitung des schwäbischen Baumeisters Heinrich Schickhardt. Nachdem das Bauwerk 1945 teilweise zerstört und im Folgejahr wieder aufgebaut worden war, rollten jahrelang Autos, Laster und Motorräder über die Ulrichsbrücke. Seit 1976 ist sie nur noch für Fußgänger und Radfahrer geöffnet.

Legende: Der Sage nach - so erzählt es Wilhelm Hauff in seinem Roman „Lichtenstein“ - soll Herzog Ulrich auf der Flucht vor seinen Feinden einmal von der Ulrichsbrücke gesprungen sein. em

Anzeige